Libanon bremst Iran-USA-Atomdeal

Hisbollah und Israel kämpfen trotz Waffenruhe weiter

Rettungskräfte bei der Begutachtung von Schäden nach angeblichen israelischen Luftangriffen. Foto: EPA-EFE/Sana Handout
Rettungskräfte bei der Begutachtung von Schäden nach angeblichen israelischen Luftangriffen. Foto: EPA-EFE/Sana Handout

TEHERAN/BEIRUT/TEL AVIV: Während Iran und USA heute in der Schweiz Gespräche über ein dauerhaftes Kriegsende aufnehmen wollen, gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Südlibanon unvermindert weiter – und gefährden die Verhandlungen, noch bevor die Unterhändler den eigentlichen Streitpunkt angehen: das iranische Atomprogramm.

Bei erneuten israelischen Luftangriffen wurden nach libanesischen Behördenangaben mindestens sieben Menschen getötet: fünf in der Bekaa-Ebene, darunter ein Kind, eine Frau und zwei ältere Menschen, sowie zwei Palästinenser nahe der Küstenstadt Tyrus. Ein israelischer Armeesprecher bestritt nächtliche Angriffe.

Hügel bei Nabatija umkämpft

Libanesische Sicherheitskreise berichten, israelische Bodentruppen überwachten einen strategisch wichtigen Hügel nahe Nabatija, ohne ihn bislang vollständig zu kontrollieren. Das israelische Portal «ynet» meldete dagegen, die Armee halte das Gebiet bereits – dort befinde sich eine unterirdische Anlage, die mit iranischer Unterstützung errichtet wurde und als eines der wichtigsten Kommandozentren der Hisbollah im Südlibanon gilt. Dutzende Kämpfer seien eingeschlossen. Die Hisbollah wies dies als Propaganda zurück.

In der Region hatte Israel vor rund drei Wochen bereits die historische Burg Beaufort eingenommen. Zuletzt wurden dort vier israelische Soldaten bei einem Angriff auf ihren Panzer getötet. Seit Anfang März kamen im Libanon nach offiziellen Angaben mehr als 4.000 Menschen ums Leben, über 12.000 wurden verletzt.

Warum der Libanon so viel Sprengstoff birgt

Das zwischen Washington und Teheran vergangenes Wochenende beschlossene Rahmenabkommen sieht ein Ende sämtlicher Kämpfe vor, einschließlich der gegenseitigen Angriffe im Libanon. Auf eine explizite Regelung der israelischen Militärpräsenz im Süden des Landes verzichtet der Text, verweist aber auf die Wahrung von Souveränität und territorialer Integrität des Libanon.

Für den Iran ist die Hisbollah weit mehr als ein Verbündeter: Sie ist das wichtigste Instrument, um die islamische Revolution in der Region zu exportieren. Teheran macht deshalb den Rückzug Israels aus dem Südlibanon zur Bedingung für ein dauerhaftes Kriegsende. Israel beharrt seinerseits darauf, die Truppen so lange im Land zu halten, bis die Hisbollah geschwächt und die libanesische Armee handlungsfähig ist – eine Lösung, die die libanesische Regierung zwar zugesagt, aber bislang nicht umgesetzt hat.

Die anhaltende Besetzung und die Zerstörung ziviler Orte verschaffen der Hisbollah, die zu Kriegsbeginn intern stark kritisiert worden war, unterdessen neuen Zulauf.

Druck auf Trump, Drohung mit Hormus

Für US-Präsident Donald Trump, der einen schnellen Kriegserfolg versprochen hatte, wächst der innenpolitische Druck. Seine Beliebtheitswerte litten seit Kriegsbeginn, und mit Blick auf die Novemberwahlen zeigen sich auch Republikaner nervös. Erste Parteimitglieder zweifeln öffentlich daran, ob das Rahmenabkommen dem Iran zu viele Zugeständnisse macht – etwa beim Wiederaufbaufonds oder bei gelockerten Sanktionen.

Als Druckmittel hält der Iran die Drohung bereit, die Straße von Hormus zu sperren. Durch die rund 50 Kilometer schmale Meerenge fließt normalerweise ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Schon Drohungen oder einzelne Angriffe können Schiffsverkehr und Energiemärkte empfindlich stören.

Der Politikwissenschaftler Trita Parsi vom Quincy Institute glaubt nicht, dass der Iran die Meerenge tatsächlich schließen wird. «Doch sie wedeln kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde mit dieser Waffe», sagte er CNN, «um zu signalisieren, dass sie es absolut ernst meinen.» Parsi ist überzeugt: Teheran wird darauf bestehen, dass Israel sich nach Ablauf der 60-Tage-Frist aus dem Libanon zurückzieht.

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