LONDON: Zum Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran meint die britische Zeitung «The Times» am Freitag:
«Nach 110 Tagen anhaltender Feindseligkeiten scheint US-Präsident Donald Trump das Unmögliche geschafft zu haben: Trotz des großangelegten Einsatzes von US-Militärmacht ist es ihm gelungen, das Ansehen und die Macht des bösartigen und verlogenen iranischen Regimes zu stärken, das er eigentlich demütigen wollte.
Obwohl noch 60 Tage oder mehr an Verhandlungen vor uns liegen, hat der Chef-«Dealmaker» bereits Zugeständnisse hinsichtlich der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte angedeutet und die Wiederaufnahme der iranischen Ölexporte zugelassen.
Er hat erlaubt, dass der Iran seine ballistischen Raketen behält, und er hat den Abzug der US-Streitkräfte angeboten. Er hat im Namen Israels den Rückzug aus dem Libanon zugesagt und er hat ein Wiederaufbaupaket in Höhe von 300 Milliarden Dollar als Belohnung für gutes Benehmen in Aussicht gestellt. Er hat die Frage des iranischen Atomprogramms zurückgestellt und steuert auf ein Abkommen zu, das nicht strenger ausfällt als dasjenige, über das er sich zuvor lustig gemacht hatte.
Besonders beunruhigend ist, dass Trump offenbar auch die faktische Kontrolle des Irans über die Straße von Hormus anerkennt - eine Haupttransportroute für ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssigerdgases. Wenn die durch den Konflikt festsitzenden Tanker wieder in Fahrt kommen (es müssen noch Minen geräumt werden), werden sie dies nach dem Belieben Teherans tun. Das Abkommen lässt die Tür für ein Mautsystem offen - etwas, das vor dem 27. Februar noch undenkbar war. Der Persische Golf verdient seinen Namen nun in jeder Hinsicht.
Trump und seine Gefolgsleute fielen den mit einer Niederlage einhergehenden Fehlern zum Opfer: Überheblichkeit, Unterschätzung des Gegners und das Versäumnis, die Kriegsziele mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in Einklang zu bringen.»