BANGKOK: Thailand treibt die Digitalisierung seiner Einwanderungsdienste weiter voran. Die Einwanderungsbehörde hat gemeinsam mit der Digital Identity Co Ltd und Amazon Web Services (AWS) das neue Thailand Immigration Management System (THIM) entwickelt. Die web- und mobilbasierte Plattform soll ab dem 1. Oktober 2026 offiziell in Betrieb gehen und als erste Anwendung ihrer Art in Thailand zahlreiche Einwanderungs- und Aufenthaltsverfahren digital bündeln.
Nach Angaben der Behörden richtet sich das System insbesondere an die jährlich rund 30 Millionen ausländischen Besucher des Landes. Bangkok war 2025 die weltweit meistbesuchte Stadt nach internationalen Ankünften. THIM soll den Verwaltungsaufwand für Touristen, Langzeitaufenthalter und ausländische Arbeitnehmer deutlich reduzieren und langfristig die Grundlage für automatisierte Grenzabfertigungen an Flughäfen schaffen.
Pol Maj Gen Pratya Prasarnsuk, stellvertretender Kommissar der thailändischen Einwanderungsbehörde, bezeichnete THIM auf dem AWS Summit Bangkok als einen wichtigen Schritt in der digitalen Transformation des Landes. Die Plattform solle Thailand an die Spitze der digitalen Einwanderungsverwaltung in Südostasien führen.
Wiederkehrer sparen Zeit bei Einreisen
Bisher setzte die Behörde bei vielen Verfahren noch auf manuelle Prozesse. Zwar wurde im vergangenen Jahr die webbasierte Thailand Digital Arrival Card eingeführt, über die bereits mehr als zehn Millionen Reisende abgefertigt wurden. Allerdings mussten wiederkehrende Besucher bei jeder Einreise sämtliche Angaben erneut erfassen. Mit THIM sollen Nutzer ihr vollständiges Profil künftig nur einmal anlegen. Bei späteren Reisen müssen lediglich einzelne Angaben wie Flugnummer oder Rückreisedatum aktualisiert werden. Die Behörde geht davon aus, dass sich die Bearbeitungszeit für die digitale Einreisekarte dadurch auf etwa drei Minuten verkürzt.
Die Anwendung steht bereits für einen Pilotbetrieb zum Download bereit. Die Identitätsprüfung erfolgt über ein elektronisches Know-Your-Customer-Verfahren (e-KYC), bei dem die Angaben mit den Passdaten abgeglichen werden. Nach Angaben der Behörde müssen Reisende bei der Einreise keinen QR-Code mehr vorzeigen. Die Daten werden direkt mit dem System der Einwanderungsbehörde synchronisiert und können beim Scannen des Reisepasses automatisch überprüft werden.
Zum Start unterstützt THIM die Sprachen Englisch, Russisch, Japanisch und Chinesisch. Künftig soll das Angebot auf insgesamt 15 Sprachen erweitert werden.
Immigrationdienste künftig digital
Langfristig plant die Behörde, THIM zu einer umfassenden digitalen Plattform für alle in Thailand lebenden Ausländer auszubauen. Vorgesehen sind unter anderem Terminbuchungen, elektronische Verlängerungsanträge, die Online-Vorabübermittlung von Dokumenten, Anträge auf Statusänderungen sowie die Ausstellung verschiedener Bescheinigungen.
Auch für Langzeitaufenthalter soll die Plattform Vorteile bieten. So könnten künftig die verpflichtenden 90-Tage-Meldungen sowie Anträge auf offizielle Dokumente vollständig digital abgewickelt werden. Inhaber langfristiger Visa, darunter Investoren mit Privilegien des Board of Investment oder Diplomaten, könnten perspektivisch automatisierte Flughafenkontrollen nutzen. Dabei soll Gesichtserkennung eingesetzt werden, die aktuelle Aufnahmen mit den im Passchip gespeicherten Identitätsdaten vergleicht.
Darüber hinaus plant die Einwanderungsbehörde Kooperationen mit privaten Unternehmen, um Touristen über die Plattform exklusive Vergünstigungen, Sonderangebote und weitere Vorteile anzubieten.
THIM setzt auf KI und Cloud-Dienste
Die technische Infrastruktur von THIM basiert auf Cloud-Diensten von AWS. Eingesetzt werden unter anderem KI-gestützte Texterkennung zur Passprüfung, e-KYC-Prozesse, Sicherheits- und Compliance-Lösungen sowie Systeme zur Steuerung der Datenverarbeitung.
AWS Thailand betonte, dass digitale Infrastruktur zunehmend als wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Vertrauen in staatliche Dienstleistungen betrachtet werde. Besonderes Augenmerk liege dabei auf dem Schutz personenbezogener Daten. Nach Angaben des Unternehmens werden sämtliche Daten innerhalb Thailands gespeichert und unterliegen vollständig der thailändischen Rechtshoheit.