Eine Gans: Nicht nur zur Weihnachtszeit

Fallen Feste aus, kann man sie alternativ oder auch vorgezogen feiern

Knusprig und zart werden unsere Gänse, wenn sie zuerst behutsam gesotten werden, danach erst in den Ofen. Fotos: hf
Knusprig und zart werden unsere Gänse, wenn sie zuerst behutsam gesotten werden, danach erst in den Ofen. Fotos: hf

Dass der laute Teil von Songkran mit seinen überbordenden Wasserschlachten wegen Corona ausgefallen ist, hat mich gar nicht gestört, ganz im Gegenteil. Wir haben trotzdem etwas gefeiert, aber eben viel stiller, weniger hysterisch als in anderen Jahren.

Zwiebeln sind mit Gewürznelken gespickt.
Zwiebeln sind mit Gewürznelken gespickt.

Leergelaufene Rituale, darüber macht sich der Schriftsteller Heinrich Böll in seiner sagenhaften Satire: „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ lustig. Tante Milla bekommt Schreikrämpfe, wenn nicht jeden Abend Weihnachten gefeiert wird. Onkel Franz, ihr Gatte, verordnet ihr und der Familie deshalb eine Weihnachtsbaumtherapie. Da Weihnachten im Jahr 2020 – wo nichts mehr garantiert ist – vielleicht ebenso „verschoben“ wird wie Songkran oder Ostern, wir aber keine Schreikrämpfe bekommen wollen, haben wir Weihnachten deshalb schon am Ostersonntag gefeiert und zwar kulinarisch, mit einem Gänsebraten.

Möglichst lokale Produkte verwenden

Unsere Ostergans war keinen langen, qualvollen Tiertransporten ausgesetzt. Sie wurde im Garten zu Pattaya erst betäubt, dann mit Kehlschnitt in den Gänsehimmel geschickt, wenn man das Schlachten, das kein schöner Vorgang ist, verharmlosend darstellen will. In gefrorener Form habe ich sie – zusammen mit Kolleginnen – bei meinem vorerst letzten Flug von Pattaya nach Udon Thani mitgenommen. Nach dem Durchleuchten des Koffers musste ich ihn öffnen, bevor er schließlich durchging. Es waren aber nicht die drei gefrorenen Gänse im Koffer, die den Leuten am Flughafen suspekt waren, sondern das geräucherte Meersalz… Auch das haben sie aber schließlich durchgewunken.

Die Graviolas reifen nun ja langsam heran.
Die Graviolas reifen nun ja langsam heran.

Wie lange das schon her scheint! Ja, es gab mal eine Zeit, wo man einfach so und für wenig Geld von Pattaya nach Udon Thani fliegen konnte.

Geplant war eigentlich, dass die erweiterte Familie in Pattaya die Familie in Nong Khai über Songkran besuchen wollte. Und da die drei Gänse am Thai-Neujahr hätten verspeist werden sollen, muss man unsere einsame Ostergans wohl richtiger als „Songkrangans“ bezeichnen, geschmeckt hat sie uns auf jeden Fall.

Fast alle Zutaten sind aus dem Garten

Die üblichen Äpfel, die ins Rotkraut und in den Gänsebauch gehören, haben wir ersetzt durch unsere delikaten Rio-Guaven: Außen gelb, innen rot, mit fantastischem Geschmack. Die Lorbeerblätter im Rotkraut, im Gänsebauch und in der Gänsesauce stammen natürlich ebenso aus dem Garten wie die Eier in den Spätzle. Nur das Mehl für die Spätzle stammt aus Australien. Als ausgekernte Apfelhälften haben wir säuerliche Mangohälften verwendet und sie mit eigens hergestellter Maulbeerkonfitüre gefüllt, statt mit den üblichen Preiselbeeren.

Eine erste kleine Avocado wurde gesichtet.
Eine erste kleine Avocado wurde gesichtet.

Neu fallen in Nong Khai nun auch wieder die Graviola-Früchte (Annona muricata) an. Die süß-sauren Stachelannonen, wie sie auch genannt werden, kommen bei mir ins Müsli, werden zu Konfitüre verarbeitet. Die getrockneten Blätter liefern einen Tee, der das Immunsystem stärken soll. Der Konsum von Graviola schmeckt in jeder Form und schadet in den unsicheren Coronazeiten bestimmt nicht.

Und noch eine weitere gute Nachricht: An unserem veredelten Avocado-Baum der Sorte Booth 7, der kürzlich ganz stark geblüht hat, habe ich mindestens eine erste Frucht entdeckt! Weitere werden wohl folgen.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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