Der Geldbaum liefert jetzt ja endlich Nüsse

Riesige Blüten, die an Rasierpinsel erinnern und sehr vergänglich sind

Umwerfend schön, ein wahres Feuerwerk ist die Blüte der Pachira aquatica, der Baum liebt Wasser über alles. Fotos: hf
Umwerfend schön, ein wahres Feuerwerk ist die Blüte der Pachira aquatica, der Baum liebt Wasser über alles. Fotos: hf

Äußerst attraktive Blüten haben die Malabar-Kas­tanien. Sie fangen am Abend zu blühen an, sind auch am nächsten Morgen noch schön, am Nachmittag aber bereits verblüht.

Die Blüte der Pachira insignis ist auch ganz toll.
Die Blüte der Pachira insignis ist auch ganz toll.

Pachira aquatica heißt der enorm rasch wachsende Baum aus Südamerika offiziell, er ist aber auch als Malabar-Kas­tanie oder Geldbaum bekannt, und das kommt daher: Gemäß Legende betete ein bitterarmer Mann einst wie Milchmann Tewje um Geld. Er bekam diesen sehr produktiven Baum, verkaufte die Setzlinge, die er aus den vielen essbaren Nüssen zog und wurde dadurch schwerreich. Nicht zuletzt deswegen ist der Baum bei den Chinesen auf Taiwan sehr beliebt.

Eine langsame und eine rasche Sorte?

In Caracas, Venezuelas höchst krimineller Hauptstadt, wurde schon vor sieben Jahren ständig geschossen, es knallte immerzu. Was ich damals (irrtümlich) für Schüsse hielt, das waren tatsächlich die Nüsse der Malabar-Kastanie (dort ein beliebter Stadtbaum), die da aufs Pflaster klatschten. Natürlich hob ich sie auf und bald wuchsen rasch einige dieser attraktiven Bäume in meinen Gärten. Nach vielleicht fünf Jahren blühten sie zum ersten Mal, Nüsse bildeten sich aber bis heute nicht.

Dann sah ich den Baum und seine Nüsse wieder, und zwar in Rio de Janeiro vor drei Jahren. Diese Pflanzen wuchsen hier in Thailand noch schneller als ihre Kollegen aus Venezuela, fingen nach gut zwei Jahren bereits zu blühen an. Doch auch bei ihnen: Keine Nüsse. Da man sie durch Abmoosen nicht vermehren kann, versuchte ich es mit Samen, die ich aus dem Web bestellte: Sie keimten nicht, waren wohl zu alt. Doch dann erwähnte Facebook-Freundin Barbara C., dass ihre Pachira aquatica Bäume Nüsse hätten und ich welche bei ihr abholen könne. Vielen Dank! Problem gelöst.

Nach nur drei Jahren gibt es Malabar-Kastanien.
Nach nur drei Jahren gibt es Malabar-Kastanien.

Und: Jetzt plötzlich bilden sich auch an meinen Bäumen die allerersten holzigen Samenbehälter! Allerdings nur an den dreijährigen, nicht an den siebenjährigen Bäumen, was seltsam ist…

Beide Blüten attraktiv, aber nicht gleich

Ich habe nun beim Schreiben dieses Beitrags die Blüten der Bäume aus Caracas mit denen aus Rio verglichen und festgestellt, dass sie ähnlich, aber nicht identisch sind. Auch die Blätter sind nur ähnlich, aber nicht gleich. Offenbar handelt es sich bei den Geldbäumen aus Caracas um einen anderen, wahrscheinlich verwandten Baum, aber eben nicht um eine Pachira aquatica. Das freut mich insofern, da ich somit offenbar eine interessante und attraktive Baumspezies mehr habe als zuvor vermutet. Und inzwischen konnte ich auch den Namen der Bäume aus Caracas herausfinden: Pachira insignis. Und bei den Gewächsen meiner Facebook-Freundin Barbara handelt es sich um eine dritte Malabar-Kastanie: Pachira glabra. Bald werde ich also drei unterschiedliche Malabar-Kastanien haben!

Jetzt, da ich endlich frische Samen habe, bin ich auch nochmals der Frage nachgegangen, ob sie tatsächlich essbar sind. Ich kann die Frage nun klar bejahen. Für Menschen sind die Nüsse roh oder geröstet genießbar (alle drei Spezies), sollen ähnlich wie Edelkastanien schmecken, für Ratten hingegen gesundheitsschädigend bis tödlich sein. Aber das ist ja auch bei anderen Dingen so. So sind etwa Avocados für Papageien tödlich, die für uns so leckeren Makadamia-Nüsse haben denselben Effekt bei Hunden.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957[at]gmail.com oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook.

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