Der Bauch der Teddybären war voll davon…

Ein riesiger Tropenbaum, der rasch und nachhaltig die Welt erobern möchte

Voller Kapok -Fasern hängen diese tollen Bäume, die gigantisch groß werden können und enorm produktiv sind. Fotos: hf
Voller Kapok -Fasern hängen diese tollen Bäume, die gigantisch groß werden können und enorm produktiv sind. Fotos: hf

Teddybären müssen schwimmen können! Oder sie muss­ten es früher mindes­tens gekonnt haben und das sogar frisch ab Fabrik, ganz ohne Schwimmunterricht. In ihren Anfängen wurden sie nämlich genau wie Schwimmwesten mit einem sehr leichten und flauschigen pflanzlichen Material gefüllt, mit Kapok.

Nach nur einer Woche keimen die Kapok-Samen schon.
Nach nur einer Woche keimen die Kapok-Samen schon.

Vom Sehen kenne ich Kapok-Bäume (Ceiba pentandra) schon lange. Ihre Samenkapseln sind eindrückliche Gebilde und die Bäume hängen voll davon, wirken wie gigantische Fruchtbarkeitssymbole. Und irgendwann stülpen diese holzigen Samenkapseln ihr Innerstes nach außen. Sie stoßen massenweise weißes Zeugs aus, das wie Watte aussieht. Falls es Leute gibt, die dagegen allergisch sind, sollten sie  den Kapok-Bäumen nicht zu nahe kommen.

Schwere Samen werden federleicht

Kapok-Bäume sind Giganten, sie können bis 75 Meter groß werden und ihr Stamm kann drei oder auch über fünf Meter Querschnitt erreichen. Also schon rein äußerlich sind das gestandene Machos, und auch ihr Verhalten ist ur-männlich, denn sie haben nichts anderes vor, als die Eroberung der Welt. Wie tun sie das? Indem sie ihre zahllosen Samen an viele weiße Watte-Fasern binden und sie so flugfähig machen.

Baumwolle (Gossypium hirsutum) verfolgt die genau gleiche Taktik der Verbreitung, auch sie stattet ihre Samen mit temporärer Flugfähigkeit aus und lässt sie vom Winde in alle Welt verwehen. Allerdings ist die Baumwolle im Vergleich zum Kapok ein Zwerg. Baumwolle erlebte ihren großen Aufschwung erst nach der Industriellen Revolution, als es gelang, die relativ kurzen Fasern maschinell zu verarbeiten. Was blieb war allerdings die Plackerei der manuellen Ernte…

Kapok ein superweiches Stopfmittel

Die relativ schweren Samen fallen irgendwann zu Boden.
Die relativ schweren Samen fallen irgendwann zu Boden.

Kapok ist auch unter dem Begriff „Seiden-Baumwolle“ bekannt, und der Name hat durchaus etwas für sich. Da ich schon lange ein paar Kapok-Bäume im Garten haben wollte (Setzlinge gibt es nirgendwo zu kaufen), habe ich bei einem Baum in der Nähe angehalten und von der Watte eingesammelt. Das ist für die Thais natürlich immer eine Gaudi, wenn der Farang sich nach etwas bückt, das für die meisten Leute keinen Wert mehr hat. Wie sich mein Gärtner erinnert, wurde in seiner Jugend in der Gegen von Petchabun Kapok aber noch angebaut, geerntet und gewaschen. Doch heute fallen die Samenkapsel einfach zu Boden, öffnen sich dort und entlassen die Samen fliegenderweise. Oder die Samenkapseln öffnen sich noch oben am Baum, dann fliegen die Samen noch weiter.

Ich habe dann die Samen aus dieser wirklich seidenweichen, taktil sehr angenehmen Kapok-Watte herausgeschält. Die Samen sind relativ schwer, sie sollen ja auch – wenn die Watte mal etwas zerzaust oder verblasen ist – ruhig auf den Boden fallen.

Und genauso - als wenn die Samen eben auf die Erde gefallen wären, also nicht eingegraben – haben wir die Kapok Samen gesät. Sie saugen sich sofort mit Wasser voll und die ersten haben innerhalb von wenigen Tagen bereits gekeimt.

Nachdem ich nun mit einigen Setzlingen rechnen kann, was die Voraussetzung für einen erfolgreichen Kapokanbau und Handel ist, kann ich mir auch Gedanken über die Verwendung meiner zukünftigen Rekordernten machen.

Es sieht nicht gut aus! In Kissen oder Teddybären wird heutzutage eben synthetisches Stopfmaterial verwendet. Kapok-Fasern sind leicht brennbar, was weder beim Teddy im Kinderzimmer noch bei den Kissen im Schlafzimmer besonders günstig, beliebt oder erwünscht ist.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957[at]gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite  oder Facebookseite.

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