Ban Nam Khem 21 Jahre nach dem Tsunami

Das Fischerdorf bewahrt Erinnerung und ringt um seine Zukunft

Ein thailändisches Fischerboot liegt im Dorf Ban Nam Khem, nachdem es vom Tsunami am 26. Dezember 2004 weit ins Landesinnere geschleudert worden war. Foto: epa/Ciro Fusco
Ein thailändisches Fischerboot liegt im Dorf Ban Nam Khem, nachdem es vom Tsunami am 26. Dezember 2004 weit ins Landesinnere geschleudert worden war. Foto: epa/Ciro Fusco

PHANG-NGA: Einundzwanzig Jahre nach dem Tsunami von 2004, der das Fischerdorf Ban Nam Khem in der Provinz Phang-nga nahezu ausgelöscht hatte, ringt die Gemeinde weiterhin mit den Folgen der Katastrophe.

Neben geologischen Veränderungen prägen demografische Umbrüche und der Wandel der Erwerbsstrukturen das Leben der verbliebenen Bewohner. Zugleich bemüht sich die Dorfgemeinschaft, ihre Lebensweise zu bewahren und die Lehren aus der Katastrophe an kommende Generationen weiterzugeben.

Lehren aus der Katastrophe

Die heute 59-jährige Tsunami-Überlebende Amphan Petchnoi sagt, dass sie aus der Katastrophe vor allem eines gelernt habe: Menschenleben seien wichtiger als jeder Besitz. Aus diesem Grund hält sie stets eine Notfalltasche mit wichtigen Dokumenten, etwas Bargeld und Kleidung bereit. Bei jedem Probealarm greife sie danach und bringe sich in Sicherheit. Amphan lebt seit ihrem 18. Lebensjahr in Ban Nam Khem. Vor dem Tsunami betrieb sie mit ihrem damaligen Ehemann ein gut laufendes Lebensmittelgeschäft, das zahlreiche Fischerboote versorgte. Das Dorf war damals ein prosperierender Standort der Fischerei, der Arbeitskräfte aus anderen Teilen Thailands anzog.

Ort des Gedenkens und des Verlusts

Der Tsunami von 2004 hinterließ tiefe Spuren. In Ban Nam Khem kamen 824 Menschen ums Leben, die Provinz Phang-nga verzeichnete mit mehr als 4.200 Toten die höchste Opferzahl landesweit. Insgesamt starben in Thailand über 5.300 Menschen. Seither ist Ban Nam Khem Teil des kollektiven Gedächtnisses des Landes. Heute ist das Dorf ein Ort des Erinnerns. Die Bevölkerung ist nach Angaben von Maitree Jongkraijug von der Chumchonthai Foundation nur noch etwa halb so groß wie vor der Katastrophe. Rund 2.100 Familien seien nach dem Tsunami in staatlich geförderte Siedlungen im Landesinneren umgesiedelt worden, viele aus Angst vor einer erneuten Flutwelle.

Erinnerungskultur und Tsunami-Wissen

Das Ortsbild ist inzwischen von Betonhäusern geprägt, die nach 2004 von verschiedenen Organisationen errichtet wurden. Anders als im nahegelegenen Khao Lak oder auf Phuket fehlen Hotels und Restaurants weitgehend. Dennoch zählt Ban Nam Khem zu den wenigen Orten in Thailand, an denen die Erinnerung an den Tsunami institutionell bewahrt wird – durch ein Mahnmal und ein Museum. Angestoßen wurde diese Erinnerungskultur maßgeblich von Maitree Jongkraijug, der selbst mehr als 40 Familienangehörige verloren hat. Jahrelang sei die Idee eines Tsunami-Museums von staatlicher Seite vernachlässigt worden, bis sich dies nach 2014 geändert habe. Der Katastrophenforscher Anawat Suppasri von der Tohoku-Universität verweist auf Japan als Vergleich. Dort gebe es in jeder vom Tsunami 2011 betroffenen Stadt ein Museum, das Wissen systematisch sammle und vermittle. Auch Thailand verfüge über bedeutende Lernorte, etwa das Pakarang-Kap oder die Insel Koh Phra Thong, wo geologische Spuren früherer Tsunamis erhalten seien. Solche Zeugnisse könnten helfen, das Risikobewusstsein zu stärken.

Neuanfang trotz Verlust und Abwanderung

Für Amphan begann nach der Katastrophe ein mühsamer Neuanfang. Zwei Tage nach dem Tsunami fand sie den Leichnam ihres Mannes, ihre drei Töchter lebten monatelang in einer Notunterkunft. Mit Spenden aus öffentlicher und privater Hand eröffnete sie knapp ein Jahr später erneut ein Geschäft. Sie blieb im Dorf, heiratete erneut und lebt bis heute unter anderen Überlebenden. Ihr jetziger Ehemann Suthep Thongsrikaew überlebte den Tsunami auf See, verlor jedoch seine erste Familie. Heute achtet er als Fischer besonders auf Erdbebenmeldungen. Viele jüngere Dorfbewohner, darunter auch eine Tochter Amphans, haben Ban Nam Khem inzwischen verlassen und arbeiten in nahegelegenen Städten im Tourismussektor. Trotz allem zeigt sich Amphan zuversichtlich: Aufgeben sei für sie keine Option.

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