USA warnen China vor Militäreinsatz

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (l.) Foto: epa/How Hwee Young
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (l.) Foto: epa/How Hwee Young

SINGAPUR: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat China vor einem militärischen Vorgehen gegen Taiwan gewarnt. «Ein Konflikt in der Taiwanstraße wäre verheerend», sagte Austin am Samstag beim Shangri-La-Dialog - einer asiatischen Sicherheitskonferenz in Singapur. Eine derartige Eskalation hätte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft «in einer Weise, die wir uns nicht vorstellen können», warnte Austin.

China betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik. Die 23 Millionen Einwohner zählende Inselrepublik hat aber seit mehr als sieben Jahrzehnten eine eigenständige Regierung. Chinas neuer Verteidigungsminister Li Shangfu hatte in Singapur kurz vor der Sicherheitskonferenz erneut mit einer Eroberung Taiwans gedroht.

Die USA lehnten eine «einseitige Veränderung des Status quos» ab, betonte Austin. Aus seiner Sicht sei ein Konflikt aber «weder unmittelbar bevorstehend noch unausweichlich». Die USA seien entschlossen, den Frieden und die Sicherheit in der für den weltweiten Schiffsverkehr so wichtigen Taiwanstraße zu bewahren.

Der Pentagon-Chef zeigte sich besorgt über den Mangel an Kommunikation zwischen den beiden Großmächten China und USA, deren Beziehungen auf einen Tiefpunkt gefallen sind. Besonders für Militärs und Verteidigungspolitiker seien offene Kommunikationsverbindungen wichtig, sagte Austin. «Der richtige Zeitpunkt für Gespräche ist jetzt.»

Mit Blick auf eine kurze Begegnung im Vorbeigehen am Vorabend mit Li Shangfu sagte Austin: «Ein herzliches Händeschütteln beim Abendessen ist kein Ersatz für eine sachliche Auseinandersetzung.» Die chinesische Seite hatte seinen Wunsch nach einem Gespräch mit dem General in Singapur schon vor der Konferenz abgelehnt.

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Leserkommentare

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Tom Tom 05.06.23 19:29
Taiwan von den USA anerkannt
@Ingo Kerp
Der Taiwan Relations Act ist ein US-Gesetz, das am 10. April 1979 vom Kongress verabschiedet wurde und die Beziehungen zur Republik China (Taiwan) nach der diplomatischen Anerkennung der Volksrepublik China neu definierte. Als Territorium der Republik China wurden die Insel Taiwan und die Pescadoren-Inseln anerkannt.
Und im Krieg eine "glückliche Hand" zu haben ist schon ziemlicher Zynismus. Denn auf jeder Seite sterben unschuldige Menschen und die Bevölkerung und nicht zuletzt auch die Truppen begelogen und betrogen. Da dürfen sich die Deutschen zuerst mal an die eigene Nase der Geschichte fassen bevor sie andere Nationen kritisieren.
Rolf W. Schwake 05.06.23 07:40
Was lehrt uns die Geschichte?
Am Ende des letzten chinesischen Kaiserreichs wurde die Republik China ausgerufen. Diese wurde nach einem kurzen Zusammenschluss gegen die japanische Okkupation im 2. Weltkrieg durch die Kommunisten in einen Bürgerkrieg verstrickt, in dem sie unterlagen und sich auf die Insel Formosa zurückzogen, die nach Kriegsende wieder zur Republik China gehörte.
1949 wurde dann die Volksrepublik China in Peking ausgerufen, die Republik China verblieb auf ihrer Insel, die heute Taiwan heißt. Fazit: Taiwan hat nie zur Volksrepublik China gehört, deren ständige Aggressionen und Androhungen, Taiwan zu erobern, sind letztlich kriminelle, das Völkerrecht verhöhnende Handlungen, die den Weltfrieden und den Welthandel in eklatanter Weise bedrohen. Wer also sollte Taiwan vor den ständigen rotchinesischen Bedrohungen schützen? Deutschland? Frankreich? Die EU? Der Vatikanstaat? Dieses kann jeder für sich beantworten, der denken kann – aber denken sollte man schon können.
Ingo Kerp 04.06.23 09:30
Es ist absolut erstaunlich, mit welcher Vehemenz und Eifer sich die USA für Taiwan gegenüber CHN einsetzen. Die USA haben Taiwan nie als Staat anerkannt, so wie viele Staaten dieser Welt und dennoch scheint man sich bereit zu zeigen. militärische Hilfestellung den Taiwanesen zu bieten, im Falle eines Angriffs. Die Vergangenheit ab dem 2. WK hat jedoch gezeigt, das die USA bei milit. Konflikten, in die sie involviert waren, keineswegs eine glückliche Hand hatten.