Pistorius warnt vor Faustrecht

​Schlagabtausch zwischen China und USA

Boris Pistorius, der deutsche Verteidigungsminister, in Singapur. Foto: epa/How Hwee Young
Boris Pistorius, der deutsche Verteidigungsminister, in Singapur. Foto: epa/How Hwee Young

SINGAPUR: Der deutsche Verteidigungsminister betritt die politische Bühne in Asien. Er erlebt unmittelbar, wie die USA und China gegenseitig Front machen und Warnungen austauschen. Pistorius bietet mehr Engagement aus Deutschland an - und spricht auch ein brenzliges Thema an.

Inmitten wachsender Spannungen zwischen China und den USA hat Verteidigungsminister Boris Pistorius die Staaten im Indopazifik zur friedlichen Lösung von Konflikten aufgerufen. Dabei forderte er auf der Sicherheitskonferenz Shangri-La-Dialog am Sonntag in Singapur auch eine Positionierung gegen Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ein.

Zugleich bot er deutsches Engagement für die Sicherheit von Verbündeten und Partnern an. «Dazu gehört ein Umdenken in unserer Waffenexportpolitik, besonders bei der Unterstützung von Partnernationen mit ihrem legitimen Anspruch auf Selbstverteidigung», sagte Pistorius vor Vertretern von mehr als 40 Staaten.

Am Rande des Shangri-La-Dialogs, dem wichtigsten asiatischen Sicherheitsforum auf Ebene der Verteidigungsminister, sprach Pistorius auch mit dem neuen chinesischen Verteidigungsminister Li Shangfu. Der General nutzte die große Bühne, um die USA vor einer Einmischung im Streit um Taiwan zu warnen. Er drohte erneut mit einer Eroberung der demokratischen Inselrepublik. «Wenn es jemand wagen sollte, Taiwan von China abzuspalten, wird das chinesische Militär nicht eine Sekunde zögern», sagte Li Shangfu.

«Wir werden keinen Gegner fürchten und ungeachtet der Kosten entschieden unsere nationale Souveränität und territoriale Integrität schützen», warnte der General. Er bekräftigte, dass China die Insel als Teil der Volksrepublik betrachtet. Das heute 23 Millionen Einwohner zählende Taiwan hat allerdings seit mehr als sieben Jahrzehnten eine eigenständige Regierung.

Die verschärften Zwistigkeiten zwischen China und den USA überschatteten die jährliche Konferenz mit Hunderten Teilnehmern. Außer um Taiwan ging es auch um Chinas umstrittene Territorialansprüche im Südchinesischen Meer. Die USA und Chinas Nachbarn werfen Peking eine zunehmende Militarisierung der Region vor. Der internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag wies die Gebietsansprüche 2016 zurück. China ignoriert das Urteil aber.

Die Beziehungen zwischen China und den USA sieht Li Shangfu auf einem «Rekordtief». Zu dem Mangel an Kommunikation, den die USA beklagen, sagte der Verteidigungsminister, China sei grundsätzlich offen für Gespräche zwischen beiden Regierungen und Militärs, verfolge aber den Grundsatz: «Wenn wir keinen gegenseitigen Respekt haben, dann wird unsere Kommunikation nicht produktiv sein.» In Singapur hatte Li Shangfu somit auch den amerikanischen Wunsch nach einem Treffen mit seinem angereisten US-Amtskollegen Lloyd Austin abgelehnt.

Zu den jüngsten Zwischenfällen zwischen Flugzeugen und Schiffen beider Streitkräfte in der Taiwanstraße und im Südchinesischen Meer sagte der General, so etwas ließe sich am besten vermeiden, wenn man chinesischem Territorium nicht zu nahe komme. Die Freiheit der Navigation und des Überfluges werde missbraucht, um «Vormachtstreben» auszuüben, sagte der Minister. Er meinte damit die USA. Viele Schiffe und Kampfjets kämen China nahe: «Sie sind nicht hier für eine friedliche Durchfahrt. Sie sind hier, um zu provozieren.»

Erst am Samstag war es erneut zu einem Zwischenfall zwischen zwei Schiffen in der Taiwanstraße gekommen. Nach Angaben des US-Militärs kreuzte ein chinesisches Kriegsschiff den US-Zerstörer USS Chung-Hoon «auf unsichere Weise», indem es mit einem Abstand von nur rund 140 Metern überholte und dann wendete. «Um eine Kollision zu vermeiden», habe das US-Schiff in der Folge das Tempo gedrosselt, seinen Kurs aber beibehalten, teilte das zuständige US-Kommando mit. Das chinesische Schiff habe gegen die Regeln für eine sichere Durchfahrt internationaler Gewässern verstoßen.

Pistorius rief in Singapur dazu auf, die auf Regeln basierende, internationale Ordnung zu schützen, wo immer sie gefährdet sei. Dazu gehöre auch das Recht auf freie Schifffahrt. Deutschland stehe bereit, alle bilateralen oder multilateralen Maßnahmen zur Vertrauensbildung zu unterstützen. Er nannte dabei den Informationsaustausch und die Beobachtung von Militärübungen, Inspektionen von Militäreinrichtungen und Abkommen zur Rüstungskontrolle. Er sagte: «Wir brauchen die Herrschaft des Gesetzes anstelle einer Herrschaft mit Faustrecht.»

Er rief die Staaten im Indopazifik dazu auf, sich klar gegen Angriffe auf die internationale Sicherheitsarchitektur - wie den Krieg Russlands gegen die Ukraine - zu stellen. «Das ist unglaublich gefährlich für die ganze Welt: Wenn Russland gewinnt, wird die Botschaft an revisionistische Mächte in der Welt sein, dass Aggression und grundlose Anwendung militärischer Gewalt akzeptabel sind und erfolgreich sein können. Auch hier im Indopazifik.»

Wie anfällig die Sicherheitslage in der asiatischen Region ist, bekamen die Teilnehmer der Konferenz in dem Schlagabtausch zwischen den Verteidigungschefs Chinas und der USA zu spüren. Während Austin China «Schikane und Nötigung» vorwarf, unterstellte Li Shangfu den Amerikanern eine «Mentalität des Kalten Krieges».

Der US-Verteidigungsminister warnte China vor einem militärischen Vorgehen gegen Taiwan, dem die USA bei seiner Verteidigung helfen. «Ein Konflikt in der Taiwanstraße wäre verheerend.» Eine derartige Eskalation hätte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft «in einer Weise, die wir uns nicht vorstellen können». Austin zeigte sich auch sehr besorgt über den Mangel an Kommunikation mit Peking: «Der richtige Zeitpunkt für Gespräche ist jetzt.»

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Leserkommentare

Vom 10. bis 21. April schließen wir über die Songkranfeiertage die Kommentarfunktion und wünschen allen Ihnen ein schönes Songkran-Festival.

Thomas Sylten 07.06.23 16:00
Wie schön (und auch erhellend), wenn eine Diskussion mal weitgehend ohne Polemiken auskommt, sondern jeder die Gelegenheit hat (und nutzt), seine Meinung - ohne sie ständig aggressiv zur alleinigen Wahrheit zu erheben - darzulegen, auch wenn sie mit dem ursprünglichen Artikel ja nur noch wenig zu tun hat. Mit dieser "Technik" ist unsere Fsmilie sogar weitgehend unverletzt durch die Pandemie gekommen, wo die komplette Bandbreite der Meinungen auch am (erweiterten) Familientisch vertreten war: Jeder darf seine Meinung haben und auch begründen, ohne sie aber anderen aufschwatzen, -drücken, -zwingen zu wollen.

Und wenn dann jemand nach durchzechter Nacht noch was ganz Grundsätzliches raushaut, kommt auch der Spaß nicht zu kurz - nicht wahr, lieber mvw.. :D

Ling Uaan bleibt vor meinem geistigen Auge sowas wie Lung Pumpui o.ä. -
in diesem Sinne ein herzliches chok di an die hier versammelten Lung farangs vom Lung Tom ;)
Ole Bayern 07.06.23 14:10
Joachim ...
... was hatten wir nur für " Größen " als Wirtschaftsminister der 4. größten Weltwirtschaft in der jüngeren Vergangenheit !! Wenn ich so an Altmeier , Glos , Gabriel , Brüderle , Rössler usw...denke ...man o man !
Und Altmeier, ebenso wie der AfD Clown, von letzter Woche ... nur bla bla und nochmals bla bla .
Altmeier war zwar in der Sache trotzdem etwas mehr im Bilde als der AfD - Energieexperte aus dem Cirkus Busch , trotzdem auch hier keine richtige Kompetenz .
Ja , und vor solchen Leuten wie eben auch z.Zt. Habeck fliehen einige fähige Leute und Firmen aus Deutschland .
Erst vor 2 Wochen wurde bekannt , daß die MÜ.- Sendlinger Firma Polytech Wind Power nach Dänemark umgesiedeln wird . Es sind zwar in dem Fall nur knapp 50 Arbeitsplätze , aber es bestätigt den Trend - schade drum !
Und Dänemark ist ja nun auch nicht gerade ein " Billigland " , wo AN nicht viel kosten.
Also muß es andere Ursachen haben , wie Du lieber Joachim, ja auch versuchst darzulegen.

VG Ole
Ling Uaan 07.06.23 12:00
Bravo, Khun Sylten,
das war mal eine klare Ansage. An Einzelheiten kann ich mich i.d.R. nicht Erinnern, aber an die Gesinnung der Leute schon.

Mit lieben Grüßen vom Lung Uaan aka Ling Uaan. 55555
Thomas Sylten 07.06.23 12:00
@M Halter
16 Jahre lang hat sich die Politik vor den auflaufenden Problemen weggeduckt -
jetzt versucht die Ampel, sie anzugehen und zu lösen.

Dass dabei mancher bislang schlafende Zeitgenosse unsanft geweckt wird und sich genau darüber beschwert, liegt wohl in der Natur der Dinge: Veränderungen einer bislang bequemen Lage mag man nicht, und Einsicht in Notwendigkeiten liegt den Wenigsten.

Dass die Ampel darüber hinaus handwerklich stümpert macht die Sache wahrlich nicht einfacher. Aber immerhin VERSUCHT sie sich in Regierungsarbeit - ich hoffe sie lernt ihr Handwerk noch rechtzeitig. Denn Weiterschlafen (CDU) ist angesichts der inzwischen kaum noch händelbaren Probleme keine zielführende Alternative.
David Ender 07.06.23 10:10
Was hat Lina E. mit "Radikaldemokratie" zu tun?
Der schwarze Block - egal ob die Glatzen der NPD oder die Schlaegertrupps der APO in den immer gleichen Schuhen stecken - hat mit Radikaldemokratie (etwa wie in der CH) soviel zu tun wie der Massenmoerder Che Guevara mit der deutschen Verfassung. Namelich genau Null. Wie auch andere Mitforisten hier feststellen: Die Radikalen an den extremen Raendern sind so ziemlich alle gleich: Daher propagieren sie ja auch die gleiche Agenda diverser Diktatoren da draussen. Des Kremls 5te Kolonne kommt zwar mit unterschiedlich himmelblauen und roten Fahnen daher, doch die Springerstiefel und Parolen sind am Ende die gleichen. Die Irrwege demokratisch gewaehlter Regierungen korrigiert man nicht mit Brandbomben und Gewalt, sondern mit offener Diskussion und Ueberzeugung der Mehrheit. Dass das funktioniert, sieht man an den Beispielen SWE oder DK sehr gut. Also positiv bleiben ... und stets fleissig diskutieren. Vor der Politik kann man sich wegducken oder in Parallelwelten fluechten. Doch den Konsequenzen schlechter Politik entkommt am Ende niemand.
Thomas Sylten 07.06.23 09:50
Danke, Onkelchen -
Ihr Gedächtnis scheint ja radikal gut zu sein, wenn Sie solche Einzelheiten erinnern können. Und Sie haben radikal recht mit Ihrer Erinnerung - in meinen Augen freilich nicht mit deren radikal daneben liegender Interpretation: "Radikal" mögen Sie als was Schlechtes ansehen - ich sehe es als das an was es ausdrücken will, nämlich etwas sehr stark zu vertreten. So sind der Papst und seine lila Klone radikale Katholiken, die Herren Merz und Lindner radikale Marktwirtschafter, und die meisten Mütter bzw. Eltern würden ihre Kinder radikal schützen, hoffentlich.

Ich halte mich tatsächlich für einen Radikaldemokraten i.S.v. dass ich radikal für Demokratie sowie Mit- und Selbstbestimmung eintrete - und hoffe eigentlich, dass ich damit nicht allein stehe. Allerdings geht meine Radikalität nirgends so weit, dass ich dafür über Leichen gehen würde - da bin ich ebenfalls radikal. Was mich von dem ebenfalls recht radikal argumentierenden Herrn Ender unterscheidet.

Tatsächlich habe auch ich manchmal Spaß an der Provokation - aber nur im halbwegs intelligenten Wortwechsel. Auf der politischen Ebene halte ich Provokation für radikal kontraproduktiv - vor allem wenn sie geeignet ist, tödliche militärische Verwicklungen auszulösen, die im Allgemeinen nicht der radikal dämliche Provokateur, sondern unschuldige Unbeteiligte auszubaden haben.

In diesem Sinne mit radikal freundlichen Grüßen :)
michael von wob 07.06.23 03:30
Alles Schrott , egal ob
Ultra Rechte oder Ultra Linke. Das kommt davon wenn man den ehemaligen Komunisten die Freiheit gibt. Siehe DDR, Ungarn, Russland u.a.m.
Thomas Sylten 07.06.23 03:20
@Ling Uaan
Ich hatte Ihnen vor dem Lina-Post noch eine andere Antwort zugedacht, die aber noch geprüft wird - vermutlich wg. der "radik41" häufigen Verwendung dieses Wortes. ;)
Thomas Sylten 07.06.23 03:00
@Ling Uaan wg. Lina E.
Lina E. kenne ich nicht persönlich, so dass ich nicht weiß ob ich sie als Radikaldemokratin einschätzen oder mit ihren politischen Überzeugungen sympathisieren würde.

Aber sie ist offenbar eine radikale Antifaschistin, die den faschistischen Schlägertrupps mit gleicher Münze heimzahlt - eine Zivilcourage, die mich sicher mehr beeindruckt als Leute, die selbige zwar auf Sonntagsreden einfordern, sie aber selber regelmäßig vermissen lassen.

Denn würde man vernünftig gegen erwiesene schlägernde Faschisten vorgehen i.S.v. Herrn Enders wehrhafter Demokratie, wären Aktionen wie die der Lina E. gar nicht "nötig".
Ling Uaan 06.06.23 21:10
Oh, oh Khun Sylten,
das habe ich aber anders in Erinnerung.

Aus vergangenen Diskussionen weiß ich noch, das Sie sich selbst als (links, grünen) Radikaldemokrat bezeichnen und sehen. Und alles radikale ist nicht gut, keinesfalls Vernünftig und ist doch per se auf Provokation und Konfrontation ausgerichtet. Also genau das Gegenteil von dem, was Sie hier soeben schrieben. Also da muss ich doch leider feststellen das Ihre Äußerungen sehr verwirrend und inkonsistent sind.

Übrigens, diese Lina E. und ihre Jünger aus Leipzig sind auch Radikaldemokraten, wobei ich Sie nicht auf diese Stufe stellen würde, selbst wenn Sie mit denen sympathisieren sollten, da kann ich schon differenzieren.
Thomas Sylten 06.06.23 20:40
@Ling Uaan: Wenn Sie meinen Appell an Vernunft und gegen unnötige Provokation für linke Vorstellungen halten - nun: ich wurde von sehr bürgerlichen Eltern so erzogen.

@D. Ender: Mir macht solche Diskussion auch Spaß - da sind wir uns ähnlich.
Weniger ähnlich in unseren Schlussfolgerungen (aber das wissen wir ja schon - und Diskussionen machen ja auch wenig Freude wenn alle gleicher Meinung sind: Man lernt dann ja nix ;)
Ihre Argumentation ist stringent und konsistent - damit habe ich kein Problem. Persönlich neige ich aber der Seite zu, die angesichts des real existierenden vielfachen nuklearen Overkills Deeskalation und Diplomatie dem Säbelrasseln vorzieht. Was keineswegs mit Apeasement gleichzusetzen ist - sondern mit ruhiger Stärke. Ich wünschte mir, auf der Seite der Vernunft zu stehen - nicht auf der Seite der dicken Hose ne dicke Lippe zu riskieren. Ich hab nämlich Kinder und Enkel, und möchte eh schon nicht in deren Haut stecken. Da müssen wir Alten es nicht mit unbedachten Worten immer noch schwieriger für sie machen.

@mvw: Ach wissen Sie - Sie müssen das verstehen: CNN zahlt wirklich schäbig, da die Trolle der Konkurrenz (wie Sie) ja völlig kostenlos arbeiten. So wird das nix mit dem Häuschen im Grünen - daher musste ich das Angebot der Prawda akzeptieren. Aber woher zum Teufel wissen Sie das??
David Ender 06.06.23 10:36
Ueber Diplomatie laesst sich trefflich diskutieren
... doch sollten wir hier im Forum unter den sachlichen, die Fakten beim Namen nennenden Artikeln des FARANG alles unterlassen, was die Propaganda des Totalitaeren Blocks bedient. Mein Antrieb (ausser meiner Freude am Schreiben und Diskutieren) ist es, genau dieses Konterkarieren der Realitaet (Diktatoren expandieren soeben militaerisch ihre Imperien) durch die Putin- und Xi-freundlichen Parolen zu kontern. Wer den oeffentlichen Raum (hier im Forum oder auch am Stammtisch) den Radikalen von ganz Links und Rechts ueberlaesst, vergiftet die politische Atmosphaere unserer Gesellschaften. Als Verfechter des Konzepts der "wehrhaften Demokratie", propagiere ich eine harte Linie gegenueber dem Totalitaeren Block, wie das bis zum Ende des Kollaps des Sowjetimperiums ja auch Staatsdoktrin war. Der russische Ueberfall auf die Ukraine bestaetigt meine Skepsis gegenueber Appeasement von Diktatoren. Heisst nun konkret: Taiwan soweit aufruesten, dass die Risiken einer militaerischen Attacke fuer Peking als zu hoch erscheinen. Frieden durch Abschreckung - und die gibts nicht gratis. Doch der Ukrainekrieg kostet der Welt heute weit mehr als eine massive Aufruestung der Ukraine vor 2022 gekostet haette. Ich denke China lernt aktuell aus der russischen Niederlage da drueben. Und wir sollten das auch tun. Zurueckweichen vor dem Totalitaeren Block wird diesen bloss noch anfeuern. Gruss an alle hier im Thread. Gute Diskussion.
michael von wob 06.06.23 04:40
@Ling Uaan
Sry vertippt... g statt k :-))
michael von wob 06.06.23 03:30
@ Link
Er wird seit Jahren von der Prawda bezahlt oder ist ein Kremlsprachrohr und merkt es nicht mal.
Ling Uaan 05.06.23 23:30
Khun Sylten,
das hört sich jetzt schon ein ganz kleines bisschen besser an.

Und ich stimme ja zu das der Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan ein schwerer politischer und diplomatischer Fehler war, ja ein diplomatischer supergau. Selbst Jo Biden hat sich dagegen ausgesprochen, und das heißt schon was wenn die #1 in den USA die #3 öffentlich so kritisiert.

Wie ich hier schon mehrmals schrieb habe ich ja lange in den USA gelebt und gearbeitet, und deren Werte wie Freiheit, Demokratie und die von Ihnen hier angesprochene Moral kennengelernt und das ist meilenweit entfernt von Ihren linken Vorstellungen. Ergo sind auch Ihre diesbezüglichen Erwartungen einfach nur realitätsfern.
Thomas Sylten 05.06.23 22:40
@Ling Uaan
Wenn Sie meine höheren Erwartungen an "unsere Seite" im Allgemeinen und "die Amis" im Besonderen als (krankhaft) antiamerikanisch einschätzen, bleibt Ihnen Ihre Meinung unbenommen.

Ich selber sehe es eher als Lob, dass ich "uns" diese moralische Überlegenheit eigentlich zutraue, und meine Enttäuschung darüber äußere, dass wir auf diplomatischem Feld leider auch nicht intelligenter agieren.

Von der anderen Seite erwarte ich das gar nicht -
und empfinde es daher fast als albern, dies ausgerechnet von der ANDEREN Seite zu erwarten, solange man ernüchternderweise nicht mal selber dazu in der Lage ist.
Ling Uaan 05.06.23 21:40
Khun Sylten - „gar nicht so antiamerikanisch“
ach ja? Immerhin zeigen Sie ein gewisses Problembewusstsein.
Nichts desto zum Trotz sind Ihre Äußerungen hier dermaßen antiamerikanisch, IMHO schon krankhaft antiamerikanisch.
Thomas Sylten 05.06.23 21:10
Um unnötigen, aber gern zur Ablenkung genutzten Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich meine Aussage an entsprechender Stelle in "..(eben NICHT westlich SOZIALISIERTE) Gegenseite.." konkretisieren. Danke :)
Thomas Sylten 05.06.23 20:50
War mir völlig klar dass die üblichen Verdächtigen kurzschlussreagieren werden ohne richtig zu lesen (bzw. zu verstehen) -
aber wer mein Statement genauer liest, könnte feststellen, dass ich mich im Kern gar nicht so antiamerikanisch äußere:

Ich halte die Amis und unseren geheiligten "freien Westen" insgesamt im Prinzip für vernunftfähiger als die "anderen", und erwarte daher vernünftigeres und weitschauenderes Verhalten von "unserer Seite".

Die Enttäuschung, dass sie (hier: die Amis) sich dem zum Trotz keineswegs westlich-zivilisierter verhalten als sie leicht könnten, sondern fordernd erwarten, dass dies die (eben NICHT westlich zivilisierte) Gegenseite tut, lässt sie in meinen Augen halt (leider!) nicht BESSER dastehen als den Gegner (hier China) - was ich ausdrücklich bedaure: Wir könnten so leicht die moralische Überlegenheit des Westens herauskehren - wenn wir es halt täten, statt auf die dicke Lippe der Autokraten immer noch einen draufzusetzen und sich damit - wie die Gegenseite auch - jeglicher moralischer Autorität zu entblößen.

Einfach schade -
ich wäre gern stolzer auf unsere Diplomatiekünste.
Ling Uaan 05.06.23 19:50
Khun Sylten,
also ich zähle mich wie Sie ja eher zu den Tauben als den Falken, aber das die Amerikaner für die Probleme im südchinesischen Meer primär verantwortlich sein sollen ist schon sehr realitätsfern.

Die Chinesen beanspruchen z.T. ja schon die Strände einiger philippinischer Inseln. Und wenn sie, die Chinesen, Formosa bekämen würden sie sofort ihre Hoheitsansprüche bis Hawaii und Baja California ausdehnen, darum geht es denen doch eigentlich.

Und wenn sich die Amerikaner überall raus halten würden wäre die ganze Gegend wohl immer noch von den Japaner besetzt und wir zwei würden wohl Patrouille an der deutsch japanischen Grenze schieben. So sieht es doch aus, like it or.

Und das die Amerikaner nach „Amerika first“ handeln ist auch klar, machen ja alle anderen Nationen auch. Wirklich alle? Nein, Deutschland leider nicht.
Dieter Goller 05.06.23 18:30
Herr Sylten, es duerfte zwar enden wie die beruehmte Sache mit der Henne und dem Ei, aber Ihrer Meinung, dass erst "die voellig ueberfluessige und dumpf-provokatorische Entsendung amerikanischer Spitzendiplomaten" fuer die aktuelle Lage verantwortlich sei, moechte ich entschieden widersprechen. Genau umgekehrt wird naemlich "ein Schuh daraus". Erst die permanenten, treisten und - wie hier auch schon detailliert dargestellten -weder historisch noch rechtlich begruendeten Ansprueche Chinas, haben die von Ihnen kritisierte Reaktionen folgen lassen.
Aber was ist Ursache, was ist Wirkung wird ja auch bzgl. Russland-Ukraine voellig diametral gesehen, bewertet und argumentiert. Also so gesehen, "business as usual".
David Ender 05.06.23 18:20
Kurzum Hr Sylten - der Ami ist schuld.
Wenn China das gesamte Suedchin. zu okkupieren versucht, kuenstliche Inseln als Militaerbasen aufschuettet und allen Nachbarstaaten (ausser Nordkorea, Russland und Laos) Gewalt androht - dann ist fuer dieser Aggression natuerlich der ewige Yankee verantwortlich. Diktatur ist ja bekanntlich auf Kompromiss und Ausgleich geradezu aufgebaut und somit inherent friedliebend. Schon aus der eigenen Geschichte wissen wir ja, dass Diktatoren wie Stalin eigentlich ganz lieb sind und bloss der Ami staendig dem Frieden und Wohlstand im Wege steht. Zwar wissen wir tief drinnen, dass Kriege stets einer oder mehrerer Diktaturen beduerfen, doch das sollte unserem geliebten Antiamerikanismus sowie Demokratienbashing nicht weiter stoeren, oder? ... Wer hier einen zarten Anflug von Sarkasmus findet, darf ihn gerne behalten.
Thomas Sylten 05.06.23 16:20
Herr Ender: Es sind sogar über 70 (!) Jahre..

Der Status quo war eigentlich recht bequem:
Die Chinesen beharrten zwar auf der Ein-China-Pokitik, ließen Taiwan ansonsten aber in Frieden. Erst durch die völlig überflüssige und dumpf-provokatorische Entsendung amerikanischer Spitzendiplomaten nach Taiwan und die damit absichtliche Infragestellung der bis dahin stillschweigend akzeptierten Ein-China-Pokitik sah sich China gezwungen, seinen bis dahin eher hypothetischen Anspruch sichtbar zu machen und zunächst sprachlich, inzwischen auch militärisch Aufzurüsten.

Das wäre alles nicht nötig gewesen, wenn die Amis sich auf Diplomatie verstehen und an neuralgischen Punkten etwas zurückhalten würden. Mit ihrer trotzigen Rechthaberei und wie immer undiplomatischen Wildwestpolitik haben sie nun nicht nur ihren "Verbündeten" Taiwan (schönen Dank für solche "Freunde"), sondern gleich die ganze Welt in GRÖSSTE GEFAHR gebracht - denn die Chinesen sehen sich nun gezwungen, ihren lauthals verkündeten Anspruch nötigenfalls militärisch durchzusetzen, um nicht das Gesicht zu verlieren.

Warum können die Amis nicht einfach mal die Füße stillhalten, wenn es dem Weltfrieden dient -
wenn Großmächte wie CN und US kein Selbstbewusstsein haben, sondern ständig auftrumpfen müssen, kommt es irgendwann unweigerlich zum Schlagabtausch, weil niemand die Größe hat einen Schritt zurückzutreten.
David Ender 05.06.23 12:20
Taiwan war niemals Teil der sog. "Volksrepublik"
Auf Taiwan leben ueberwiegend die Nachfahren jener Chinesen, die sich partout nicht diesem totalitaeren Kommunismus eines Mao oder Xi unterwerfen wollten. Sie haben gekaempft fuer ihre Freiheit und geniessen sie seit nunmehr ueber 40 Jahren. Kampflos werden sie diese Freiheit genausowenig aufgeben, wie das ihre Vorfahren zuvor getan hatten. Ich war letzte Woche in Taipei und Taoyuan unterwegs und konnte deutlich mehr Militaerfahrzeuge im Strassenbild sehen als normal. Um die grossen Chipwerke herum sind Bunkereingaenge zu sehen, weite Teile der Infrastruktur sind unterirdisch gespiegelt. Taiwan ist hochgeruestet, mit modernen Raketen (locker bis Shanghai), F35 Fliegern und anderem absolutem High-Tech. Die Gewaesser zum chin. Festland sind zu seicht fuer U-Boote, die Insel selbst ist eine natuerlich Festung. Im Vergleich zur Ukraine ist Taiwan eine ganz andere Nummer. Meine Freunde vor Ort (Taiwanesen und Expats) vertrauen darauf, dass das Pekinger ZK und ihre vollmundigen Generaele genau das wissen. Hunde die bellen beissen nicht. Und sollte Diktator Xi doch ueber die Taiwanesen herfallen wollen, werden die freien Nationen der Welt ebenso Beistand leisten, wie sie das in der Ukraine tun. Diktatorenfans und das ZK in Peking nennt das dann "Einmischung". Mir bleibt dazu bloss schulterzuckend festzustellen: Euer Gejammer wird die Waffenlieferungen an freie Gesellschaften da draussen nicht stoppen.
Ingo Kerp 05.06.23 11:50
Eine Warnung und Drohung eines CHN Ministers ist durchaus ernst zu nehmen. Da CHN keine Menschenrechte berücksichtigt, wird es nicht davor zurückschrecken seine Soldaten in einem Krieg um Taiwan zu schicken, wenn fremde Mächte sich darin einmischen.