Die UNESCO hat einen Vorschlag Thailands akzeptiert, die Aufnahme zweier kultureller Stätten im Nordosten des Landes in die Liste der Objekte in Erwägung zu ziehen, die bislang zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Das thailändische Komitee, das für derartige Anträge zuständig ist, hat seit Anfang vergangenen Jahres insgesamt 11 solcher kulturellen und naturgeschichtlichen Stätten vorgeschlagen, erklärte die Direktorin der Abteilung für kulturellen und natürlichen Umweltschutz, Ratchavadee Sriprapat vor der Presse.
Die erste Stätte, die für eine genauere Betrachtung akzeptiert wurde, ist Prasat Hin Phimai in der Provinz Nakhon Ratchasima mit den damit verbundenen religiösen Sehenswürdigkeiten um Prasat Hin Phanom Rung und Prasat Muang Tam, die für ihre einmaligen künstlerischen Arbeiten in dieser Region bekannt sind. Die zweite Örtlichkeit ist der Historische Park Phu Phra Bat in der Provinz Udon Thani, der kulturelle Überreste Südostasiens beherbergt, die bis in prähistorische Zeiten zurückdatieren.
Die Abteilung für Schöne Künste will detaillierte Berichte sowie einen Generalstabsplan zur Erhaltung dieser Stätten an die UNESCO schicken, die ihrerseits ein Komitee nach Thailand entsenden wird, das nach näherer Besichtigung entscheiden soll, ob die Objekte es wert sind, zum Weltkulturerbe erklärt zu werden. „Der gesamte Prozess kann ungefähr ein Jahr dauern“, vermutet der Generaldirektor der Abteilung für Schöne Künste, Arak Sanghitkul. Und Ratchavadee nimmt an, dass die begehrte Aufnahme in die Liste noch im Jahr 2006 erfolgen wird.
Prasat Hin Phimai wurde im 10. Jahrhundert erbaut und als das grösste Khmer-Heiligtum im heutigen Thailand beschrieben. Der Ort gilt auch als eines der feinsten Exemplare klassischer Khmer-Architektur im Stile von Angkor Wat. Prasat Hin Phimai war denn auch durch eine schnurgerade Strasse direkt mit Angkor verbunden. Der Haupttempel wurde aus weissem Sandstein errichtet, während die umgebenden Schreine aus rosa Sandstein bestehen. Die oberen Balken der Türrahmen sind besonders eindrucksvolle Beispiele für die feine Schnitzkunst der Khmer. Das Heiligtum ist durch ein uraltes Strassensystem mit Prasat Hin Phanom Rung und Prasat Muang Tam verbunden.
Prasat Hin Phanom Rung befindet sich in der Provinz Buri Ram und entstand im 12. Jahrhundert. Es wurde auf der Spitze eines nicht mehr aktiven Vulkans errichtet. Eine eindrucksvolle, 200 Meter lange Avenue führt zum Hauptgebäude, das mit Fries und Steinschnitzereien verziert ist. Ein oberer Türbalken, der unter dem Namen „Ruhender Vishnu“ bekannt war, wurde von westlichen Kunsträubern aus dem Tempel gestohlen, tauchte nach Jahren in einem amerikanischen Museum wieder auf und wurde kürzlich zurückgegeben.
Prasat Muang Tam in der Provinz Nakhon Ratchasima wird als Unterstadt des Phanom Rung Historical Park bezeichnet. Es besitzt Schnitzereien in verschiedenen Stilarten an den Türbalken, mit sehr gut erhaltenen Giebeln. Die meisten Schnitzereien sind eine Kombination von Kleang- und Baphuon-Stil.
Der Historische Park Phu Phra Bat in der Provinz Udon Thani liegt in der Gebirgskette Phu Pan, deren charakteristische Merkmale aus Höhlen, natürlichen Steinformationen und Steinterrassen bestehen. Die Zivilisation begann hier vor zirka 2000 bis 3000 Jahren, und die Urbewohner benutzten die Steinformationen für ihre Zeremonien. Sie hinterliessen Steinmalereien, von denen man annimmt, dass sie ihr tägliches Leben darstellen.
In der UNESCO-Liste sind bereits fünf Stätten in Thailand als kulturelles oder natürliches Welterbe registriert. Die drei kulturellen Stätten sind das alte Ayutthaya und Umgebung, das alte Sukhothai und Umgebung sowie der archäologische Ort Ban Chiang. Die beiden natürlichen Schutzobjekte sind das Naturschutzgebiet Thungyai - Huai Kha Khaeng sowie der Waldkomplex Dong Phayayen - Khao Yai, die erst im Jahr 2005 nach einer 10 Jahre langen Bewerbungskampagne in die Liste aufgenommen wurden.
Nisakorn Khositrat, Generalsekretärin des Amtes für Naturreserven sowie Umweltpolitik und -planung meint abschliessend, viele natürliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten in Thailand seien inzwischen bereits zerstört worden, entweder durch Menschen direkt oder durch die von ihnen verursachte Umweltverschmutzung.