Thailand kappt Internet nach Kambodscha

Foto: epa-efe/Royal Thai Government
Foto: epa-efe/Royal Thai Government

SAKAEO: Die thailändische Regulierungsbehörde für Telekommunikation (NBTC) hat sämtliche inländischen Anbieter angewiesen, Breitband- und Mobilfunkverbindungen nach Kambodscha einzustellen. Gleichzeitig müssen Mobilfunkbetreiber künftig alle 15 Tage Berichte über verkaufte SIM-Karten vorlegen. Die Maßnahme ist Teil einer umfassenden Regierungskampagne zur Bekämpfung von Callcenter-Betrug und Cyberkriminalität.

Im Zentrum der Initiative steht der Grenzbereich rund um den Übergang Khlong Luek im Bezirk Aranyaprathet in der Provinz Sakaeo, gegenüber der kambodschanischen Casinostadt Poipet. Innerhalb von 15 Tagen sollen sämtliche Sprach- und Datenverbindungen in Grenznähe gekappt werden, während in weiter entfernten Gebieten eine Drosselung oder Einschränkung erfolgt, erklärte NBTC-Vizegeneralsekretär Trairat Viriyasirikul.

Mobile Dienste sollen Ausfälle abfedern

Um die Erreichbarkeit der thailändischen Bevölkerung im Grenzgebiet sicherzustellen, sollen Mobilfunkanbieter spezielle Service-Fahrzeuge mit SIM-Karten einsetzen. Die NBTC betonte, dass zwar Kambodscha zuvor bereits den Zugang zum thailändischen Internetnetz gekappt habe, private thailändische Unternehmen jedoch weiterhin Dienste im Nachbarland anboten – insgesamt 14 Unternehmen seien dort aktiv.

Nach einem Treffen am Donnerstag (26. Juni 2025) ordnete die NBTC nun an, sämtliche Signale nach Kambodscha zu unterbinden. Ausnahmen sind nur möglich, wenn Anbieter den konkreten Verwendungszweck sowie Art und Umfang der genutzten Bandbreite glaubhaft nachweisen und dabei mögliche Missbrauchsrisiken ausschließen können. Für thailändische Unternehmen mit Niederlassungen in Kambodscha soll ein separates Übertragungssystem eingerichtet werden.

Strenge Meldepflicht für SIM-Verkäufe

Darüber hinaus müssen alle SIM-Karten, die in Kambodscha genutzt werden, registriert und einem bestimmten Nutzungszweck zugeordnet sein. Die Anbieter sind verpflichtet, ihre Verkaufszahlen regelmäßig an die NBTC zu melden.

Laut dem Generalinspekteur der Royal Thai Police, Pol Gen Thatchai Pitaneelaboot, zeigt die Maßnahme bereits Wirkung: Die Zahl der Cyberverbrechen sei nach der Grenzschließung und dem Signalstopp spürbar gesunken. Thailand bereite derzeit strafrechtliche Schritte gegen Eigentümer zweier Hochhäuser in Poipet vor, die als zentrale Standorte von Betrugsnetzwerken gelten.

Keine Kooperation seit Grenzkonflikt

„In der Vergangenheit war die Zusammenarbeit mit den kambodschanischen Behörden äußerst begrenzt“, so Pol Gen Thatchai. Seit Beginn der Spannungen habe es keinen Kontakt mehr von kambodschanischer Seite gegeben. Weitere Kooperation hänge nun vom Fortgang der politischen Situation an der Grenze ab.

Huione Group im Visier der Ermittler

Im Fokus der Ermittlungen stehe auch die Huione Group, ein kambodschanisches Finanzunternehmen, dem thailändische Behörden Verbindungen zu Online-Glücksspiel und Callcenter-Betrug nachsagen. Beweise reichten bislang jedoch nicht für ein Strafverfahren aus. Die US-Regierung hatte die Gruppe bereits im Mai wegen Geldwäscheverdachts von ihrem Finanzsystem ausgeschlossen. Medienberichten zufolge sollen erhebliche Geldsummen aus illegalen Aktivitäten über die Huione Group transferiert worden sein – unter anderem mit mutmaßlichen Verbindungen zu einem Neffen des früheren Premierministers Hun Sen. Die Ermittlungen dauern an.

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Dieter Kowalski 28.06.25 09:00
Immer schön brav an der Eskalationsschraube drehen, dann wird das schon irgendwann mit einem Krieg den niemand will.

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