HAT YAI: Weniger als 100 Tage vor Beginn der Monsunzeit haben führende Wirtschaftsvertreter in der Provinz Songkhla die thailändische Regierung aufgefordert, die Hochwasserschutzmaßnahmen für Hat Yai umgehend voranzutreiben. Nach Ansicht der Wirtschaft droht der Süden des Landes ohne rasche Entscheidungen erneut erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erleiden.
Der Gemeinsame Öffentlich-Private Beratungsausschuss der Provinz Songkhla, in dem 19 Wirtschaftsorganisationen vertreten sind, appellierte an Premierminister Anutin Charnvirakul, sich bei seinem geplanten Besuch in Songkhla am 9. und 10. Juli 2026 persönlich über den Stand der Hochwasservorsorge zu informieren. Gleichzeitig forderte das Gremium eine beschleunigte Genehmigung wichtiger Wasserbauprojekte noch vor Beginn der Regenzeit.
Flutgefahr belastet die Wirtschaft
Nach Angaben der Wirtschaft hat sich das Hochwasserrisiko in Hat Yai längst von einem reinen Infrastrukturproblem zu einer strategischen Gefahr für die regionale Wirtschaft entwickelt. Als Handels-, Tourismus-, Verkehrs- und Logistikzentrum Südthailands hätte eine erneute schwere Überschwemmung weitreichende Folgen für Unternehmen in der gesamten Region, einschließlich des grenzüberschreitenden Handels mit Malaysia.
Zur Begründung verwies das Komitee auf die schweren Überschwemmungen des vergangenen Jahres. Allein in der Provinz Songkhla entstand dabei ein wirtschaftlicher Schaden von schätzungsweise 87,8 Milliarden Baht. In Hat Yai beliefen sich die Auswirkungen auf rund 23,8 Milliarden Baht. Zudem wurden mehr als 107.000 Versicherungsansprüche mit einem Gesamtwert von über 22 Milliarden Baht für beschädigte Fahrzeuge, Maschinen und weitere Sachwerte eingereicht.
Tourismus leidet unter den Fluten
Auch der Tourismus erlitt deutliche Einbußen. Die Zahl der Besucher aus Malaysia, einem der wichtigsten Herkunftsmärkte der Provinz, ging im Dezember um mehr als 55 Prozent zurück. Dadurch entstanden nach Angaben des Ausschusses Einnahmeverluste im Tourismus von rund 9,66 Milliarden Baht. Darüber hinaus beeinträchtigten die Überschwemmungen den Grenzhandel, den Güterverkehr sowie zahlreiche Lieferketten im Süden des Landes.
Als größte Gefahr sehen die Wirtschaftsvertreter inzwischen nicht mehr allein die direkten Sachschäden, sondern den möglichen Vertrauensverlust bei Investoren, Touristen und internationalen Handelspartnern. Sollte es erneut zu einer schweren Flut kommen, könne die Wiederherstellung dieses Vertrauens Jahre dauern.
Wirtschaft verlangt Sofortmaßnahmen
Der Ausschuss fordert deshalb drei Sofortmaßnahmen: Der Premierminister soll die Hochwasservorsorge in Hat Yai persönlich überprüfen, ein von einem stellvertretenden Premierminister geleitetes Koordinierungszentrum für das Wassermanagement in Songkhla eingerichtet werden und die Finanzierung prioritärer Hochwasserschutzprojekte noch vor Beginn der Monsunzeit freigegeben werden.
Vorgesehen sind unter anderem 34,9 Millionen Baht aus dem Zentralhaushalt für das Ausbaggern von Kanälen, die Beseitigung von Hindernissen und die Verbesserung der Entwässerung. Weitere 1,17 Milliarden Baht sollen in Wasserwirtschaftsprojekte des Royal Irrigation Department fließen. Für die Stadt Hat Yai sind zusätzlich 1,08 Milliarden Baht vorgesehen, um das Entwässerungssystem auszubauen und zusätzliche Ausrüstung für den Hochwasserschutz anzuschaffen.
Region braucht schnelle Hilfe
Songpon Changsirivathanathamrong, Präsident der Handelskammer von Songkhla, erklärte, der Privatsektor verlange keine weiteren Studien, da die erforderlichen Daten und Lösungen bereits vorlägen. Entscheidend seien nun schnelle politische Entscheidungen, damit die Finanzmittel rechtzeitig vor Beginn der Regenzeit in die Region fließen könnten.
Auch Orawan Sirivarasant, Vorsitzende des Industrieverbandes von Songkhla, betonte, dass die Unternehmen konkrete Maßnahmen statt weiterer Ankündigungen erwarteten. Überschwemmungen setzten nicht nur Industriegebiete unter Wasser, sondern legten auch die Produktion lahm, beeinträchtigten die Logistik, erhöhten die Betriebskosten und schwächten das Vertrauen der Investoren unmittelbar.