Stahlmängel mögliche Ursache für Einsturz

Foto: epa-efe/Narong Sangnak
Foto: epa-efe/Narong Sangnak

BANGKOK: Nach dem Einsturz eines im Bau befindlichen Bürohochhauses in Bangkok während des Erdbebens am vergangenen Freitag (28. März 2025) verdichten sich die Hinweise auf schwerwiegende Mängel beim verwendeten Baumaterial. Wie das thailändische Industrieministerium mitteilte, wurden auf der Baustelle des Gebäudes der Staatlichen Rechnungsprüfungsbehörde („State Audit Office“) Stahlstäbe gefunden, die in mehreren Tests des Iron and Steel Institute of Thailand durchfielen.

Demnach wiesen Proben von Stahlstäben zweier Größen unzureichende Masse, eine abweichende chemische Zusammensetzung sowie eine mangelnde Belastbarkeit auf. Hergestellt wurden die Stäbe offenbar von einem Unternehmen, dessen Produktionsstätte bereits im Dezember von den Behörden geschlossen worden war. Der Leiter einer Arbeitsgruppe im Industrieministerium, Thitipas Choddaechachainun, bestätigte dies am Montag (31. März 2025), nannte jedoch keinen Firmennamen.

Bilder der fraglichen Stahlprodukte, die von der Behörde sowie in lokalen Medien veröffentlicht wurden, tragen die Marke „Sky“, produziert von der Firma Xin Ke Yuan Steel Co., die ein Werk in der Provinz Rayong betrieb. Die Fabrik war nach einem Zwischenfall mit einem undichten Gastank im Dezember aus Sicherheitsgründen geschlossen und rund 2.400 Tonnen Stahl durch die Behörden beschlagnahmt worden.

Das 30-stöckige Hochhaus war das einzige Gebäude in Bangkok, das durch das Erdbeben der Stärke 7,7, dessen Epizentrum in Myanmar lag, vollständig einstürzte. Dabei kamen mindestens ein Dutzend Bauarbeiter ums Leben, zahlreiche weitere wurden verschüttet.

Die Erkenntnisse über den mangelhaften Stahl fügen sich in eine umfassendere Untersuchung ein, die von der thailändischen Regierung zur Klärung der Einsturzursache angeordnet wurde. Die Industriebehörde kündigte an, weitere Proben zu analysieren und eng mit der Untersuchungskommission zusammenzuarbeiten.

Die Firma Xin Ke Yuan Steel, gegründet im Jahr 2011 und laut Datenbank des Handelsministeriums zu 80 Prozent in chinesischem Besitz, war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Auch die italienisch-thailändische Baufirma Italian-Thai Development Plc, die gemeinsam mit der China Railway Number 10 Thailand Co. das Gebäude errichtete, äußerte sich bislang nicht.

Laut Justizminister Tawee Sodsong soll nun auch geprüft werden, ob China Railway Number 10 gegen Vorschriften verstoßen und thailändische Strohmänner als Anteilseigner eingesetzt hat. Die Sonderuntersuchungsbehörde (DSI) werde entsprechende Ermittlungen aufnehmen.

Bilder des spektakulären Einsturzes, bei dem der Rohbau zu etwa 45 Prozent fertiggestellt war, sorgten in sozialen Netzwerken für große Aufmerksamkeit und werfen Fragen hinsichtlich Planung, Bauausführung und Materialqualität auf. Die Antikorruptionsorganisation erklärte, dass sie bereits zuvor Bedenken zum Projekt geäußert habe.

Im Vergleich zu der verheerenden Lage in Myanmar, wo bislang über 2.700 Todesopfer bestätigt wurden, blieb Bangkok vom Beben weitgehend verschont – mit Ausnahme des eingestürzten Hochhauses.

Wie Thitipas Choddaechachainun betonte, werde die Regierung nun Maßnahmen gegen den Stahlhersteller im Rahmen des thailändischen Gesetzes über Industriestandards ergreifen. „Wir können Hersteller und Verkäufer minderwertiger Produkte strafrechtlich verfolgen“, sagte sie. Zudem werde überprüft, ob das Unternehmen trotz der verfügten Schließung weiter produziert habe und ob sich weitere mangelhafte Produkte im beschlagnahmten Bestand befinden.

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joe bachmann 03.04.25 08:50
wenn ich das foto hier und auch bilder andernorts anschaue, denke ich, dass nicht nur der stahl mangelhaft war. normal kann man bei eingestürzten gebäuden ganze betonplatten erkennen. bei diesem gebäude sieht man, bis auf wenige ausnahmen, vor allem stahl. wo ist der beton hin? wenn sich das alles zu sand und staub verwandelt hat, dann befällt mich das gefühl, dass die betonmischung ebenfalls überprüft werden muss.
Walter Andriuet 02.04.25 17:50
@Konrad Stoll
Ihre Aussage stimmt nicht ganz. Es gibt Ausnahmen wo es erlaubt ist, Armierungsstahl zu schweissen. Allerdings müssen mindestens 2 Schweisser dabei sein und eine Lizenz besitzen. Ansonsten bin ich mit Ihnen einig, strengstens verboten.
Ingo Kerp 02.04.25 13:08
Es würde wohl keinen Menschen der Thailand kennt erstaunen, wenn man im Laufe der Untersuchungen herausfinden würde, das Korruption im Spiel war. Diesmal hat dieses System bereits 17 Menschenleben gekostet. Sind diese Menschenleben das evtl. unrechtmäßige Geld wert?
Alexander Wanko 02.04.25 13:08
Warum wurden die Chargen nicht geprüft?
Wenn man weiß, dass ein Unternehmen schlechten Stahl liefert, muss man doch erst recht prüfen, was man schon gekauft hat - und nicht warten, bis etwas einstürzt.

Ich hoffe sehr, dass jetzt nicht nur der aktuelle Fall untersucht wird, sondern auch, wer noch von diesem Unternehmen beliefert wurde und wo der minderwertige Stahl bereits verbaut wurde.
HaMom 02.04.25 11:58
Echt?
Autobahnen die zusammenbrechen, Fahrbahnen die herunterkrachen, häuser die einstürzen? Gasbetriebene schulbussedie ausbrennen weil der betreiberohne tüvgenehmigung mehrere zusatztanks angebracht angeschweist hat. Wie viele menschen müssen noch sterben, weil korrupte beamte die hand aufhalten.
Marco Egloff 02.04.25 09:40
Ohne Titel
Zuerst versuchen Chinesische Bauführer Dokumente verschwinden lassen, dann der minderwertige Stahl aus " Chin. Firma ".Wer da einen Zusammenhang sieht ist auf der richtigen Spur.
Konrad Stoll 02.04.25 08:00
Mangelhafter Stahl
Es kursieren auch Videos bei denen Armierungsstahl geschweißt wird. Das darf niemals gemacht werden weil dadurch im Bereich der Schweißung das Gefüge verändert und somit die Festigkeit verringert wird.

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