Pompeo berät mit saudischer Führung über Reaktion auf Angriffe

Foto: epa/Ahmed Yosri
Foto: epa/Ahmed Yosri

WASHINGTON/RIAD (dpa) - Wer steckt hinter den Angriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien, und wie reagieren die USA auf die Attacken gegen ihren Verbündeten? Darüber will US-Außenminister Pompeo mit dem saudischen Kronprinzen sprechen. Die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten wächst.

Nach dem Angriff auf wichtige Ölanlagen in Saudi-Arabien will US-Außenminister Mike Pompeo mit der saudischen Führung über eine Reaktion beraten. Das Außenministerium in Washington teilte mit, Pompeo werde am Mittwoch in der Hafenstadt Dschidda mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zusammenkommen. Pompeo werde dabei auch «Bemühungen koordinieren, der iranischen Aggression in der Region entgegenzuwirken». Saudi-Arabien ist ein enger Verbündeter der USA.

Die Huthi-Rebellen im Jemen hatten sich zu den Angriffen am vergangenen Samstag auf die Ölanlagen im benachbarten Saudi-Arabien bekannt. Pompeo hatte dennoch den Iran direkt dafür verantwortlich gemacht. US-Präsident Donald Trump nahm nach den Angriffen ebenfalls den Iran als möglichen Verantwortlichen ins Visier. Der Iran wies jedoch jede Verantwortung für die Angriffe zurück. Die Angriffe hatten die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert und den Ölpreis in die Höhe getrieben.

US-Vizepräsident Mike Pence sagte am Dienstag, es sehe danach aus, als sei der Iran Urheber der Angriffe gewesen. Die Geheimdienste überprüften entsprechende Hinweise. «Wir beraten mit unseren Verbündeten, und der Präsident wird in den kommenden Tagen die beste Vorgehensweise bestimmen.» Die USA wollten keinen Krieg, seien aber zur Verteidigung ihrer Interessen und ihrer Verbündeten bereit.

Pence warf der Führung in Teheran vor, die Spannungen am Golf bewusst zu eskalieren. «Der Iran ist der führende staatliche Förderer von Terrorismus in der Welt und die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten», sagte er. Die USA würden ihre Strategie des maximalen Drucks auf Teheran aufrecht erhalten.

Das saudische Kabinett hatte am Dienstag nach Angaben der Agentur SPA gefordert, die Verantwortlichen für diese «Aggressionen» müssten zur Verantwortung gezogen und abgeschreckt werden. Das Land werde seinen Boden und seine lebenswichtigen Einrichtungen verteidigen. König Salman erklärte, die «feigen Angriffe» hätten nicht nur auf Ölanlagen des Landes abgezielt, sondern auch auf die internationale Ölversorgung. Sie bedrohten die Stabilität der Region. Jemens Huthi-Rebellen drohten dem Königreich jedoch mit neuen Angriffen.

Der Geschäftsführer des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco, Amin Nasser, teilte am Dienstag mit, dass die nach den Angriffen eingebrochene Ölproduktion Ende des Monats wieder das frühere Niveau erreichen werde. Energieminister Abdulasis bin Salman sagte in Dschidda, die Hälfte der eingebrochenen Ölproduktion sei bereits wieder hergestellt.

Am Samstag hatten mehrere Drohnenangriffe unter anderem die größte Ölraffinerie des Landes in Abkaik getroffen und die Produktionsmenge auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens gesenkt. Im vergangenen Monat produzierte Saudi-Arabien nach Opec-Angaben rund 9,8 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) pro Tag. Durch die Angriffe war die Produktion um 5,7 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen.

Saudi-Arabien führt eine von den USA unterstützte Allianz arabischer Staaten an, die im Jemen seit Jahren gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft. Die saudische Luftwaffe fliegt immer wieder Luftangriffe gegen die Huthis.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif schrieb am Dienstag auf Twitter, die Amerikaner würden ihre Augen vor der Wahrheit verschließen, wenn sie glaubten, dass die Jemeniten nach mehr als vier Jahren Kriegsverbrechen nicht zurückschlagen würden. Die einzige Lösung sei ein Ende des Krieges im Jemen.

In der Debatte um den Stopp deutscher Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zeigte der Botschafter des Königreichs in Berlin, Prinz Faisal bin Farhan bin Abdullah al-Saud, Unverständnis für die deutsche Haltung. «Es ist für uns etwas verwirrend», sagte der Diplomat am Dienstagabend im ZDF. «Gerade stehen hier Schiffe in Deutschland, die für die Küstenwache sein sollten. Es gibt dafür einen Vertrag, aber sie werden nicht geliefert. Obwohl diese Schiffe ja für die Rettung von Leuten in Not sind oder für das Stoppen von Schmuggel. Ich verstehe nicht, wie das jetzt dem deutschen Interesse hilft, dass die nicht geliefert werden.»

Von dem Ausfuhrverbot sind auch für das Königreich in Mecklenburg-Vorpommern gebaute Patrouillenboote betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstag der Forderung nach einer Aufhebung des Rüstungsexportstopps eine klare Absage erteilt.

Im Jemen tobt seit 2014 ein Bürgerkrieg. Die Huthis überrannten große Gebiete und vertrieben die international anerkannte Regierung aus der Hauptstadt Sanaa. Deren Rückhalt im Jemen ist nach Einschätzung von Beobachtern schwach. Wegen des Bürgerkriegs erlebt das Land nach Angaben der UN die weltweit schwerste humanitäre Krise. UN-Vermittler Martin Griffiths forderte eine schnelle Beilegung des Konflikts im Jemen. Die Angriffe auf die Ölanlagen hätten die Dringlichkeit einer politischen Lösung gezeigt, schrieb er in der «New York Times».

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
TheO Swisshai 19.09.19 10:15
Reaktionen der USA in Krisensituationen
Der Vorteil ist, es kann nur besser werden, das zeigen die folgenden Beispiele aus der Vergangenheit: - Wenn die Reaktion der USA gleich ausfällt wie beim Zerstücklungs-Fall Khashoggi, dann wäre die logische Reaktion der USA, nun uneingeschränkt und ohne schlechtes Gewissen Waffen an den Iran zu liefern. - Noch mehr Angst macht es mir, wenn die Reaktion wie bei 9/11 ausfällt, wo in der Folge Afghanistan angegriffen wurde, obwohl 15 der 19 Attentäter, plus der angebliche Anführer/Planer/Oberterrorist Bin Laden, Saudis und nicht Afghanis waren ! Aber am meisten Angst macht mir der Gedanke, die Reaktion der USA könnte so aussehen wie es schon damals beim Irak-Einmarsch auch der Fall war, nämlich dass sie nun den Iran angreifen und zwar wieder aufgrund von Lügen oder trotz fehlenden klaren Beweisen ! Fazit: Alle drei Beispiele von "wie reagiert die US-Regierung in Krisensituationen" zeigten klar; die Reaktionen waren Grotten tief schlecht und missglückt ! ... ausser natürlich aus Sicht der US-Waffen- u. Rüstungsindustrie, für die war's in jedem Fall ein Erfolg und ein "Bomben"-Geschäft.
aurel aurelis 19.09.19 10:11
Falsche Firma
Vielleicht hat den Huthis einfach die falsche Söldnerfirma, wo der Pompeo keine Aktien von hat, geholfen.
Ingo Kerp 18.09.19 12:45
Seltsam, beim saudischen Mord an Kashoggi hat es keine so große Eile der Zusammenarbeit gegeben.