Fünf Jahre nach Khashoggi-Mord

Menschenrechtler fordern Ermittlungen

Wegen des Mordes an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verurteilt Saudi-Arabien fünf Menschen zum Tode. Foto: epa/Erik S. Lesser
Wegen des Mordes an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verurteilt Saudi-Arabien fünf Menschen zum Tode. Foto: epa/Erik S. Lesser

RIAD: Auch fünf Jahre nach dem Mord am saudischen Journalisten und Regierungskritiker Jamal Khashoggi fordern Menschenrechtler die aus ihrer Sicht immer noch nicht erfolgten unabhängigen Ermittlungen. Bis heute sei unter anderem ungeklärt, was mit Khashoggis Leiche geschah, teilte die Menschenrechtsorganisation ALQST am Montag bei X mit. Notwendig sei wie schon vor fünf Jahren eine «unparteiische, unabhängige und internationale Ermittlung». Bis heute gebe es keine Gerechtigkeit für Khashoggi.

Khashoggi hatte am 2. Oktober 2018 das saudische Konsulat in Istanbul besucht, um Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Dort wurde er von einem Spezialkommando aus Saudi-Arabien auf brutale Weise getötet. US-Geheimdienste sehen den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in der direkten Verantwortung. Dieser hat bestritten, die Tötung angeordnet zu haben.

Aufgearbeitet wurde der Fall aus Sicht zahlreicher Kritiker bis heute nicht. Der genaue Verlauf der saudischen Ermittlungen blieb ebenso unklar wie im saudischen Prozess die Identitäten von acht Verurteilten, deren Namen nie veröffentlicht wurden. Die Türkei wiederum legte einen Mordprozess gegen 26 saudische Staatsbürger 2022 überraschend ab und überstellte das Verfahren an Saudi-Arabien. Der mutmaßliche Drahtzieher des Mordes, Saud al-Kahtani, zeigte sich im Juni erstmals seit Jahren wieder öffentlich.

Khashoggi sei wegen seiner Kritik an der saudischen Regierung ermordet worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bei X mit. «Heute geht der Missbrauch unter der Herrschaft des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman weiter und er verschlimmert sich.» Nach Einschätzung der Organisation hat das Land wichtige Reformen angekündigt, aber die Unterdrückung unabhängiger und kritischer Stimmen verhindere jeden Reformversuch.

Sarah Leah Whitson, Direktorin der von Khashoggi gegründeten Demokratie-Organisation DAWN, übte scharfe Kritik an den USA und anderen westlichen Ländern. Diese würden sich heute überschlagen, um Saudi-Arabien und den Kronprinzen zu umwerben. «Die Zwillings-Sirenen der Kaufkraft saudischer Milliarden - darunter die weltgrößten Waffenkäufe - und Kontrolle über Ölpreise sind zu verlockend», schrieb Whitson im Online-Magazin «Responsible Statecraft».

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