Obama mahnt USA zu globaler Kooperation

Merkel als Gast

Barack Obama spricht bei der Eröffnung des Obama Presidential Center in Chicago vor den Gästen. Foto: epa/Victor Hilitski
Barack Obama spricht bei der Eröffnung des Obama Presidential Center in Chicago vor den Gästen. Foto: epa/Victor Hilitski

CHICAGO: Der frühere US-Präsident lädt zur Einweihung seines Museums. Dabei sind alle noch lebenden Präsidenten der Vereinigten Staaten - außer einer. Überraschend gesellt sich jemand aus Deutschland hinzu.

Die USA sollten aus Sicht von Ex-Präsident Barack Obama mehr auf Zusammenarbeit mit anderen Staaten bauen statt auf politische Alleingänge. Alle Nationen, auch die Vereinigten Staaten, würden «wohlhabender und sicherer», wenn man auf Kooperation setze, «anstatt zu dominieren, zu tyrannisieren und jeden Vorteil auszunutzen, nur weil wir es können», sagte er in einer Rede zur Einweihung seines Präsidentenmuseums in Chicago - ohne aber den wegen seines aggressiven Politikstils umstrittenen amtierenden Präsidenten Donald Trump direkt zu erwähnen.

Obama erinnerte ferner daran, dass niemand über dem Gesetz stehe. Sein neues «Obama Presidential Center» thematisiere daher die Bedeutung der Gewaltenteilung, einer unabhängigen Justiz und einer starken, freien Presse, sagte der Demokrat weiter.

Zu Gast in Chicago waren auch der republikanische Ex-Präsident George W. Bush sowie die beiden früheren demokratischen Präsidenten Bill Clinton und Joe Biden. Nicht anwesend war dagegen Trump.

«Jeder der heute hier anwesenden Präsidenten, so unterschiedlich wir auch sein mögen, hat sein Bestes gegeben, um für diese Werte einzustehen», sagte Obama. «Trotz all unserer Unterschiede können wir uns einander anschauen, uns verstehen und für gemeinsame Ziele eintreten.»

Auch Merkel war dabei

Überraschend nahm auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Feier teil. Die CDU-Politikerin betrat neben einigen anderen ausländischen Regierungschefs die Bühne. Unter anderem waren der frühere kanadische Premierminister Justin Trudeau und der italienische Ex-Premierminister Matteo Renzi dabei. Merkel bekam stehenden Beifall der geladenen Gäste.

Merkel und Obama verbindet eine längere Freundschaft. So wird seine Rede vor dem Brandenburger Tor mit Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel im Museum als Musterbeispiel für Obamas diplomatische Bemühungen gezeigt. Ganz makellos war das Verhältnis allerdings keineswegs: So hatten US-Geheimdienste Merkels Telefon abgehört. Die Kanzlerin reagierte damals verschnupft darauf: «Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht», kritisierte sie.

«Obama Presidential Center» geht anderen Weg

Das interaktive Museum, das am 19. Juni seine Pforten öffnet, ist im eigentlichen Sinn keine Präsidentenbibliothek, wie sie viele seiner Vorgänger hinterlassen haben. Im «Obama Presidential Center» finden sich weder Bücherwände noch Archive voller Dokumente.

Stattdessen thematisieren Infowände und Videos Verdienste und Errungenschaften des 64-Jährigen - etwa die mühsame Neustrukturierung der Gesundheitsversorgung, «Obamacare» genannt, oder die Tötung des Al-Kaida-Terrorchefs Osama bin Laden. Besucher können durch ein nachgebautes Oval Office in Originalgröße gehen. Auch wird an die bürgerrechtlichen Errungenschaften in der US-Geschichte erinnert, die Obama zufolge überhaupt erst seine Karriere möglich gemacht haben. Fehltritte und umstrittene Praktiken, wie etwa die gezielten Tötungen von Terroristen in Pakistan, werden hingegen nicht oder nur am Rande thematisiert.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.