ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Donnerstag die Umbesetzungen in der Armeeführung der Ukraine:
«Der Wechsel an der Armeespitze ist richtig, weil damit ein Konflikt beigelegt wird, der inmitten des Krieges den nationalen Zusammenhalt und die Moral der Streitkräfte gefährdet hat. Seit über sieben Jahren konnten die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht mehr wählen. Sie akzeptieren das, weil sie wissen, dass das in Kriegszeiten gesetzlich nicht möglich ist. Dennoch ist ihr demokratischer Geist ungebrochen. In den vergangenen Jahren sind Straßenproteste deshalb zu einem wichtigen Ventil für die öffentliche Meinung geworden. (...)
Es stimmt, dass der ukrainische Präsident immer wieder autoritäre Reflexe zeigt und zu Kurzschlussreaktionen neigt. Trotzdem ist Selenskyj kein rücksichtsloser Alleinherrscher. Er braucht den Rückhalt des Volkes, der Soldaten, der Freiwilligen, die den Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren bis heute weitgehend geschlossen mittragen. Selenskyj hat bislang diesen Rückhalt. Aber er kann es sich nicht leisten, ihn aufs Spiel zu setzen. (...)
Selenskyj kommt nun mit einem blauen Auge davon. Aber die Ukraine geht im besten Fall gestärkt aus der Affäre hervor. Mit Mychajlo Drapatyj übernimmt ein fähiger General das Oberkommando der Streitkräfte. Er gehört einer jüngeren Generation von Offizieren an und gilt als offen gegenüber technologischen Innovationen.»