Neues aus dem Ausland am Dienstag

Neues aus dem Ausland am Dienstag

Experten warnen vor Klimawandel-Folgen für Weizenproduktion

BERLIN: Auswirkungen des Klimawandels dürften aus Expertensicht in den kommenden Jahren eine Herausforderung für die Weizenproduktion werden. Studien deuten auf einen Ertragsrückgang von sieben Prozent pro Grad Temperaturerhöhung hin, wie aus einem in Berlin veröffentlichten Strategiepapier der Organisation Wheat Initiative hervorgeht. Es ist laut einer Mitteilung Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen von Weizenforschern sowie Vertretern von Regierungen und Pflanzenzüchtungsunternehmen.

In bewässerten Regionen habe die verringerte Verfügbarkeit von Wasser bereits einen starken Einfluss, heißt es im Bericht. Erwartet werde noch eine Verschärfung durch sinkende Grundwasserspiegel und abnehmende Niederschlagsmengen. Zu erwarten sei auch erhöhter Druck, den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittel zugunsten des Klima- und Umweltschutzes zu verringern. Zu den Forschungsprioritäten zählen laut dem Papier unter anderem die Steigerung der genetischen Vielfalt und das Verständnis der Wurzel- und Bodenbiologie.

Die Wheat Initiative war 2011 auf Initiative der G20-Landwirtschaftsminister gegründet worden. Die Organisation vernetzt Weizenforschung weltweit und will einen Beitrag dazu leisten, den Anbau zu sichern. Laut Bericht gab es 2020 allein in Australien, Kanada, China, Spanien und den USA rund 770 Forschungsprojekte zu Aspekten wie etwa Weizen-Verbesserung. Im Unterschied zu Reis, der größtenteils im Produktionsland konsumiert werde, werde bei Weizen fast ein Viertel der globalen Produktion international gehandelt, wie es im Bericht heißt.


Gorgosaurus-Skelett soll in New York für Millionen versteigert werden

NEW YORK: Das Skelett eines Gorgosaurus soll Ende Juli in New York versteigert werden. Es handele sich um das erste Skelett eines solchen Dinosauriers, das je zur Versteigerung angeboten worden sei, und könne bis zu acht Millionen Dollar (rund 7,8 Millionen Euro) einbringen, teilte das Auktionshaus Sotheby's am Dienstag mit.

Der Gorgosaurus, der wohl vor mehr als 70 Millionen Jahren lebte, war Wissenschaftlern zufolge mit dem Tyrannosaurus verwandt und sah ihm ähnlich, blieb allerdings deutlich kleiner. Ein Großteil der Fossilien des Gorgosaurus wurde in Kanada gefunden, alle bislang entdeckten Überreste befinden sich in öffentlichen Sammlungen. Damit sei das rund drei Meter hohe und knapp sieben Meter lange Skelett, das 2018 im US-Bundesstaat Montana entdeckt wurde und am 28. Juli versteigert werden soll, das erste, das in Privatbesitz übergehen könne, hieß es vom Auktionshaus.

Erst im Mai war in New York ein Skelett der Dinosaurier-Art Deinonychus antirrhopus für rund zwölf Millionen Dollar versteigert worden, 2020 brachte ein Skelett eines Tyrannosaurus rex mehr als 30 Millionen Dollar. Viele Experten sehen die Versteigerung von wissenschaftlich wertvollen Skeletten jedoch kritisch.


Politologe: Konservative Partei in Johnson-Frage zerrissen

LONDON: Nach dem Rücktritt von zwei Ministern stehen die Zeichen in der Konservativen Partei des britischen Premierministers Boris Johnson nach Ansicht eines Politologen auf Sturm. «Konservative Abgeordnete haben endgültig die Geduld mit ihrem Anführer verloren, der für die Wähler immer schnell zu einer verachtenswerten Figur wird», sagte Mark Garnett von der Universität Lancaster der Deutschen Presse-Agentur in London. Johnson werde aber nicht aufgeben.

Wenn der 58-jährige Premier inmitten einer schweren Wirtschaftskrise und angesichts drängender Fragen zu seiner persönlichen Integrität hinwerfe, werde er als einer der schlechtesten Regierungschefs der Geschichte gelten, sagte der Experte. «Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass er zurücktritt. Seine Partei wird ihn aus der Downing Street herauszerren müssen.»

Zuvor waren sowohl Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid zurückgetreten. Beide kritisierten Johnson scharf und warfen ihm vor, das Ansehen der Konservativen Partei zerstört zu haben. Auch weitere Tory-Abgeordnete traten aus Protest gegen Johnson von Regierungsämtern zurück. Der Premierminister hatte zuvor eingeräumt, dass er von Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen einen Parteifreund gewusst habe, den er dennoch in ein wichtiges Fraktionsamt gehievt hatte.

Garnett erwartet, dass die Fraktion schon bald gegen Johnson vorgehen wird. So stehen in der kommenden Woche Wahlen zu einem einflussreichen Komitee an, das über ein parteiinternes Misstrauensvotum entscheidet. Johnsons Gegner würden vermutlich hier die Kontrolle übernehmen und die Regeln so ändern, dass bald eine weitere Abstimmung über den Premier möglich sei, sagte der Politologe. Zugleich wies er darauf hin, dass kein potenzieller Nachfolger in Sicht sei.


Emotionale Gedenkfeier für Opfer des Amoklaufs in Kopenhagen

KOPENHAGEN: Bei einer emotionalen Gedenkfeier haben mehrere Tausend Menschen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen am Dienstagabend an die Opfer des Amoklaufs am Sonntag erinnert. «Ein kranker Mann hat das Feuer eröffnet - und mit einem Mal wurde uns unser strahlender Sommer genommen», sagte Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei der Feier, die auch der dänische Kronprinz Frederik und sein Sohn Christian besuchten. In einer Schweigeminute gedachten die Kopenhagener vor dem Tatort der drei Menschen, die bei dem Angriff in einem Einkaufszentrum ums Leben kamen.

Ein 22-jähriger Däne wird verdächtigt, in dem Zentrum auf zufällig ausgewählte Opfer geschossen und dabei drei Menschen getötet und vier schwer verletzt zu haben. Er wurde kurz nach der Tat festgenommen und soll die Untersuchungshaft zunächst in der geschlossenen Psychiatrie verbringen.


Kolumbiens gewählter Präsident holt Frauen in die Regierung

BOGOTÁ: Der gewählte kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat mehrere Frauen für verschiedene Ministerien seiner künftigen Regierung bestimmt. Die Medizinerin Carolina Corcho werde Gesundheitsministerin, die Stadträtin von Bogotá, Susana Mohamad, Umweltministerin und die Wirtschaftswissenschaftlerin Cecilia López Montaño Landwirtschaftsministerin, schrieb Petro am Dienstag auf Twitter. Zuvor hatte er am Montag bereits die Dramaturgin Patricia Ariza als Kulturministerin nominiert.

Petro hatte am 19. Juni als erster Linkspolitiker die Präsidentenwahl in Kolumbien gewonnen. Er tritt sein Amt am 7. August an.

Im Wahlkampf hatte der Ex-Guerillero und frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá versprochen, gleich viele Männer und Frauen in die Regierung zu holen. Derzeit werden nur rund ein Drittel der Regierungsämter von Frauen ausgeführt. An Petros Seite wird mit der designierten Vizepräsidentin Francia Márquez die erste afro-kolumbianische Frau mit an die Staatsspitze rücken.


Italiens Regierungschef: Grenze bei Migration erreicht

ANKARA: Italiens Regierungschef Mario Draghi sieht die Grenze bei der Aufnahme von Migranten in seinem Land als erreicht an. «Auch wir haben Limits, und jetzt sind wir da angekommen», sagte der 74-Jährige am Dienstag bei seinem Türkei-Besuch in Ankara. Man müsse auch verstehen, dass ein Land nicht unbegrenzt offen sein könne. Der frühere Chef der Europäischen Zentralbank betonte, der Umgang mit Migranten müsse menschlich, angemessen und effektiv sein. Italien versuche, Migranten in seinen Gewässern zu retten.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums erreichten in diesem Jahr Stand Dienstag fast 29.400 Bootsmigranten die Küsten Italiens. Im selben Vorjahreszeitraum waren es etwas mehr als 21.700. Die Zahlen stiegen seit dem Frühjahr deutlich an.

Die Türkei hat sich in einem 2016 mit der EU geschlossenen Abkommen bereit erklärt, gegen unerlaubte Migration in die EU vorzugehen und illegal auf die Ägäis-Inseln gelangte Migranten zurückzunehmen. In der Türkei hat sich die Stimmung gegen die rund 3,7 syrischen Geflüchteten zuletzt verschlechtert. Erdogan hatte etwa angekündigt, eine Million Syrer nach Nordsyrien umsiedeln zu wollen.

Draghi reiste am Dienstag mit einer Delegation mehrerer Minister in die Türkei, um dort verschiedene Abkommen zu Verteidigung und Handel zu unterzeichnen. Es war nach 2012 das dritte Treffen dieser Art. Die Türkei sei ein «Freund und Partner», erklärte Draghi.


Draghi ermutigt Erdogan zur Rückkehr in Istanbul-Konvention

ANKARA: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Rückkehr zur Istanbul-Konvention gegen die Gewalt gegen Frauen nahe gelegt. «In unserem Gespräch haben wir auch die Wichtigkeit des Respekts der Menschenrechte besprochen», sagte der parteilose Regierungschef bei seinem Besuch in Ankara am Dienstag. Er habe Erdogan ermutigt, in die Istanbul-Konvention zurückzukehren, erklärte der 74-Jährige weiter. Die Türkei war großem inländischen und internationalem Protest zum Trotz 2021 aus dem Abkommen des Europarates ausgetreten.

Die Istanbul-Konvention war 2011 vom Europarat ausgearbeitet worden. Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen und dazu einen Rechtsrahmen zu schaffen.

Erdogan hatte damals argumentiert, die Istanbul-Konvention widerspreche sozialen und familiären Werten der Türkei. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge haben sich die Rechte von Frauen und Mädchen in dem Land seitdem deutlich verschlechtert. Laut der Organisation «Wir werden Frauenmorde stoppen» sind in diesem Jahr von Januar bis Ende Juni 167 Frauen von Männern in der Türkei getötet worden.

Draghi reiste mit mehreren Ministern seines Kabinetts in die türkische Hauptstadt, um dort verschiedene Abkommen etwa im Bereich Wirtschaft und Verteidigung zu unterzeichnen. Es war nach 2012 das dritte Regierungstreffen dieser Art zwischen Italien und der Türkei.


Bedrohter Ex-Farc-Kommandeur in Kolumbien getötet

NEIVA: Er setzte sich für die Wiedereingliederung von ehemaligen Farc-Kämpfern in die kolumbianische Gesellschaft ein: Nun ist der Ex-Farc-Kommandeur «Ramiro Durán» im Südwesten Kolumbiens ermordet worden. Das teilte der Vertreter des UN-Generalsekretärs in dem südamerikanischen Land, Carlos Ruiz Massieu, am Dienstag auf Twitter mit. «Ich verurteile den Mord und bekräftige die Notwendigkeit, die Sicherheit von Ex-Kämpfern und Friedensaktivisten zu erhöhen», schrieb er weiter. «Duran», der mit bürgerlichem Namen Ronald Rojas hieß, hatte sich zuvor beklagt, von Gruppen bedroht zu werden, die Ex-Farc-Kämpfer ins Visier genommen hätten.

«Duran» hatte an den Friedensverhandlungen mit der Regierung in Havanna teilgenommen. Er wurde Berichten zufolge auf der Finca seiner Familie in einer ländlichen Gegend im Department Huila erschossen. Das Motiv war zunächst unklar. Aus Unzufriedenheit mit der Ex-Farc-Partei Comunes hatte er sich für die Wiedereingliederung von Ex-Farc-Kämpfern eingesetzt. 121 Aktivisten und Ex-Farc-Kämpfer wurden laut der Nichtregierungsorganisation «Indepaz» in Kolumbien allein in diesem Jahr ermordet.

Zwar hat sich nach dem Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs 2016 die Sicherheitslage in dem südamerikanischen Land verbessert. Dennoch werden noch immer Teile Kolumbiens von kriminellen Banden, linken Rebellen oder rechten Paramilitärs kontrolliert. Vor allem Menschenrechtsaktivisten, Umweltschützer und kommunale Wortführer geraten häufig ins Visier.


Zwei Blauhelmsoldaten in Mali durch Explosion einer Mine getötet

BAMAKO: Bei der Explosion einer Mine sind im westafrikanischen Krisenstaat Mali zwei UN-Soldaten getötet und fünf weitere schwer verletzt worden. Ein gepanzertes Fahrzeug eines Versorgungskonvois sei am Morgen von der Detonation getroffen worden, teilte die Leitung des UN-Stabilisierungseinsatzes Minusma am Dienstag mit.

Die Soldaten waren demnach zwischen dem Dorf Tessalit und der Stadt Gao im Norden Malis unterwegs. Angaben zur Nationalität der Opfer machte Minusma nicht. Eine Sprecherin des Einsatzführungskommandos sagte der Deutschen Presse-Agentur, Bundeswehr-Soldaten seien nicht betroffen. Sie leisteten mit einem Hubschrauber medizinische Hilfe. In Gao sind deutsche Soldaten im Rahmen des Minusma-Einsatzes stationiert.

Das Land mit seinen rund 20 Millionen Einwohnern hat seit 2012 drei Militärputsche erlebt und gilt als politisch äußerst instabil. Seit dem bisher letzten Putsch im vergangenen Mai wird Mali von einer militärischen Übergangsregierung geführt, die enge Beziehungen zu Russland pflegen soll. Dem Krisenstaat machen seit Jahren islamistische Terrorgruppen zu schaffen. Die Militärjunta hat Wahlen bis Ende März 2024 versprochen. Ende Juni hatte der UN-Sicherheitsrat die UN-Friedensmission in Mali um ein Jahr verlängert.


Behörde : Verletzten Deutschen geht es besser

BELLUNO: Den beiden beim Gletschersturz in Norditalien verletzten Deutschen geht es besser. Ihr Gesundheitszustand stabilisiere sich, teilte die Gesundheitsbehörde in Venetien am Dienstagabend mit, in deren Kliniken der Mann und die Frau liegen. Die Ärzte in der Provinz Belluno hätten den 67-Jährigen am Dienstag wegen seiner Verletzungen operiert. Er bleibe vorerst auf der Intensivstation. Die 58 Jahre alte Frau wurde auf eine normale Station verlegt und soll dort weiter überwacht werden.

Am Sonntagnachmittag begruben an der Marmolata in den Dolomiten Massen aus Schnee, Eis und Geröll mehrere Bergsteiger unter sich. Die Behörden bestätigten sieben Tote und acht Verletzte. Fünf - alles Italiener - galten am Dienstagabend noch als vermisst.


Studentin bei Wohnungsbesichtigung getötet - Lebenslang für Franzosen

STRAßBURG: Für den Mord an einer später zerstückelt aufgefundenen Straßburger Studentin hat ein Gericht in der Elsass-Metropole einen 61 Jahre alten Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Schwurgericht sprach den geständigen Mann am Dienstag schuldig, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Er war bereits mehrfach wegen Vergewaltigung vorbestraft. Der Tod der Studentin Sophie Le Tan hatte in Frankreich Entsetzen ausgelöst. Die junge Frau starb an ihrem 20. Geburtstag, den sie abends mit ihrer Familie feiern wollte.

Die Studentin war im September 2018 in der Nähe von Straßburg auf Wohnungssuche gewesen und nach einer Besichtigung im Vorort Schiltigheim verschwunden. Zeugenaussagen führten die Ermittler auf die Spur des Hauptverdächtigen, der eine Immobilienanzeige aufgegeben hatte. Trotz bei ihm gefundener Blutspuren bestritt er die Tat zunächst mehr als zwei Jahre lang. Die Leiche der Studentin wurde im Oktober 2019 in einem Wald rund 30 Kilometer südwestlich von Straßburg gefunden.

Obwohl er die Tat schließlich zugab, hielt er vor Gericht daran fest, ohne Vorsatz gehandelt zu haben. Das Gericht bestimmte in seinem Urteil, dass eine Haftentlassung des Verurteilten frühestens nach 22 Jahren geprüft werden kann.


Nationaler Dialog beginnt - Muslimbruderschaft ausgeladen

KAIRO: Neun Jahre nach der Machtübernahme von Präsident Abdel Fattah al-Sisi in Ägypten hat in dem nordafrikanischen Land ein nationaler politischer Dialog begonnen. Ziel der Gespräche seien Empfehlungen für Gesetzgebung und Regierung, die dann Präsident Al-Sisi vorgelegt würden, sagte der Koordinator Diaa Raschwan zum Auftakt am Dienstag in Kairo. Dort traf sich zunächst ein 19-köpfiges Kuratorium, um den weiteren Ablauf der Gespräche zu planen.

Zu dem Dialog hatte der frühere General Al-Sisi aufgerufen, der 2013 nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi an die Macht kam. Mit Ausnahme der in Ägypten verbotenen Muslimbruderschaft sollen «ohne Diskriminierung» alle politischen Kräfte teilnehmen dürfen, darunter Parteien, Verbände und Intellektuelle. Auch einige Regierungskritiker wurden eingeladen. Die Muslimbruderschaft wird in Ägypten als Terrororganisation eingestuft.

Kritiker sehen den Dialog mit Skepsis. Denn eine bedeutende politische Opposition gibt es in Ägypten unter Al-Sisi nicht mehr. Abweichler werden strafrechtlich verfolgt, die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Nach Schätzungen von Menschenrechtlern wurden seit Al-Sisis Machtübernahme mindestens 60.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, viele Oppositionelle haben das Land verlassen.


Britischer Premier muss sich Fragen von Parlamentsausschuss stellen

LONDON: Mitten in einem Skandal um sexuelle Belästigung in seiner Konservativen Partei muss sich der britische Premierminister Boris Johnson am Mittwoch (16.00 Uhr MESZ) den Fragen eines Parlamentsausschusses stellen. Die traditionelle Befragung vor dem sogenannten Liaison Committee im Unterhaus ist einer der Höhepunkte des Jahres im britischen Parlament. Bei keiner anderen Gelegenheit hat der Regierungschef so wenig Möglichkeiten, unangenehmen Fragen auszuweichen. Das Ereignis wird daher auch als «grilling» bezeichnet.

Erwartet werden viele Fragen zum jüngsten Skandal bei Johnsons Tories. Dabei geht es darum, wann Johnson von Belästigungsvorwürfen gegen den bisherigen Vize-Whip seiner Fraktion, Chris Pincher, erfahren hat. Die Whips - übersetzt Peitschen - sind für ein Einhaltung der Fraktionsdisziplin verantwortlich. Pincher war vorige Woche zurückgetreten, weil er schwer betrunken zwei Männer begrapscht haben soll.

Downing Street hatte zunächst betont, Johnson seien keine konkreten Vorwürfe bekannt gewesen. Am Dienstag musste sein Sprecher aber einräumen, dass der Premier bereits 2019 über ähnliche Anschuldigungen gegen Pincher informiert worden sei. Johnson habe sich daran zunächst nicht erinnern können, hieß es nun von der Regierung. Pincher war erst im Februar in sein Amt berufen worden.

Der Fall könnte den Druck auf Johnson weiter verschärfen. Der Regierungschef hatte erst vor kurzem ein parteiinternes Misstrauensvotum knapp überstanden. Dabei ging es um die «Partygate»-Affäre um illegale Lockdown-Feiern in der Downing Street. Auch Tory-Abgeordnete hatten Johnsons Rücktritt gefordert.


Dürre: Dorf verbietet Zähneputzen mit Leitungswasser

BARGEMON: Wegen Problemen mit der Trinkwasserversorgung nach anhaltender Trockenheit ist das Zähneputzen mit Leitungswasser in einem südfranzösischen Dorf verboten worden. Außerdem dürfe das Kranwasser nicht getrunken oder zur Zubereitung von Säuglingsmilch oder rohen Speisen verwendet werden, teilte die Gemeinde Bargemon im bergigen Hinterland der Côte d'Azur mit. Zu diesen Zwecken könnten die Bewohner Wasser in Flaschen im Bürgermeisteramt abholen. Die Einschränkung ist eine Hygienemaßnahme. Teils muss das Leitungswasser nämlich momentan per Tankwagen herbeigeschafft werden, wodurch die Trinkwasserqualität nicht gewährleistet ist.

Außer der Trockenheit macht den Menschen in der südfranzösischen Region im Moment eine Hitzewelle zu schaffen. Die Gemeinde Bargemon warnte vor Temperaturen bis zu 40 Grad. Wegen erhöhter Waldbrandgefahr wurden für das Betreten großer Naturbereiche strikte Beschränkungen verhängt.


Alle Verletzten nach Amoklauf in Kopenhagen außer Lebensgefahr

KOPENHAGEN: Nach dem Amoklauf in Kopenhagen sind alle schwer verletzten Menschen außer Lebensgefahr. Das bestätigte ein Sprecher der Hauptstadtregion am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Der Zustand der Patienten ist immer noch eine Momentaufnahme», erklärte ein Sprecher. Drei der Patienten waren bereits am Montag stabil gewesen. Nun befinde sich auch die vierte Person nicht mehr in kritischem Zustand.

Bei dem Angriff in einem Einkaufszentrum waren am Sonntag drei Menschen - zwei dänische 17-Jährige und ein 47-jähriger Mann - erschossen worden. Vier Menschen wurden angeschossen und schwer verletzt. Dabei handelt es sich um eine 19-jährige und eine 40-jährige Dänin sowie eine 16-jährige Schwedin und einen 50-jährigen Schweden.

Der mutmaßliche Täter, ein 22 Jahre alter Däne, wurde kurz nach der Tat festgenommen und für die Zeit der Untersuchungshaft in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen.


Zahl der Vermissten nach Lawinen-Unglück auf fünf gesunken

CANAZEI: Die Zahl der Vermissten nach dem tödlichen Lawinen-Unglück in den italienischen Dolomiten ist von dreizehn auf fünf gesunken. Das teilte die Autonome Provinz Trient mit, in der der Berg Marmolata liegt, an dem sich am Sonntag der Gletscherabbruch ereignete. Acht Menschen konnten die Behörden demnach wieder ausfindig machen. Bei ihnen bestand zunächst die Befürchtung, sie könnten unter den vermissten Bergsteigern sein, die verschüttet wurden. Laut Trentino sank die Zahl der Verletzten in Kliniken außerdem auf sieben, weil ein Patient entlassen wurde.

Zuvor bestätigte die Polizei in Trient auf Nachfrage, vier Ausländer, die als vermisst galten, seien kontaktiert worden. Zudem konnten die Personalien eines schwer verletzten Mannes ermittelt werden, der nach dem Unglück in eine Klinik in Treviso gebracht wurde. Massen aus Eis, Schnee und Geröll begrüben am Sonntag an der Marmolata in Norditalien mehrere Bergsteiger unter sich. Die Behörden bestätigten bislang sieben Tote und insgesamt acht Verletzte, darunter zwei Deutsche.

Die Einsatzkräfte vor Ort setzten am Dienstag die Suche nach Toten und Vermissten an der Unglücksstelle fort. Weil der Untergrund noch instabil war und die Behörden weitere Lawinen nicht ausschließen konnten, überflogen die Rettungskräfte das Gebiet mit Drohnen. Das Bergmassiv bleibt bis auf weiteres gesperrt. Bei der Suche fanden die Helfer Kleidung und laut Ansa auch «Reste von Vermissten». Dort seien sehr kleine menschliche Überreste, die kaum zuzuordnen seien, sagte der Chef der Bergrettung, Maurizio Dellantonio, vor Journalisten. «Das sind sehr schmerzvolle Dinge», fügte er hinzu.


VW-Konzernsoftware soll «einfach updatefähig» und bezahlbar sein

WOLFSBURG/INGOLSTADT: Die künftig konzerneinheitliche Software kostet Volkswagen viel Mühe und sorgt für Stress mit einigen Marken - der Mehraufwand soll sich aber auch aus Verbrauchersicht lohnen. «Die Plattform muss einfach, häufig und mit wenig Kundeninteraktion updatefähig sein», erklärte Alf Pollex, Chef des Entwicklungsverbunds für das geplante zentrale Auto-IT-System, am Dienstag zu einer der Hauptanforderungen. Dies sei auch ein Grund, weshalb das Projekt Zeit brauche. Es gab Verzögerungen verglichen mit dem Ursprungsplan, beim autonomen Fahren arbeiten Audi und Porsche vorerst parallel weiter.

Die Ausbaustufe 2.0 der Software soll ab Mitte des Jahrzehnts stehen, sie führt laut Konzernchef Herbert Diess «die Entwicklungen dann zusammen». Die vorübergehende Trennung der verschiedenen Versionen bringt zunächst jedoch zusätzliche finanzielle Belastungen. «Ich bin überzeugt, dass die Software zum Anlauf von Trinity fertig wird», sagte Diess jüngst zu dem ab etwa 2026 geplanten Kernmodell, für das am Stammsitz Wolfsburg eine neue Fabrik entsteht. An diesem Freitag dürfte das schwierige Thema im Aufsichtsrat besprochen werden.

Es gehe um eine komplexe Umstellung in IT und Elektronik, so Pollex - das habe zum Beispiel für die Updates von Funktionen direkte Folgen. In älteren, dezentral ausgelegten Systemen «hat man bisher einzelne Updates an einzelnen Steuergeräten gemacht - die Update-Fähigkeit des ganzen Systems war dadurch extrem herausfordernd». Bei immer mehr Vernetzung, Automatisierung und Infotainment würden zentralisierte Rechner-, Controller- und Softwarearchitekturen nötig. Damit werde man Programm- und Prozess-Updates in einheitlichen Blöcken machen.

Nur ein ausgereiftes Einheitssystem 2.0 sichere zudem, dass sich mit diesem alle Autotypen zu wettbewerbsfähigen Preisen ausrüsten lassen. «Wir können das System so auch für das Niveau der Einstiegsfahrzeuge anbieten, damit es für diese bezahlbar bleibt», sagte Pollex. «Diese Architektur setzt also die Basis dafür, wie es langfristig mit Software und Elektronik bei Premium- wie bei Volumenfahrzeugen und für künftige Modellgenerationen weitergeht - deshalb auch unsere Entscheidung, das selber entwickeln zu wollen als Konzern.»


Zeugin belastet Netanjahu und Frau: Steter Strom von Luxusgeschenken

JERUSALEM: Eine Zeugin hat den israelischen Ex-Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in seinem Korruptionsprozess wenige Monate vor einer Neuwahl schwer belastet. Hadas Klein, Assistentin der Milliardäre Arnon Milchan und James Packer, sagte am Dienstag vor Gericht über eine regelmäßige Versorgung von Netanjahu und seiner Frau Sara mit Luxusgeschenken aus. Netanjahu ist gegenwärtig Oppositionsführer und strebt bei einer Parlamentswahl im November eine Rückkehr ins Amt des Ministerpräsidenten an.

Klein berichtete nach Medienberichten, die mit Netanjahu befreundeten Milliardäre hätten dem Ehepaar zum Beispiel regelmäßig Zigarren, rosa Champagner und Schmuck geschenkt. Hollywood-Produzent Arnon Milchan habe dem australischen Unternehmer James Packer klargemacht, «dass man nicht mit leeren Händen zu den Netanjahus kommen kann». Packer habe Netanjahu verehrt, sagte sie.

Die Zahl der Geschenke sei im Laufe der Zeit immer größer geworden. Sara Netanjahu habe auch immer wieder konkrete Forderungen nach Geschenken gehabt. Netanjahu tränke seine Zigarren gerne in Cointreau-Likör, deshalb habe sie von Milchan den Auftrag bekommen, diesen zu kaufen. Sara Netanjahu habe außerdem die Anweisung erteilt, Kisten mit rosa Champagner in schwarzen Säcken zu transportieren, damit Passanten sie nicht sehen können. Der Wert der Luxusgeschenke an die Netanjahus beläuft sich laut Anklage auf rund 700.000 Schekel (193.000 Euro). Netanjahu hatte diese als «Geschenke unter Freunden» gerechtfertigt.

Der Korruptionsprozess gegen Netanjahu läuft schon seit mehr als zwei Jahren. Ihm wird auch vorgeworfen, als Kommunikationsminister dem Telekom-Riesen Bezeq Vergünstigungen gewährt zu haben. Im Gegenzug soll das zum Konzern gehörende Medium «Walla» positiv über ihn berichtet haben. Zudem soll er dem kritischen Zeitungsverleger Arnon Moses angeboten haben, im Gegenzug für positive Berichterstattung dessen Konkurrenzblatt zu schwächen.


Libanon muss Hisbollah zügeln, sonst tun wir es

TEL AVIV: Der neue israelische Ministerpräsident Jair Lapid hat nach dem Abschuss mehrerer Drohnen der libanesischen Hisbollah mit weiteren Konsequenzen gedroht. «Die Regierung im Libanon muss die Hisbollah angesichts solcher Angriffe unter Kontrolle bringen, sonst werden wir gezwungen sein, dies zu tun», sagte Lapid am Dienstag vor seiner Abreise nach Paris. Dort war ein Treffen mit den französischen Präsidenten Emanuel Macron geplant. Es ist die erste Reise Lapids nach Amtsantritt.

Am Wochenende hatten israelische Streitkräfte über dem Mittelmeer drei Drohnen aus dem Libanon abgeschossen. Wie israelische Medien berichteten, steuerten die Drohnen der Hisbollah israelische Gasplattformen an. Die Schiitenmiliz ist eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden.

Der Grenzverlauf zwischen Israel und dem Libanon im Mittelmeer ist umstritten, da beide Seiten dort Gasvorkommen für sich beanspruchen. Derzeit laufen Verhandlungen beider Länder unter Vermittlung der USA.

Es habe wiederholt Angriffe auf israelische Gasplattformen gegeben. «Israel wird diese Angriffe nicht dulden, und jeder, der dies tut, muss wissen, dass er unnötige Risiken für sein Wohlergehen eingeht», sagte Lapid.


Tote bei schweren Regenfällen

ISLAMABAD: Bei schweren Regenfällen im Südwesten Pakistans sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Lokale Behörden berichten außerdem von mindestens zwölf Verletzten. In der südwestlichen Stadt Quetta zerstörten die Fluten 200 Häuser und verursachten schwere Schäden an Strommasten. Auch in anderen Teilen Pakistans sind die Auswirkungen der ungewöhnlich starken Regenfälle spürbar, wie im Nordosten des Landes, wo es zu schweren Straßenschäden durch die Wassermassen kam.

Nach Angaben der nationalen Behörde für Katastrophenmanagement sind seit Mitte Juni in Pakistan bereits 38 Menschen durch Monsunregenfälle getötet worden. Ende Juni haben pakistanische Behörden bereits vor Rekordfluten während der Monsunzeit gewarnt, nachdem die Region zuvor von einer ungewöhnlich frühen Hitzewelle betroffen war. Naturkatastrophen wie Fluten, Dürren, Erdrutsche haben in Pakistan in den vergangenen Jahren zugenommen, auch die Luftqualität ist gesunken. Klimaexperten schreiben das Phänomen dem Klimawandel zu, aber auch der Nähe zu stark industrialisierten Ländern wie China oder Indien.


Deutscher Fahrzeughalter nach Lawine ermittelt

CANAZEI: Die italienische Polizei hat nach dem tödlichen Lawinen-Unglück in den Dolomiten den Halter eines Autos mit deutschem Kennzeichen ausfindig gemacht. Dieser sei gefunden worden und befinde sich außer Gefahr, hieß es von der Polizei in Trient auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Er sei nicht in das Unglück an dem Gletscher involviert gewesen. Der Wagen mit bayerischem Kennzeichen stand auf dem Parkplatz, der in der Regel von den Bergsteigern genutzt wird, die hinauf Richtung Marmolata laufen.

Von dem Berg ging am Sonntag eine Lawine aus Eis, Geröll und Schnee ab und begrub mehrere Menschen unter sich. Die Behörden bestätigten sieben Tote und acht Verletzte, darunter zwei Deutsche. 13 Menschen galten am Dienstag noch als vermisst. Weil zu dem Auto mit dem deutschen Nummernschild anfangs niemand zurückkam, schlossen die Behörden zunächst nicht aus, dass die Insassen unter den Opfern sein könnten.


Schwere Dürre macht Spanien und Portugal zu schaffen

MADRID/LISSABON: Eine seit Monaten anhaltende schwere Dürre macht Spanien und Portugal immer mehr zu schaffen. In Spanien seien die Pegel der Stauseen aufgrund der Trockenheit und der Hitze inzwischen mit einem Schnitt von 46 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung vor 17 Jahren gesunken, berichtete am Dienstag die Zeitung «La Vanguardia» unter Berufung auf das Ministerium für Ökologischen Wandel in Madrid.

Man rechne damit, dass das Niveau bis September weiter zurückgehe. Erst im Herbst sei eine Erholung zu erwarten. Es gebe allerdings zum Teil große regionale Unterschiede. In einigen Regionen lägen die Pegelstände sogar über dem langjährigen Schnitt. Schlimm sei die Lage aber derzeit im Guadalquivir-Becken im Süden sowie im Guadiana-Becken im Zentrum und Südwesten Spaniens, hieß es.

Trinkwasserrationierungen, wie es sie derzeit in Italien gibt und in Spanien zuletzt in den 1990er Jahren häufiger waren, würden vorerst allerdings nicht erwogen, schrieb «La Vanguardia» unter Berufung auf die Behörden. Der Wassermangel ziehe aber bereits die Land- und Viehwirtschaft, die Flussschifffahrt und den Tourismus in Mitleidenschaft, berichtete der staatliche spanische Fernsehsender RTVE. Einige Kommunen und Ferienhausbesitzer hätten ihre Schwimmbecken bisher nicht gefüllt, um freiwillig Wasser zu sparen.

In Portugal spricht man unterdessen von der schlimmsten Dürre der vergangenen 20 Jahre. Nach dem heißesten Mai seit 1931 leidet nach jüngsten Angaben des portugiesischen Instituts für Meer und Atmosphäre (IPMA) derzeit über 97 Prozent des Territoriums unter schwerer Trockenheit. Die Regierung in Lissabon führt deshalb Kampagnen zur effizienteren Nutzung von Wasser durch.


Polizei in Nordfrankreich fasst Schleuser und Migranten

CALAIS: Die Polizei in Nordfrankreich hat mehrere illegale Versuche von Migranten zur Überfahrt per Boot nach Großbritannien gestoppt. Außerdem wurden 48 Menschen im Ärmelkanal aus Seenot gerettet, wie die Behörden mitteilten.

In der Nacht zum Dienstag stoppten Beamte nach einer Verfolgungsfahrt bei Boulogne-sur-Mer einen Wagen. Darin befanden sich sieben Migranten. Die beiden mutmaßlichen Schleuser wurden festgenommen. Ebenfalls in der Nacht verhinderten Polizisten in Strandnähe an einem anderen Ort eine versuchte Überfahrt. Ein Schlauchboot samt Ausrüstung wurde beschlagnahmt. Vor der Küste bei Dunkerque rettete ein Schiff des französischen Zolls bereits in der Nacht zum Montag 48 Migranten aus Seenot. Ihr Boot trieb mit einer Motorpanne im Meer.

Vor einer Woche hatte die französische Polizei 15 mutmaßliche Schleuser festgenommen, die mit dem Tod von 27 Migranten beim Untergang ihres Boots vor sieben Monaten zu tun haben sollen. Wie die Zeitung «Le Parisien» berichtete, sollen die Festgenommenen einem afghanischen Schleusernetzwerk angehören, das für die gefährliche Überfahrt rund 3000 Euro pro Person kassiert haben soll.

Die Flüchtlingskrise bei Calais dauert seit Jahren an. Von Jahresbeginn bis zum 13. Juni wurden 777 Versuche registriert, mit kleinen Booten die Meerenge zu überqueren, wie das französische Innenministerium kürzlich mitteilte. Dabei sei es um insgesamt 20.132 Menschen gegangen, ein Anstieg um 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für 2021 war bereits von Rekordzahlen die Rede gewesen. 52.000 Menschen versuchten über den Ärmelkanal zu gelangen, 28.000 gelang dies nach Angaben des französischen Ministeriums auch.


Belästigungsaffäre bei Tories: Ex-Beamter widerspricht Regierung

LONDON: Die britische Regierung gerät wegen des Skandals um sexuelle Belästigung durch ein führendes Tory-Fraktionsmitglied immer stärker in Bedrängnis. Nun hat ein ehemaliger Beamter im britischen Außenministerium den Beteuerungen der Johnson-Regierung, nichts von konkreten Vorwürfen gewusst zu haben, widersprochen. Premierminister Boris Johnson sei persönlich über Belästigungsvorwürfe gegen den konservativen Parteikollegen informiert worden, schrieb Ex-Staatssekretär Simon McDonald am Dienstag an die Beauftragte für die Einhaltung parlamentarischer Standards.

Im Zentrum des Skandals steht der von Johnson mit dem Posten des sogenannten Vize-Whips beauftragte Abgeordnete Chris Pincher. Die Aufgabe des Whips (Einpeitschers) ist es, für Fraktionsdisziplin zu sorgen. Pincher war in der vergangenen Woche zurückgetreten, nachdem Medien berichteten, er habe zwei Männer in einem exklusiven Club in London im betrunkenen Zustand begrapscht. Inzwischen wurde auch seine Mitgliedschaft in der Fraktion ausgesetzt. Seitdem wurden weitere Anschuldigungen bekannt.

Die Regierung hatte stets beteuert, nichts von konkreten Vorwürfen gegen Pincher gewusst zu habe, als er die Führungsposition erhielt. Doch das sei falsch, machte McDonald in einem Gespräch mit der BBC am Dienstag klar. «Es ist sehr ungewöhnlich für einen pensionierten Beamten, das zu tun, was ich heute Morgen getan habe. Ich habe das aus eigenem Antrieb gemacht, weil ich wusste, dass das, was ich in den vergangenen Tagen gesehen und gelesen habe, falsch ist», sagte McDonald.


Teilchenbeschleuniger LHC mit Rekordenergie neu gestartet

GENF: Der Teilchenbeschleuniger LHC hat sich nach einer technischen Aufrüstung wieder auf die Suche nach den physikalischen Gesetzen des Universums gemacht. Nach dreijähriger Inventur und einer monatelangen Startphase wurden am Dienstag in der Anlage der europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf erstmals wieder Protonenkollisionen gemessen. Das neue Experiment wurde nach Cern-Angaben mit einer Bewegungsenergie von 13,6 Billionen Elektronenvolt durchgeführt - ein Rekordwert für einen Teilchenbeschleuniger. Im Zuge der Inventur in dem 27 Kilometer langen unterirdischen Ring des LHC war die Leistungsfähigkeit des Beschleunigers und der angeschlossenen Detektoren deutlich verbessert worden. «Das ist eine signifikante Steigerung, die den Weg für neue Entdeckungen ebnet», sagte Mike Lamont, der Technikchef beim Cern.

Im LHC werden Protonenstrahlen bei einer Temperatur von minus 271 Grad praktisch mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander gejagt. Die entstehenden Kollisionen simulieren die Zeit kurz nach dem Urknall, also die Geburtsstunde des Universums vor rund 14 Milliarden Jahren. Dank der technischen Verbesserungen wird die Zahl der Kollisionen erhöht, sagte der deutsche Physiker Joachim Mnich, der als Forschungschef am Cern arbeitet. «Wir werden genauere Messungen als in der Vergangenheit durchführen können», fügte er hinzu.

Forscherinnen und Forscher hoffen darauf, aus den Produktions- und Zerfallsprozessen von kleinsten Teilchen im LHC unter anderem mehr über Materie und Antimaterie, sowie über die bislang noch nicht nachgewiesene dunkle Materie zu lernen. Einen großen Durchbruch konnte das Cern vor zehn Jahren mit der Entdeckung des Higgs-Bosons vermelden. Das Teilchen bestätigt die Existenz des sogenannten Higgs-Feldes, das den Elementarteilchen ihre Masse verleiht.


Nach Lawine in Norditalien: Einsatzkräfte finden Kleidung

CANAZEI: Die Rettungskräfte an der Marmolata in Norditalien haben nach der Gletscher-Lawine vom Sonntag Kleidungsstücke an dem Unglücksort gefunden. Unklar sei jedoch, ob es sich um Kleidung von Opfern handle, erklärte ein Mitglied der Helikopter-Einheit des Trentinos, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag berichtete. Ihm zufolge wird nun geprüft, ob und wie die Kleidung geborgen werden kann und ob dort möglicherweise Opfer liegen. Die Einsatzkräfte setzten am Dienstag die Suche in dem Gebiet fort, nachdem sie am Montag wegen eines Unwetters ihre Arbeit unterbrachen.

Im Einsatz waren hauptsächlich Drohnen. Am Boden sollten nur Rettungskräfte eingesetzt werden, um Funde zu bergen, teilte die Autonome Provinz Trentino mit. Das gesamte Gebiet wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Lawine riss am Sonntagnachmittag an dem Gletscher in den Dolomiten mindestens sieben Bergsteiger in den Tod. Acht Menschen wurden verletzt, darunter auch ein Mann und eine Frau aus Deutschland. 13 Leute gelten weiter als vermisst.


26 Menschen erleiden Chlorvergiftung im Hotelpool auf Mallorca

PALMA: 26 Menschen haben bei einem Unfall in einem Hotelpool auf Mallorca eine Chlorvergiftung erlitten. Zehn von ihnen, darunter drei Kinder, seien zur Behandlung in Krankenhäuser gebracht worden, berichteten die Zeitung «Diario de Mallorca» und andere Medien am Dienstag unter Berufung auf den Notfalldienst Samu der spanischen Urlaubsinsel. Ein Siebenjähriger sei schwer verletzt worden, hieß es. Der Zwischenfall ereignete sich demnach am Montagmittag in einem Hotel in Port d'Alcúdia im Norden Mallorcas.

Unter den schwerer Betroffenen sei kein deutscher Tourist, sagte ein Samu-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Als Ursache des Unfalls wird nach Angaben der Hotelleitung ein technisches Problem bei der Chlorzufuhr vermutet. Der Hotelpool sei vorläufig gesperrt, nach rund zwei Stunden bei normalem Chlorwert wiedereröffnet worden.

Der Zustand der im Krankenhaus behandelten Patienten sei stabil, sagte ein Sprecher des Hospital Son Espases in der Inselhauptstadt Palma. Die Verletzten hätten über Juckreiz, Erbrechen, Atemwegsprobleme und ein Brennen in den Augen geklagt.


Frankreich holt Kinder und Mütter aus Lagern in Syrien zurück

PARIS: Frankreich hat 35 französische Kinder aus Lagern im Nordosten Syriens aufgenommen. Auch 16 Mütter wurden zurück nach Frankreich gebracht, wie das französische Außenministerium am Dienstag mitteilte. Die Kinder würden nun von Sozialdiensten betreut. Laut der Anti-Terrorstaatsanwaltschaft kamen acht der Frauen wegen eines Suchbefehls in Gewahrsam, gegen die anderen acht liegt demnach ein Haftbefehl vor. Auch ein fast erwachsener Jugendlicher kam laut Staatsanwaltschaft in Gewahrsam, da er verdächtigt wird, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein.

Auch Deutschland hat bereits mehrfach Frauen und Kinder aus dem Nordosten des Bürgerkriegslandes zurückgeholt. Das Gebiet wird von den syrischen Kurden kontrolliert. In dortigen Lagern sitzen noch immer Zehntausende frühere IS-Anhänger sowie deren Familienangehörige, oft unter katastrophalen humanitären Bedingungen.

Am bekanntesten ist das Lager Al-Hol, wo mehr als 50.000 Menschen leben. Etwa die Hälfte von ihnen sind nach UN-Angaben jünger als zwölf. Kritiker warnen, dass mit diesen Kindern die nächste Generation von Terroristen heranwachse. «Wenn man sie an einem Platz wie Al-Hol lässt, dann verurteilt man sie im Grunde dazu, keine Zukunft zu haben», sagte der UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Imran Riza. Gewalt gehört in Al-Hol zum Alltag. Allein seit etwa Anfang vergangenen Jahres gab es dort Riza zufolge mehr als 100 Morde.

Die Angehörigen-Organisation «Collectif des Familles Unies», die Verwandte von aus Syrien zurückgeholten Kindern in Frankreich zusammenbringt, lobte die Aktion. Gleichzeitig forderten sie, dass auch die weiteren französischen Kinder in Nordostsyrien so schnell wie möglich nach Frankreich geholt werden.


Nato-Staaten zeichnen Beitrittsprotokolle für Finnland und Schweden

BRÜSSEL: Vertreter der 30 Mitgliedstaaten der Nato haben die für die Aufnahme von Schweden und Finnland notwendigen Beitrittsprotokolle unterzeichnet. Das bestätigten mehrere Diplomaten am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Mit den Beitrittsprotokollen wird der Generalsekretär ermächtigt, Schweden und Finnland offiziell zur Mitgliedschaft einzuladen. Bevor sie in Kraft treten können, müssen sie allerdings noch von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden.

An diesem Verfahren ist meist auch das nationale Parlament beteiligt. Schätzungen zufolge könnte es deswegen noch sechs bis acht Monate dauern, bis Finnland und Schweden tatsächlich in das Bündnis aufgenommen werden können.


Sechs Tote bei Unfall mit Reisebus in der Türkei

ISTANBUL: Bei einem Unfall mit einem Reisebus in der Westtürkei sind sechs Menschen getötet worden. Darunter sei auch ein Kind, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag. 25 weitere Menschen seien verletzt worden. Der Unfall ereignete sich demnach in der Provinz Kirklareli nahe der bulgarisch-türkischen Grenze.

Der Bus sei auf dem Weg in die Mittelmeerstadt Bodrum gewesen in einen Graben gefahren und umgekippt. Weitere Hintergründe wurden zunächst nicht bekannt.


Mord an Crime-Reporter in Amsterdam: Zwei weitere Festnahmen

AMSTERDAM: Fast ein Jahr nach dem Mord am niederländischen Crime-Reporter Peter R. de Vries in Amsterdam haben Ermittler zwei weitere Verdächtige festgenommen. Ein 27 Jahre alter Mann sei auf der Karibikinsel Curacao gefasst worden und ein 26-Jähriger in Spanien, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Beide seien Niederländer. Über die Rolle der Männer im Mordfall wurde noch nichts mitgeteilt.

Inzwischen sind fünf Männer im Zusammenhang mit dem Mord an dem prominenten Reporter gefasst worden. Die beiden mutmaßlichen Täter waren kurz nach dem Anschlag festgenommen worden. Ihnen droht eine lebenslange Haftstrafe - das Urteil soll nächste Woche verkündet werden.

Am Montag war ein mutmaßlicher Hintermann gefasst worden. Ein 27 Jahre alter Pole soll nach Angaben der Anklage den Tätern auf einem verschlüsselten Handy direkte Anweisungen zum Mord erteilt haben. Der vorbestrafte Mann soll nach Medienberichten eine direkte Verbindung zu einer berüchtigten Drogenbande haben. Ermittler gehen davon aus, dass der Chef der Bande, Ridouan Taghi, Auftraggeber des Mordes war. De Vries war Vertrauensperson des Kronzeugen, der Taghi und seine Bande vor Gericht schwer belastet. Zuvor waren auch bereits der Bruder und der Anwalt des Kronzeugen ermordet worden.

Der populäre Reporter war am 6. Juli 2021 mitten in Amsterdam nach dem Verlassen eines TV-Studios niedergeschossen worden. Er erlag neun Tage später seinen schweren Verletzungen. Der Mord löste weit über die Grenzen des Landes Entsetzen aus.


Amoklauf in Kopenhagen: Junges Opfer war Mitarbeiter im Kino

KOPENHAGEN: Bei dem Amoklauf in Kopenhagen hat ein junger Kino-Mitarbeiter sein Leben verloren. Eines der beiden 17-jährigen Todesopfer war in dem Kino beschäftigt, das an das Einkaufszentrum angeschlossen ist, wie der Betreiber Nordisk Film Biografer am Dienstag auf Facebook mitteilte. «Wir sind tief berührt, und unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen.»

In dem Zentrum hatte ein Mann am Sonntag um sich geschossen und drei Menschen getötet sowie vier weitere durch Schüsse schwer verletzt. Zwei dänische 17-Jährige - ein Junge und ein Mädchen - und ein 47 Jahre alter in Dänemark lebender Russe waren ums Leben gekommen.

Die Kollegen des gestorbenen Teenagers bekämen psychologische Hilfe, hieß es in dem Facebook-Post. Alle Kinos des Betreibers im Land waren am Montag und Dienstag geschlossen - «aus Respekt für die Opfer, und um die Situation mit unseren Mitarbeitern zu besprechen». Das gesamte Einkaufszentrum, in dem sich der Angriff am Sonntag ereignet hatte, bleibt noch mindestens bis kommenden Montag geschlossen.

Den mutmaßlichen Täter, einen 22-jährigen Dänen, nahm die Polizei kurz nach der Tat fest. Nach einer gerichtlichen Anhörung am Montag soll er nach Hinweisen auf psychische Probleme zunächst in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.


Mehr als 130 Festnahmen bei Polizeigroßeinsatz gegen Schleuserbanden

DEN HAAG: Bei einem Großeinsatz gegen Schleuserbanden in 22 europäischen Ländern hat die Polizei mehr als 130 Verdächtige festgenommen. Das teilte die europäische Polizeibehörde Europol am Dienstag in Den Haag mit. Die Durchsuchungen fanden zwischen dem 6. und 13. Juni statt und richteten sich gegen Kriminelle, die Kinder schleusen.

Mehr als 22.000 Beamte führten Kontrollen auf See und an Land durch, unter anderem in Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Portugal, Schweden Nordmazedonien. An der Aktion nahmen auch die internationale Polizeibehörde Interpol und die europäische Grenzschutzbehörde Frontex teil. Nun werde gegen 60 neue Verdächtige ermittelt, hieß es.

Am frühen Dienstagmorgen durchsuchten Ermittler unter Leitung von Europol in einem anderen Fall von Schleuserkriminalität in fünf europäischen Ländern, darunter Deutschland, zahlreiche Objekte und nahmen Verdächtige fest.


Gletschersturz: Weitere Suche nach Opfern mit Drohnen und Helikopter

CANAZEI: Nach dem Gletscher- und Lawinenunglück in den Dolomiten wird die Suche nach weiteren Opfern seit Dienstagmorgen fortgesetzt. Wegen der Gefahr von weiteren Eis- und Felsabgängen beschränken sich die Arbeiten vorerst aber auf Überflüge des Gebietes mit Drohnen und Helikoptern, wie eine Sprecherin der Bergrettung schilderte.

Einsatzkräfte dürfen den Gletscherkegel nicht betreten. Nach dem Unglück vom Sonntag werden 13 Menschen vermisst. Sieben Tote wurden bestätigt. Zudem gab es acht Verletzte, darunter zwei Deutsche, die in einer Klinik der Provinz Belluno liegen.

Die Bergretter befürchten, dass es Wochen oder sogar noch länger dauern könnte, bis alle Toten unter den Eis- und Geröllmassen lokalisiert und geborgen werden. Die Lawine, die am Sonntagmittag etliche Alpinisten erfasst hatte, habe sich inzwischen festgesetzt und sei sehr hart geworden. Graben könne man nur mit technischem Gerät, was aber unter diesen Umständen nicht an Ort und Stelle gebracht werden könne, sagte Bergrettungschef Maurizio Dellantonio.


Autohersteller: Gute Lage - schlechtere Aussichten

MÜNCHEN: Die deutschen Autohersteller beurteilen ihre aktuelle Situation wieder besser, blicken aber skeptischer in die Zukunft. Der vom Münchner Ifo-Institut erstellte Indikator für die aktuelle Lage der Autobauer stieg im Juni um 5,8 auf 23,6 Punkte, wie die Wirtschaftsforscher am Dienstag mitteilten. «Die Autohersteller können weiterhin hohe Verkaufspreise durchsetzen», sagte Ifo-Experte Oliver Falck. Zudem bewerteten sie den Auftragsbestand positiver und hofften, die Produktion in den kommenden Monaten auszuweiten. Sogar neues Personal soll eingestellt werden.

Der Blick in die Zukunft ist allerdings deutlich skeptischer: Der Indikator der Erwartungen fiel um 31,5 Punkte auf 9,8. «Das EU-Parlament hat für das Verbrenner-Aus in Europa im Jahre 2035 gestimmt. Ford hat sich gegen den Produktionsstandort Saarlouis entschieden und wird Elektroautos in Valencia produzieren. Und es herrscht weiterhin ein großer Mangel an wichtigen Vorprodukten. Das alles drückt die Erwartungen», sagte Falck.

Bei den Zulieferern ist die Stimmung deutlich schlechter: Der Index für die aktuelle Lage sank um 5,6 Punkte auf 2,5, der für die Aussichten um 14,1 auf minus 33,1. Bei ihnen ist der Auftragsbestand gesunken, und sie erwarten, die Produktion einzuschränken.


Kampf mit den Flammen - drei große Brände

ATHEN: Hunderten Feuerwehrleuten und freiwilligen Helfern ist es in der Nacht zu Dienstag gelungen, drei große Waldbrände in Griechenland zum Teil unter Kontrolle zu bringen. «Die Gefahr bleibt jedoch groß», sagte ein Sprecher der Feuerwehr im Staatsfernsehen (ERT). Mit dem ersten Tageslicht wudren Löschflugzeuge und Hubschrauber im Kampf gegen die Brände eingesetzt, fügte er hinzu.

Am Vorabend mussten mehrere Dörfer im Raum der kleinen Hafenstadt Itea evakuiert werden. In der Region der Kleinstadt Amfissa erfassten und zerstörten die Flammen zahlreiche Olivenbäume. Auf der Halbinsel Peloponnes musste ein Hotel nahe Kranidi evakuiert werden, berichtete der staatliche Rundfunk weiter.

Die Brände seien nach Angaben der Meteorologen wegen der lang anhaltenden Dürre und der hohen Temperaturen ausgebrochen und wurden durch starke Winde angefacht. In Südeuropa haben die Wahrscheinlichkeit von Bränden und die verbrannten Flächen wegen des Klimawandels zugenommen.

Einige Bürgermeister der betroffenen Regionen sagten Reportern, Brandstifter und Bodenspekulanten seien am Werk gewesen. Es seien umfangreiche Ermittlungen eingeleitet worden, berichtete das Staatsfernsehen.


Militärs aus Diktaturzeit wegen Todesflügen verurteilt

BUENOS AIRES: In Argentinien sind vier ehemalige Militärangehörige wegen der sogenannten Todesflüge während der letzten Diktatur (1976-83) zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das berichtete die argentinische Nachrichtenagentur Telam unter Berufung auf ein Gericht in San Martín bei Buenos Aires am Montagabend (Ortszeit). Demnach handelte es sich bei den wegen Freiheitsberaubung, Folter und Mordes Verurteilten um einen General, einen Kommandeur sowie zwei weitere Offiziere.

Die Militärs ließen bei der Jagd auf Bürger, die sie linker Ideen verdächtigten, nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen «verschwinden» und umbringen. Bei den «Todesflügen» wurden etwa in der berüchtigten Marine-Schule ESMA in Buenos Aires und in der Militärgarnison Campo de Mayo in einem Vorort der Hauptstadt Tausende gefangene Oppositionelle betäubt aus Marineflugzeugen in den La-Plata-Fluss geworfen.

Dem Nationalen Sekretariat für Menschenrechte zufolge handelte es sich nun um den ersten Prozess wegen «Todesflügen» in der Armee. «In der Debatte konnte anhand von Zeugenaussagen die Funktionsweise dieser geplanten und systematischen Maschinerie nachgewiesen werden, mit der Tausende von Menschen verschwanden und eliminiert wurden», hieß es in einem Tweet des Menschenrechtssekretariats.

Im Jahr 2017 waren im größten Prozess der argentinischen Geschichte 48 ehemalige Militärs wegen Menschenrechtsverletzungen zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Damals wurde der Einsatz der sogenannten Todesflüge durch die Marine als erwiesen angesehen.

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