Thais jagen und töten keine Tokays. Da sind der Aberglaube und überlieferte Legenden vor. Ältere Menschen lehren die Jugend, keine Angst vor den kleinen Echsen zu haben. Denn sie sollen den Hausbewohnern Frieden, Liebe und Harmonie bringen.
Die Tiere sind beissfreudig, aber nur dann, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen. Einmal verbissen, lässt das Reptil so schnell nicht mehr los. Doch normalerweise tun sie den Menschen nichts. Deshalb gibt es auch keinen Grund, sich zu fürchten, wenn man einen Tokay in seinem Haus antrifft. Und man braucht auch keine Angst davor zu haben, von einem Tokay angesprungen zu werden. Das will das Tier auf keinen Fall, jedenfalls nicht mit Vorsatz. Der Biss eines Tokays mag für Menschen schmerzhaft sein, ist aber auf keinen Fall gefährlich. Es kann aber Tage dauern, bis die Wunde verheilt.
Der Tokay (auch Tokeh oder Tokee geschrieben) ist vorwiegend in Indien, Südchina, Indochina, Indonesien und auf den Philippinen beheimatet. In der Regel lebt er in Ruinen und Mauern alter Gebäude, aber auch Baumstümpfe der tropischen Regenwälder gehören zum Lebensraum. Der Tokay gehört zur Familie der Geckos, kann bis 35 cm lang werden und ist ein nachtaktiver Jäger. Tagsüber sitzt er in Spalten und Nischen im Schatten. Die Grundfarbe ist grau mit vielen orangefarbenen Punkten und Flecken. Die Echse hat einen kräftigen Kopf, ein breites Maul und verfügt über starke Kiefer.
In Thailand sind 38 Arten von Geckos bekannt. Die meisten von ihnen leben in Wäldern. Der Tokay ist eine der wenigen Arten, die auch in menschlichen Ansiedlungen anzutreffen sind. Zu den anderen Arten, mit denen die Menschen in Thailand familiär sind, gehören der wesentlich kleinere Hausgecko mit dem schmalen Schwanz (auf Thai: Ching-Chok Hang-Nam) sowie der Hausgecko mit dem flachen Schwanz (Ching-Chok Hang-Baen).
Im Unterschied zu ihnen zeigen die Tokays keinerlei Interesse an kleineren Insekten. Sie jagen Nachtfalter und andere Opfer, die mindestens einen Zentimeter lang sein müssen. Sie fressen auch den kleineren Ching-Chok, wenn sie ihn denn zu fassen bekommen.
Es gibt weitere Unterschiede im Jagdverhalten zwischen Tokay und Ching-Chok. So liebt es der Tokay nicht, sich an gut erleuchteten Plätzen aufzuhalten. Stattdessen lauert er lieber an schattigen Stellen von Wand oder Decke und schnappt von dort aus nach Insekten, die sich in Jagddistanz befinden. Sobald der Tokay den Falter erbeutet hat, zieht er sich wieder in die Dunkelheit zurück, um dort zu fressen.
Tokays sind bodenständig und leben und jagen allein. Als Paare sieht man sie nur während der Brutzeit. Ihren bekannten und lauten Ruf benutzen die Männchen zum Anlocken eines Geschlechtspartners oder als Warnung an Artgenossen, sich nicht auf einen Streit um Beute und den dann unvermeidlichen Kampf einzulassen. Nach einem "Knurren ertönt ein lautes "Tokay. Diese Rufe sind verhältnismässig laut und können, da sie meist nachts ertönen, Hausbewohner aus dem Schlaf reissen. Ausländer, zumal Touristen, die das erste Mal den lautstarken Ruf der scheuen Echse hören, schrecken ängstlich zusammen. So mancher Hotelgast, der auf ein grösseres Tier in oder vor seinem Zimmer tippt, steht dann nachts an der Rezeption und bittet um Hilfe.
Wenn ein männlicher Tokay auf einen anderen trifft, bedrohen sie sich gegenseitig, indem sie mit ihren Schwänzen auf die Fläche schlagen, an der sie gerade hängen. Sehr schnell wird einer der beiden erkennen, dass der andere stärker ist und sich aus dem Staub machen. Tokays suchen nach Möglichkeit Kämpfe zu vermeiden. Wenn man einen mit einem Stock berührt, läuft das Tier nicht davon. Im Gegenteil, die Echse wird versuchen, zurück zu beissen. Und wenn es ihr gelingt, die Spitze des Stockes oder gar eines Fingers zu erwischen, wird sie nicht so leicht loslassen. Je mehr man versucht, den Tokay abzuschütteln, umso fester beisst er zu. Besser ist es, ruhig stehen zu bleiben und zu warten, bis er irgendwann den Mund öffnet. Man kann es auch mit einer Zange oder anderem Werkzeug versuchen, aber es wird mit Sicherheit ein hartes Stück Arbeit. Wer also einen Tokay fangen möchte, muss mit schmerzhaften Erfahrungen rechnen.
Tokays sind in der Lage, an Wänden rauf und runter und sogar über die Zimmerdecke zu laufen. Das verdanken sie mikroskopisch kleinen Haken an ihren Füssen (Haftlamellen); die sich an den kleinsten Unebenheiten von Wand und Decke festklammern können. Wie die Schlangen besitzen Tokays und viele andere Geckos keine Augenlider und können daher nicht blinzeln. Stattdessen besitzen die Augen eine transparente Schutzschicht. Tokays legen Eier mit einer besonders harten Schale. Sie stecken sie in entlegenen Ecken des Grundstückes oder Hauses in feste Oberflächen. Beide Eltern bewachen die Eier, bis der Nachwuchs ausgeschlüpft ist.