Nachrichten aus der Wirtschaft am Samstag

Die belarussische Oppositionsführerin Svetlana Tichanovskaya in Amsterdam. Foto: epa/Volodymyr Petrov
Die belarussische Oppositionsführerin Svetlana Tichanovskaya in Amsterdam. Foto: epa/Volodymyr Petrov

Belarus: Tichanowskaja will Lukaschenkos Zugang zu IWF-Geld stoppen

MINSK: Im Kampf gegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus hat die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja den Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Stopp finanzieller Hilfen für den Machtapparat in Minsk aufgefordert. In einem Brief an IWF-Chefin Kristalina Georgiewa verlangte Tichanowskaja, Lukaschenkos «Regime» den Zugang zu den Mitteln zu verwehren. Demnach will das von der EU und den USA mit Sanktionen belegte Land aktuell ein Sonderziehungsrecht (SDR) beim IWF von einer Milliarde US-Dollar (rund 860 Millionen Euro) beanspruchen.

Die Blockade der Mittel solle gelten, bis neue freie Präsidentenwahlen abgehalten würden. «Das ist die Haltung aller demokratischen Kräfte in Belarus», sagte Tichanowskaja am Samstag. Die IWF-Mittel seien nicht für den Machtapparat, sondern für die Bevölkerung. Tichanowskaja warnte davor, dass das Geld für weitere Repressionen gegen Andersdenkende genutzt werde und so zur Stabilisierung des Systems beitragen könne.

Die im Exil in der EU lebende Politikerin dankte US-Senator Bob Menendez für seine Unterstützung. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat hatte am Freitag einen Brief an US-Präsident Joe Biden geschrieben mit der Bitte, sich für eine Blockierung der Mittel einzusetzen, indem der IWF Lukaschenkos Führung nicht mehr als rechtmäßig anerkenne.

Menendez argumentierte, dass die EU und die USA gemeinsam auch mit Sanktionen auf den Machtapparat in Belarus Druck ausübten. Eine Freigabe der IWF-Mittel laufe diesen Bemühungen zuwider, hieß es. Bisher kann Belarus vor allem auf Finanzhilfen Russlands setzen. Präsident Wladimir Putin hat dem als «letzten Diktator Europas» kritisierten Lukaschenko immer wieder Unterstützung zugesichert.


Kuba lässt weitere selbst entwickelte Corona-Impfstoffe zu

HAVANNA: Kuba hat einen zweiten und dritten selbst entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Die Kombination von zwei Dosen des Vakzins Soberana 02 und einer Dosis Soberana Plus hatte nach Regierungsangaben in der Testphase III mit einer Effektivität von 91,2 Prozent symptomatische Erkrankungen verhindert. Das staatliche Zentrum für die Kontrolle von Medikamenten und medizinischen Geräten (Cecmed) teilte am Freitag mit, es habe eine Notfallzulassung erteilt. Soberana 02 war gemeinsam von Einrichtungen in Kuba und im Iran entwickelt worden. Im Iran hat das Mittel unter dem Namen Pasteurcovac bereits die Notfallzulassung erhalten.

Am 9. Juli war das kubanische Vakzin Abdala als erster in Lateinamerika entwickelter Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen geworden. Bei Abdala wie auch den Soberana-Mitteln handelt es sich um sogenannte Untereinheitenimpfstoffe aus aufbereiteten Proteinen des Erregers. Kuba verfügt über viel Erfahrung bei der Entwicklung von Impfstoffen. Die Studienergebnisse zu den kubanischen Corona-Vakzinen wurden bislang aber nicht unabhängig geprüft.

Der sozialistische Karibikstaat durchläuft seit einigen Wochen die Phase mit den meisten täglich bestätigten Infektionen und Todesfällen seit Beginn der Pandemie. Er gehörte in den vergangenen Tagen zu den Ländern mit den meisten Corona-Todesopfern pro Einwohner. Auch macht sich die tiefe Wirtschaftskrise, in der das Land steckt, im Gesundheitssektor deutlich bemerkbar - es fehlt an Medikamenten und Ausrüstung. Dies war einer der Auslöser außergewöhnlicher Massenproteste gegen die Regierung am 11. Juli.


Brandgefahr: E-Auto-Rückruf brockt GM Kosten in Milliardenhöhe ein

DETROIT/WASHINGTON: Das Debakel um Feuergefahr bei Elektrofahrzeugen vom Typ Chevrolet Bolt EV kommt den größten US-Autobauer General Motors (GM) immer teurer zu stehen. Das Unternehmen teilte am Freitag mit, dass nun alle Bolt-EV-Modelle zurückgerufen werden müssen - auch die der neuesten Jahrgänge.

Zu den bereits zuvor zur Reparatur beorderten knapp 69.000 E-Autos der Baujahre 2017 bis 2019 kommen somit etwa 73.000 neuere Modelle hinzu. Die zusätzlichen Kosten bezifferte der Hersteller auf rund eine Milliarde Dollar (etwa 850 Mio Euro). Der Großteil der betroffenen Fahrzeuge wurde in den USA verkauft, der Rest in Kanada.

Die US-Verkehrsbehörde NHTSA warnte Besitzer bereits wiederholt, die Autos wegen des Risikos von Batteriebränden nicht in Garagen oder in der Nähe von Häusern abzustellen. Für GM ist die Angelegenheit äußerst kostspielig - im jüngsten Quartal hatten Bolt-EV-Rückrufe dem Konzern bereits 800 Millionen Dollar an Kosten verursacht.

GM hatte bereits im November 2020 erstmals einen Rückruf gestartet, um das Problem zu beheben. Die US-Verkehrsaufsicht warnte danach aber erneut vor Feuergefahr. Trotz bereits vorgenommener Reparaturen gab es laut NHTSA weitere Fälle, in denen Bolt-Modelle in Brand gerieten. Die Batterien stammen von LG aus Südkorea.

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