Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0674

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0674 (Montag: 1,0632) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9368 (0,9405) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86050 (0,86328) britische Pfund, 165,23 (164,51) japanische Yen und 0,9724 (0,9693) Schweizer Franken fest.


Umfrage: Deutsche Wirtschaft zeigt «Frühlingsgefühle»

LONDON: Die deutsche Wirtschaft ist nach einem monatelangen Hänger einer Umfrage zufolge wieder auf Wachstumskurs. Der vom Finanzdienstleister S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister zusammen stieg im April auf 50,5 Punkte nach 47,7 Zählern im März, wie S&P Global am Dienstag in London mitteilte. Der Composite PMI genannte Indikator bewegte sich damit erstmals seit zehn Monaten wieder über der 50-er Marke und signalisierte den Angaben zufolge leichtes Wachstum.


IG BAU nimmt Schlichterspruch an und droht mit Streik

FRANKFURT/MAIN: Im Tarifkonflikt des deutschen Bauhauptgewerbes mit rund 930.000 Beschäftigten hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt den Schlichterspruch angenommen. Die Gewerkschaft forderte am Dienstag die Arbeitgeber ebenfalls zur Annahme auf und drohte anderenfalls mit Streiks. Gewerkschaftschef Robert Feiger erklärte laut einer Mitteilung: «Es kann dann nur wieder teurer für die Baufirmen werden, denn wir streiken nicht für den Schlichterspruch. Wir streiken dann wieder für unsere ursprüngliche Forderung: 500 Euro mehr pro Monat über alle Lohngruppen hinweg mit einer Laufzeit von zwölf Monaten.»


Tesla will 400 Stellen im Werk in Grünheide abbauen

GRÜNHEIDE: Der weltweit geplante Stellenabbau bei Tesla betrifft auch hunderte Jobs im einzigen europäischen Werk des US-Elektroautobauers in Grünheide bei Berlin. Das Unternehmen kündigte am Dienstag in einer Mitteilung den Abbau von 400 Stellen an. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, plant das Unternehmen dazu ein «Freiwilligenprogramm» für die Mitarbeitenden. Zur Umsetzung dieses Programms würden Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. Details nannte Tesla zunächst nicht.


Netz der Apotheken dünnt weiter aus

POTSDAM: Das Netz der Apotheken in Deutschland dünnt weiter aus. Ende März gab es bundesweit noch 17.429 Apotheken, wie aus Daten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände von Dienstag hervorgeht. Seit Ende vergangenen Jahres waren es damit weitere 142 Standorte weniger - und der Rückgang in diesem Quartal war stärker als im ersten Quartal 2023 mit einem Minus von damals 129 Apotheken. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen bis zu drei betrieben werden können. Die Branche forderte wegen einer angespannten Finanzlage vieler Apotheken erneut lange ausgebliebene Honorar-Anhebungen.


Bauministerin: Innenstädte brauchen vielfältigere Angebote

BERLIN: Bundesbauministerin Klara Geywitz hat sich für mehr Vielfalt in den deutschen Innenstädten ausgesprochen. «Monokulturen sind anfällig für Krisen. Das gilt nicht nur für die Fichten im Harz, sondern auch für den Immobilienmarkt und die Innenstadtentwicklung», sagte die SPD-Politikerin am Dienstag bei einem Kongress zum Thema Handelsimmobilien in Berlin. «Vielfältigere Angebote und Nutzungsmöglichkeiten bringen dagegen Stabilität - es ist auch das, was die meisten Menschen sich wünschen», sagte Geywitz.


Tausende Geschäftsschließungen - Handel warnt vor «Geisterstädten»

BERLIN: Leerstände, Insolvenzen, Konsumflaute: Angesichts der schwierigen Situation bei Einzelhändlern und in vielen Innenstädten fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) die Bundesregierung zu einem Innenstadtgipfel auf. «Wenn der Einzelhandel geht, stürzen ganze Innenstädte. Wenn die Menschen keinen Anlass mehr für einen Innenstadtbesuch haben, dann drohen Geisterstädte. Das hat enorme Konsequenzen. Für die Wirtschaft, das Lebens- und Heimatgefühl der Menschen und auch für die gesamte Gesellschaft», sagte HDE-Präsident Alexander von Preen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.


Europaparlament stimmt für «Recht auf Reparatur»

STRAßBURG: Kühlschränke, Handys, Staubsauger - wenn solche Geräte kaputtgehen, muss der Hersteller sie unter Umständen künftig reparieren. Eine große Mehrheit der Europaabgeordneten stimmte am Dienstag in Straßburg für das sogenannte Recht auf Reparatur. Damit soll gewährleistet werden, dass bestimmte Produkte länger genutzt werden und weniger Müll produziert wird. Derzeit ist es oft günstiger, sich ein neues Produkt zu kaufen, als das alte reparieren zu lassen. Das soll sich ändern. Die Liste an Produkten, die vom «Recht auf Reparatur» erfasst sind, kann von der EU-Kommission erweitert werden.


Europaparlament gibt grünes Licht für neue EU-Schuldenregeln

STRAßBURG: Das Europäische Parlament hat den Weg für neue Regeln für Haushaltsdefizite und Staatsschulden in der EU freigemacht. Die Abgeordneten stimmten am Dienstag in Straßburg mehrheitlich einem umstrittenen Kompromiss für die Reform des sogenannten Stabilitäts- und Wachstumspakts zu. Demnach sollen künftig etwa klare Mindestanforderungen für das Senken von Schuldenstandsquoten für hoch verschuldete Länder gelten. Gleichzeitig soll bei EU-Zielvorgaben die individuelle Lage von Ländern stärker berücksichtigt werden.


Lindner: Wir haben eine ausgeprägte Wachstumsschwäche

BERLIN: Finanzminister Christian Lindner hat der deutschen Wirtschaft eine «ausgeprägte Wachstumsschwäche» attestiert. «Meine Sorge ist die Entwicklung der privaten Wirtschaft. Die Wachstumsperspektive unseres Landes ist nicht intakt», sagte der FDP-Politiker in einer am Dienstag auf dem Bankentag in Berlin ausgestrahlten Videobotschaft. Das liege zum einen an der schwachen Weltkonjunktur, aber auch an Strukturproblemen. Die Rahmenbedingungen für private unternehmerische Investments in Deutschland müssten besser werden.

Lindner skizzierte erneut sein Konzept für eine «Wirtschaftswende»: Es gebe einen Fach- und Arbeitskräftemangel, es müssten mehr Stunden gearbeitet werden. Ein Anreiz dafür könne sein, Überstunden steuerlich besserzustellen. Für die Unternehmen sei die Steuerbelastung mit 30 Prozent ebenfalls zu hoch, das bremse Investitionen in Deutschland. Hier rücke eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags in den Blick, den aktuell noch die oberen zehn Prozent der Steuerzahler, darunter viele Firmen zahlen.

«Es ist nicht der Staat, der die Wirtschaft subventionieren kann und sollte, sondern es ist eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft, die dem Staat die Mittel zur Verfügung stellt, damit er seine öffentlichen Zwecke verfolgt», betonte Lindner. All die sozialen und ökologischen Vorhaben seien nur mit einer stabilen wirtschaftlichen Dynamik realisierbar.


Scholz pocht auf schnelle Reformen im EU-Finanzsektor

BERLIN: Bundeskanzler Olaf Scholz hat erneut für schnelle Reformen des EU-Finanz- und Bankensektors geworben. «Wir wollen mehr gemeinsame Steuerstandards. Wir wollen eine stärkere Harmonisierung der Kapitalmarktaufsicht», sagte der SPD-Politiker am Dienstag auf dem Bankentag des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin. Das Insolvenzrecht müsse in der EU stärker harmonisiert werden. Außerdem sollten Privatanleger Zugang zu einer breiteren Palette von Finanzprodukten erhalten.

Um privates Kapitel für Investitionen zu mobilisieren, müsse die EU-Kapitalmarktunion kommen, betonte der Kanzler. Zu all dem arbeite er zusammen mit der französischen Regierung an Vorschlägen. Auch die EU-Bankenunion müsse vollendet werden, um einen gemeinsamen Markt für Bankdienstleister und bessere Rahmenbedingungen für grenzüberschreitend tätige Banken zu erreichen, sagte Scholz.


Harter Sparkurs: Argentiniens Präsident Milei verkündet Überschuss

BUENOS AIRES: Rund vier Monate nach seinem Amtsantritt hat Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei den ersten Haushaltsüberschuss in einem Quartal seit über 15 Jahren verkündet. Allein im März habe der Überschuss rund 276 Milliarden Peso (294 Mio Euro) betragen, sagte Milei am Montag in einer Fernsehansprache. «Das ist das erste Quartal mit einem Haushaltsüberschuss seit 2008, ein Meilenstein, auf den wir alle stolz sein sollten, insbesondere angesichts des katastrophalen Erbes, das wir zu bewältigen hatten.»

Argentinien steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Regierung in Buenos Aires hatte zuletzt Tausende Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen, Subventionen gekürzt und Sozialprogramme abgewickelt. Die Inflationsrate ist mit 280 Prozent zwar immer noch eine der höchsten der Welt, allerdings ging sie in den vergangenen Monaten deutlich zurück. Kritiker bemängeln jedoch, dass Milei mit seinem harten Sparkurs zahlreiche Menschen in die Armut stürzt und beispielsweise mit den Kürzungen im Bildungssektor die Zukunft des Landes auf das Spiel setzt.

«Ich möchte allen Argentiniern sagen, dass ich verstehe, dass die Situation, in der wir uns befinden, hart ist, aber auch, dass wir bereits mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt haben», sagte Milei. «Dies ist die letzte Etappe einer heroischen Anstrengung, die wir Argentinier unternehmen, und zum ersten Mal seit langer Zeit wird sich diese Anstrengung lohnen.»

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