Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Im Weißen Haus spricht Biden über den amerikanischen Rettungsplan. Foto: epa/Jim Lo Scalzo
Im Weißen Haus spricht Biden über den amerikanischen Rettungsplan. Foto: epa/Jim Lo Scalzo

Biden wirbt in krisengeplagter Stadt für sein Infrastrukturprogramm

LAKE CHARLES/WASHINGTON: In einer der krisengeplagtesten Städte der USA hat Präsident Joe Biden für seine geplanten Infrastruktur-Investitionen geworben. Biden besuchte am Donnerstag die Stadt Lake Charles im US-Bundesstaat Louisiana, die innerhalb eines Jahres neben der verheerenden Corona-Pandemie auch von drei schweren Stürmen getroffen und verwüstet worden war. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte kürzlich gesagt, Lake Charles sei wohl «die am stärksten von Katastrophen heimgesuchte Stadt in dem katastrophalsten Jahr» der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten.

Biden möchte in den kommenden Jahren gewaltige Summen in die Infrastruktur des Landes pumpen und betonte am Donnerstag in Lake Charles, dies sei nicht zuletzt nötig, um Straßen und Brücken widerstandsfähiger gegen Stürme und andere Naturkatastrophen zu machen. Es gehe aber auch darum, Millionen Jobs zu schaffen und das Land wieder wettbewerbsfähiger zu machen. «Wir können es uns nicht leisten, es nicht zu tun», sagte Biden.

Der Demokrat will in den kommenden acht Jahren mit Ausgaben in Höhe von rund zwei Billionen US-Dollar (1,7 Billionen Euro) die Infrastruktur des Landes erneuern und damit Millionen Arbeitsplätze schaffen. Sein Plan sieht unter anderem die Modernisierung von mehr als 30.000 Kilometern Straßen, 10.000 Brücken, mehreren Flughäfen sowie Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und die Elektromobilität vor. Finanziert werden soll das vor allem durch eine Erhöhung der Unternehmenssteuer.

Für eine Verabschiedung dürfte Biden im Senat jedoch auf die Zustimmung von etwa zehn Republikanern angewiesen sein - ob dies gelingt, ist mindestens fraglich. Nach Umfragen unterstützt eine Mehrheit der Amerikaner ein Investitionspaket. Das will Biden nutzen, um einige Republikaner umzustimmen. Der republikanische Bürgermeister von Lake Charles, Nic Hunter, unterstützt Bidens Vorschläge.


Bundesregierung steht Freigabe von Impfpatenten skeptisch gegenüber

BERLIN: Die Bundesregierung steht einer Freigabe von Impfstoff-Patenten skeptisch gegenüber. «Der Schutz von geistigem Eigentum ist Quelle von Innovation und muss es auch in Zukunft bleiben», sagte eine Regierungssprecherin der «Süddeutschen Zeitung» am Donnerstag. Der limitierende Faktor bei der Herstellung von Impfstoffen seien die Produktionskapazitäten und die hohen Qualitätsstandards, nicht die Patente an sich. Die Bundesregierung arbeite in vielerlei Hinsicht daran, «wie wir innerhalb Deutschlands und innerhalb der Europäischen Union, aber auch weltweit die Kapazitäten für die Produktion verbessern können und dies tun auch die betroffenen Unternehmen», so die Sprecherin.

Die US-Regierung hatte vorgeschlagen, dass der Patentschutz von Pharmafirmen auf ihre Corona-Impfstoffe vorübergehend entfallen soll. Hersteller in aller Welt könnten dann die Impfstoffe produzieren, ohne Lizenzgebühren an die Unternehmen zu zahlen, die die Mittel entwickelt haben. Die Pharmafirmen lehnen den Vorschlag ab.

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kritisierte den Vorstoß aus Washington. «Nur ein Patent freizugeben, sorgt noch für keine einzige zusätzliche Impfdose», sagte er dem «Spiegel». «Das Patent allein reicht nicht. Man muss auch wissen, wie produziert werden soll.»

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) blieb zunächst vage. «Die ganze Welt mit Impfstoff zu versorgen, ist der einzig nachhaltige Weg aus dieser Pandemie», sagte er. Entscheidend seien vor allem der weitere Ausbau von Produktionsstätten und mehr Exporte aus Ländern, in denen produziert werde. Dagegen zeigte sich Außenminister Heiko Maas offener für eine Aufweichung des Patentschutzes. «Wenn das ein Weg ist, der dazu beitragen kann, dass mehr Menschen schneller mit Impfstoffen versorgt werden, dann ist das eine Frage, der wir uns stellen müssen», sagte der SPD-Politiker.


Euro legt merklich zu

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag merklich zugelegt. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,2072 US-Dollar. Im frühen Handel hatte sie noch bei 1,20 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2060 (Mittwoch: 1,2005) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8292 (0,8330) Euro.

Starke Konjunkturdaten aus der deutschen Industrie haben den Euro gestützt. Die Industrie hat im März deutlich mehr Aufträge erhalten als erwartet. Auch die Erwartungen von Analysten wurden übertroffen. In der Eurozone sind zudem die Einzelhandelsumsätze im März stärker als erwartet gestiegen. Besonders deutlich waren die Zuwächse im Versandhandel, der von der Krise profitierte.

Robuste Daten vom US-Arbeitsmarkt bewegten den Devisenmarkt kaum. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind stärker gefallen als erwartet und haben das niedrigste Niveau seit Beginn der Corona-Krise in den USA erreicht. Der Arbeitsmarkt profitiert von Fortschritten bei den Impfungen und der zunehmenden Aufhebung von Beschränkungen. Zudem ist die Produktivität der US-Wirtschaft im ersten Quartal deutlich gestiegen

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86708 (0,86274) britische Pfund, 131,69 (131,20) japanische Yen und 1,0953 (1,0965) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1814 Dollar gehandelt. Das war rund 26 Dollar mehr als am Vortag.


Deutsche Pharma-Firmen lehnen Patentfreigabe ab

BERLIN/MAINZ: Deutsche Pharma-Firmen lehnen es ab, Impfstoffpatente vorübergehend freizugeben. «Zur Überwindung der Pandemie bringen Patentfreigaben gar nichts», teilte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller am Donnerstag mit. Niemand könne in weniger als sechs Monaten eine Produktion hochziehen. «Und im nächsten Jahr werden die jetzigen Hersteller schon nach heutigem Planungsstand mehr Impfstoff-Dosen produzieren, als die Weltbevölkerung benötigt», sagte Verbandspräsident Han Steutel.

Zuletzt hatte die US-Regierung vorgeschlagen, dass Pharmafirmen vorübergehend den Patentschutz auf ihre Corona-Impfstoffe verlieren. Hersteller in aller Welt könnten dann die Impfstoffe produzieren, ohne Lizenzgebühren an die Unternehmen zu zahlen, die die Mittel entwickelt haben.

Ähnlich skeptisch wie der Verband reagierte am Donnerstag auch der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech. «Der Herstellungsprozess von mRNA ist ein komplexer Prozess, der über mehr als ein Jahrzehnt entwickelt wurde», teilte das Unternehmen mit. Es brauche erfahrenes Personal und Rohmaterialien, die beschafft und für die Verwendung qualifiziert werden müssten. Wenn eine dieser Anforderungen nicht erfüllt sei, könnten Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs weder vom Hersteller noch vom Entwickler gewährleistet werden. «Dies könnte die Gesundheit der Geimpften gefährden.»

Zudem bestehe die Gefahr, dass einige der begrenzten und wichtigen Rohstoffe nicht effizient genutzt würden, wodurch die Menge der Impfstoffdosen, die in «etablierten Produktionsnetzwerken» hergestellt würden, reduziert werde, argumentierte Biontech. Patente seien nicht der begrenzende Faktor für die Produktion und Versorgung mit Impfstoff. «Sie würden kurz- und mittelfristig die weltweite Produktion und Versorgung mit Impfstoffdosen nicht erhöhen.»


Dax schwächelt wieder - Anleger bleiben nervös

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat seine Erholung im Handelsverlauf am Donnerstag abgebrochen. Das deutsche Börsenbarometer drehte nach freundlichem Start in die Verlustzone und gab am Nachmittag um 0,26 Prozent auf 15.132,06 Punkte nach. Der MDax verlor 0,93 Prozent auf 32.232,92 Punkte. Der Eurozonen-Index EuroStoxx sank um 0,38 Prozent. Der Euro legte im Tagesverlauf zu und kostete am Nachmittag 1,2059 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,2005 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,29 Prozent am Vortag auf minus 0,30 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 144,54 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,05 Prozent auf 170,50 Punkte.


Ifo-Institut: Bis zu 221.000 Stellen in der Autobranche auf der Kippe

MÜNCHEN: Rund 613.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen nach einer Studie des Ifo-Instituts am Bau von Benzin- und Dieselautos. Mit dem Hochlauf der Elektromobilität stünden 2025 «zwischen 29 Prozent und 36 Prozent der betroffenen Beschäftigten zur Disposition», also bis zu 221.000 Beschäftigte, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Ifo-Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Auch wenn etwa 86.000 von ihnen bis dahin in Rente gehen könnten, bleibe eine große Lücke.


Modehändler Zalando: Kein Ende des Online-Booms in Sicht

BERLIN: Der Online-Modehändler Zalando rechnet trotz sinkender Infektionszahlen mit einem anhaltenden Online-Boom im Modehandel. Der Nachfragetrend hin zu Online habe sich in der Krise beschleunigt und sei definitiv noch nicht am Ende, sagte Finanzchef David Schröder am Donnerstag. Nachdem das Unternehmen zu Beginn der Krise zunächst schwächelte, wächst es seither rasant. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um fast 47 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Netto verdiente Zalando 34,5 Millionen Euro. Neben der hohen Nachfrage spielten auch geringere Retouren dem Berliner Unternehmen in die Karten. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 86,4 Millionen Euro angefallen.


Post-Chef deutet Erhöhung des Briefportos zum Jahreswechsel an

BONN: Das Briefporto könnte zum Januar 2022 erneut steigen. Der Chef der Deutschen Post, Frank Appel, machte am Donnerstag deutlich, dass der Konzern höhere Portopreise beantragen werde. Über den Spielraum entscheide zwar die Bundesnetzagentur. Mit Blick auf die seit Jahren rückläufigen Briefmengen betonte Appel bei der Online-Hauptversammlung in Bonn: «Wenn man sinkende Mengen hat, hat man natürlich steigende Kosten pro Sendung.» Zudem verwies Appel darauf, dass ein Standardbrief in Deutschland 80 Cent koste - und damit deutlich unter dem europäischen Schnitt von 1,16 Euro liege.


Microsoft bietet Datenverarbeitung in Europa an

REDMOND: Microsoft hat eine weitreichende Produktoffensive gestartet, um auf Datenschutzbedenken in Europa einzugehen. Kunden des Softwaregiganten in der Europäischen Union sollen künftig ihre Daten bei Microsoft ausschließlich in der EU verarbeiten und speichern lassen können. «Wir werden Ihre Daten nicht außerhalb der EU verschieben müssen», kündigte Microsoft-Präsident Brad Smith am Donnerstag an. Microsoft reagiert damit auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Datenaustausch zwischen den USA und Europa.


VW streift Corona-Folgen weiter ab - Elektronik bleibt Risikofaktor

WOLFSBURG: Der Volkswagen-Konzern lässt die Corona-Krise zunehmend hinter sich und hat zum Jahresbeginn trotz der verschärften Versorgungsprobleme bei Halbleitern gut verdient. Unterm Strich stand von Januar bis März ein Gewinn von rund 3,4 Milliarden Euro - fast sieben Mal so viel wie im Vorjahresquartal, das bereits von ersten Pandemie-Folgen gezeichnet gewesen war. Ihren Umsatz konnten die Wolfsburger um etwa 13 Prozent auf 62,4 Milliarden Euro steigern, wie sie am Donnerstag berichteten. Die weltweiten Auslieferungen legten um mehr als ein Fünftel auf gut 2,4 Millionen Fahrzeuge zu.


Auftragsboom in der Industrie - Hoffnung auf Konjunkturaufschwung

FRANKFURT/MAIN: Die deutsche Industrie lässt die Corona-Krise zunehmend hinter sich. Die Auftragsbücher füllten sich im März unerwartet kräftig. Ein besonders starkes Plus verzeichneten die exportorientierten Maschinenbauer, wie der Branchenverband VDMA am Donnerstag mitteilte. Ökonomen gehen davon aus, dass die Industrie im zweiten Quartal kräftig zu dem erwarteten Wirtschaftswachstum beitragen wird, auch wenn Betriebe zuletzt wegen Lieferengpässen bei Material Schwierigkeiten hatten, die Orders abzuarbeiten. Im März gingen nach Angaben des Statischen Bundesamtes 3 Prozent mehr Aufträge bei den Industrieunternehmen ein als im Vormonat. Experten hatten im Schnitt mit einem nur halb so hohen Zuwachs gerechnet.


EU verlängert Exportkontrolle von Corona-Impfstoff

BRÜSSEL: Die Europäische Union verlängert die Exportkontrolle von Corona-Impfstoffen bis Ende Juni. Die EU-Staaten hätten zugestimmt der Verlängerung zugestimmt, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel.

Angesichts knappen Impfstoffs und ausfallender Lieferungen hatte die EU-Kommission den Mechanismus am 1. Februar eingeführt. Seitdem müssen Impfstoff-Exporte aus EU-Staaten in viele Länder angemeldet und genehmigt werden. Im März wurde das Instrument verschärft. In bestimmten Fällen kann die Ausfuhr untersagt werden.

Nach Angaben der Sprecherin ist dies bislang nur einmal geschehen. Anfang März wurde eine Lieferung über 250.000 Astrazeneca-Dosen aus Italien nach Australien blockiert. Zugleich seien bis Anfang der Woche 854 Anträge zur Lieferung von insgesamt 178 Millionen Dosen Corona-Impfstoff an 45 Länder genehmigt worden. 72 Millionen Dosen seien nach Japan, 18.5 Millionen nach Großbritannien und 18.4 Millionen nach Kanada gegangen.


Deutsche Justiz stärkt Verbraucherrechte bei Partnervermittlung

KARLSRUHE: Wer zügig einen Vertrag mit einem Partnervermittlungsinstitut kündigt, bekommt das Geld für nicht erbrachte Leistungen nach einem Urteil der höchsten Instanz zurück.

Entscheidend sei, dass der Kunde oder die Kundin die vereinbarte Menge an Partnervorschlägen tatsächlich erhalte, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag in Karlsruhe.

Im aktuellen Fall hatte die Partnervermittlungsagentur Glück für Zwei aus Koblenz argumentiert, sie habe gemäß Vertrag 21 Vorschläge zusammengestellt. Davon hatte die alleinstehende Seniorin aus dem Raum Aachen aber vor ihrer Kündigung erst drei erhalten. Sie bekommt von 8330 Euro nun 7139 Euro erstattet (Az. III ZR 169/20).


Boris Johnson: Militärschiffe sollen zunächst vor Jersey bleiben

LONDON: Der britische Premier Boris Johnson hat im Streit mit Frankreich über Fischereirechte bei der Kanalinsel Jersey erneut seinen Einsatz von Militärschiffen bekräftigt. «Der Premierminister hat seine eindeutige Unterstützung für Jersey bekundet und bestätigt, dass die beiden Patrouillenschiffe der Royal Navy vorsorglich an Ort und Stelle bleiben würden, um die Situation zu überwachen», hieß es in einer Mitteilung der Downing Street am Donnerstag. Zuvor hatte Johnson sich erneut mit der Regierung in Jersey ausgetauscht.

Der Streit darum, ob und wie viel französische Fischer rund um die Insel nach dem Brexit fischen dürfen, ist schnell und überraschend eskaliert. London hat die Schiffe in der Nacht zu Donnerstag nach Jersey geschickt, nachdem Frankreich mit einer Unterbrechung der Stromversorgung der Insel gedroht hatte.

Jersey ist als Kronbesitz nicht Teil des Vereinigten Königreichs, London ist aber für die Außen- und Verteidigungspolitik verantwortlich. Französische Fischer demonstrierten am Donnerstag vor der Insel und blockierten die Hafenausfahrt von St. Helier. Später setzte Frankreich ebenfalls zwei Marineschiffe in Bewegung.


VW-Konzern kauft außerhalb Europas Abgaszertifikate

WOLFSBURG: Der VW-Konzern setzt außerhalb Europas zum Einhalten der Emissionsziele auch auf den Kauf von Abgaszertifikaten. «In Europa sind wir zuversichtlich, die Flottenziele einzuhalten», sagte Vorstandschef Herbert Diess am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. In anderen Märkten wie China und den USA gebe es einige kleinere Vereinbarungen zum Kauf von Zertifikaten. «Diese gehen zurück mit dem Hochfahren unserer Elektrostrategie, und in zwei bis drei Jahren sollten sie bei Null angekommen sein», sagte der Manager. Mit wem die Wolfsburger konkret solche Deals abgeschlossen haben und was sie den Konzern kosten, dazu machte Diess keine Angaben.

Autobauer können in verschiedenen Regionen den Ausstoß ihrer eigenen Fahrzeugflotte auf dem Papier senken, indem sie überschüssige sogenannte Credits von anderen Autobauern kaufen, die unterhalb der Emissionsvorgaben liegen. Der US-Elektropionier Tesla etwa, der selbst nur Elektroautos herstellt und keine Verbrenner, treibt einen regen und lukrativen Handel mit entsprechenden Abgasrechten.

So hat der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler - heute Teil des Stellantis-Konzerns - zuletzt seine Abgasbilanzen in Europa mit gekauften Gutschriften von Tesla aufpoliert. Stellantis-Chef Carlos Tavares will dem Rechtehandel aber nach der Fusion von Fiat Chrysler mit PSA (Peugeot, Citroen, Opel) ab dem kommenden Jahr ein Ende setzen. Er geht davon aus, die Emissionen selbst genügend senken zu können.


SEOUL: Vor der südkoreanischen Industriestadt Ulsan soll bis 2030 der weltweit größte Windpark auf See mit schwimmenden Windturbinen entstehen. Nach Angaben der Regierung sind für das Projekt mit einer installierten Leistung von 6 Gigawatt Investitionen in Höhe von 36 Billionen Won (26,6 Milliarden Euro) geplant. Präsident Moon Jae In sagte am Donnerstag bei der Präsentation der Pläne in der südöstlichen Küstenstadt die volle Unterstützung der Regierung zu.

In der ersten Phase würden bis 2025 vom öffentlichen und privaten Sektor zunächst 1,4 Billionen Won bereitgestellt, wurde Moon von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. «Die Regierung wird zuerst die Führung übernehmen.»

Laut seinem Büro sagte Moon, dass der geplante Windpark eine wichtige Gelegenheit darstelle, die von Südkorea angepeilte Kohlendioxidneutralität bis 2050 zu erreichen und die Wirtschaft anzutreiben. Bei Fertigstellung soll der geplante Windpark rechnerisch nahezu 5,8 Millionen Haushalte in Ulsan und der umliegenden Region mit grünem Strom versorgen.


Auch Frankreich schickt Marineschiffe in die Nähe von Jersey

PARIS: Im Streit mit Großbritannien über Fischereirechte bei der Kanalinsel Jersey hat nun auch Frankreich zwei Marineschiffe in Bewegung gesetzt. Die beiden Patrouillenboote halten sich in französischen Gewässern in der Nähe der Insel auf, wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag unter Berufung auf die zuständige Seepräfektur berichtete. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um notfalls Menschenleben zu retten. Vor Jersey protestieren französische Fischer mit ihren Booten. Großbritannien überwacht bereits mit zwei Patrouillenbooten die Lage vor der Insel.

Frankreichs Europa-Staatssekretär Clément Beaune sagte der Agentur, dass die britischen Manöver «uns nicht beeindrucken müssen». Er habe mit dem britischen Brexit-Minister David Frost gesprochen. «Es ist nicht unser Wunsch, für Spannungen zu sorgen (...)», sagte er. Es müssten hingegen vertraglich festgelegte Regeln rasch und vollständig angewendet werden.

Der Streit hatte sich um die Vergabe von Fischereilizenzen für französische Fischer entzündet. Jersey ist als Kronbesitz zwar nicht Teil des Vereinigten Königreichs, London ist aber für die Außen- und Verteidigungspolitik verantwortlich.


Spahn betont Ziel von Corona-Impfstoffen für die ganze Welt

BERLIN: In der Debatte um eine globale Aufhebung von Patenten für Corona-Impfstoffe hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das Ziel von Produktionssteigerungen unterstützt. «Die ganze Welt mit Impfstoff zu versorgen, ist der einzig nachhaltige Weg aus dieser Pandemie», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag. «Es gibt einige Ideen, wie wir dies ermöglichen können.» Entscheidend sei vor allem der weitere Ausbau von Produktionsstätten. Zudem müssten die Staaten der Welt, in denen Impfstoff produziert wird, bereit sein, diesen auch an andere zu exportieren. «Die EU ist dazu in Wort und Tat bereit. Wir freuen uns, wenn die USA es nun auch sind», sagte Spahn.

Die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai hatte Unterstützung für die Aussetzung von Impfstoffpatenten signalisiert, die viele Länder seit langem fordern.


Einzelhandelsumsätze in der Eurozone legen im März zu

LUXEMBURG: Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone haben im März stärker zugelegt als erwartet. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Erlöse saisonbereinigt um 2,7 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur einen Zuwachs um 1,6 Prozent erwartet.

Zudem wurde der Anstieg aus dem Februar stark nach oben revidiert. Die Umsätze sind um 4,2 Prozent gestiegen, nachdem zunächst nur ein Zuwachs von 3,0 Prozent ermittelt worden war.

Im Vergleich zum März des Vorjahres stiegen die Umsätze um 12,0 Prozent. Hier war lediglich mit einem Anstieg um 9,4 Prozent gerechnet worden. Beflügelt wurden die Daten durch den Versand- und Internethandel, der in der Corona-Krise stark an Bedeutung gewonnen hat. Hier legten die Umsätze im Jahresvergleich um 37,2 Prozent zu.


EU-Gipfel soll auch Patentfrage bei Corona-Impfstoffen diskutieren

BRÜSSEL/PORTO: Die EU-Staats- und Regierungschefs werden bei ihrem Treffen im portugiesischen Porto am Freitag und Samstag auch über die Corona-Krise und die mögliche Aufhebung von Impfstoffpatenten sprechen. Die EU sei bereit, sich in die Debatte über die Impfstoffversorgung einzubringen, sagte ein EU-Beamter am Donnerstag in Brüssel.

Hintergrund ist die Ankündigung der US-Regierung, die Aufhebung von Impfstoffpatenten im Kampf gegen die Pandemie zu unterstützen. Die EU betont, entscheidend sei die Freigabe von Exporten der Vakzine - die EU liefere im großen Maßstab in alle Welt, während andere demokratische Regionen dies nicht täten. Gemeint sind auch die USA. Es sei die Frage, ob die Patentfreigabe das beste Mittel sei, zumal der Aufbau von Produktionskapazitäten sechs bis zwölf Monate dauere, sagte der EU-Beamte.

Bei dem informellen EU-Gipfel in Porto soll es eigentlich um die Stärkung sozialer Rechte in Europa gehen, darunter die Bekämpfung von Armut und Wohnungsnot. Einige Staaten sehen es jedoch skeptisch, der EU mehr Kompetenzen in der Sozialpolitik zu übertragen. Gestritten wird auch über den EU-Vorstoß für gerechte Mindestlöhne in allen 27 Staaten.

Neben den Sozialthemen und der Pandemie sollen in Porto auch außenpolitische Themen zur Sprache kommen, darunter das Verhältnis zu Russland. Für Samstag ist eine Videokonferenz mit dem indischen Premier Narendra Modi geplant. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reist wegen der Pandemielage in Deutschland nicht nach Porto, schaltet sich aber per Video zu.


Johnson: Französische Fischer und britische Marine verlassen Jersey

LONDON/SAINT HELIER: Nachdem französische Fischer ihre Blockade der Kanalinsel Jersey beendet haben, hat die britische Regierung den Rückzug ihrer Marine angekündigt. «Da die Situation vorerst geklärt ist, werden sich die Patrouillenschiffe der Royal Navy darauf vorbereiten, in ihren Hafen im Vereinigten Königreich zurückzukehren», teilte das Büro von Premierminister Boris Johnson am Donnerstagabend mit. «Wir bleiben in Bereitschaft, um im Falle weiterer Anfragen von Jersey Unterstützung zu leisten.»

Die Regierung betonte, die Behörden von Jersey hätten das Recht, die Fischerei in ihren Gewässern zu regeln. Über Twitter dankte Johnson der Royal Navy für ihren raschen Einsatz: «Ich freue mich, dass die Situation in Jersey gelöst wurde.» Jerseys Regierungschef John Le Fondre berichtete von konstruktiven Gesprächen mit Vertretern der Fischer.

Dutzende französische Fischerboote hatten seit dem frühen Morgen den Hafen der Inselhauptstadt Saint Helier blockiert. Hintergrund ist ein Streit um Fischereilizenzen im Ärmelkanal, der wegen des Brexits erneut hochgekocht ist. Auch Frankreich hatte Marineschiffe in die Region geschickt. Jersey ist als sogenannter Kronbesitz nicht Teil des Vereinigten Königreichs, das aber für die Außen- und Sicherheitspolitik der Kanalinsel etwa 25 Kilometer vor der französischen Küste verantwortlich ist.


Aktien von Curevac und Biontech brechen wegen Patentdiskussion ein

FRANKFURT/MAIN: Die Sorge vor einem teilweisen Wegfall von Erlösen mit Corona-Impfstoffen hat die Aktien der Hersteller am Donnerstag schwer belastet. So unterstützt die US-Regierung für den Kampf zur weltweiten Eindämmung der Pandemie die Aussetzung von Patenten für Corona-Impfstoffe. Die Kurse der Impfstoffentwickler Curevac und Biontech brachen daraufhin um mehr als zehn Prozent sowie um fast ein Fünftel ein.

Die Aktien von Astrazeneca legten in London hingegen zu. Das Unternehmen hatte bereits früh angekündigt, mit seinem Impfstoff keinen Gewinn erzielen zu wollen. Im ersten Quartal hatte die Impstoffherstellung sogar etwas auf dem Ergebnis gelastet.


Umfrage: Britische Firmen setzen auch künftig auf Arbeit von zuhause

LONDON: Ein großer Anteil der britischen Unternehmen will auch in der Zukunft weiterhin teilweise auf Arbeit von zuhause setzen. Dabei wollen die meisten auf eine Mischung aus Homeoffice und Büroarbeit setzen, wie aus einer Umfrage hervorgeht, über die die BBC am Donnerstag berichtete. Der Sender hat dafür 50 große britische Unternehmen befragt, die mehr als eine Million Arbeitnehmer in Großbritannien repräsentieren. 43 davon erklärten, sie wollten auch in Zukunft hybride Arbeitsformen nutzen, vier wollten solche Konzepte für einige Zeit prüfen.

Das Versicherungsunternehmen Aviva gab für seine eigenen 16.000 Beschäftigten dem Bericht zufolge an, dass 95 Prozent der Belegschaft künftig gern flexibel von verschiedenen Orten aus arbeiten wollten. Derzeit gilt in Großbritannien trotz einiger Corona-Lockerungen weiterhin der Aufruf, soweit wie möglich von zuhause aus zu arbeiten.


Ölpreise steigen leicht

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Donnerstag im frühen Handel leicht gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 69,10 US-Dollar. Das waren 14 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um sieben Cent auf 65,70 Dollar.

Am Mittwoch war der Brent-Preis bis auf knapp 70 Dollar gestiegen, am Abend ging es aber wieder abwärts. Zurzeit bewegen sich die Ölpreise auf dem höchsten Niveau seit Mitte März. Auftrieb kommt durch konjunkturelle Besserung in großen Verbrauchsländern wie den USA oder China. Jüngste Lagerdaten aus den USA bestätigen diese Sichtweise. Die Rohölvorräte gingen in der vergangenen Woche deutlich zurück, was ein Hinweis auf eine stärkere Nachfrage sein könnte.

Auch in Europa sorgen die zügiger verlaufenden Impfungen für Zuversicht. In anderen großen Importländern ist die Corona-Lage dagegen sehr angespannt, insbesondere in Indien. Der Ölverbund Opec+ hält dennoch an seiner Strategie fest, die Förderung Zug um Zug auszuweiten.


Euro knapp über 1,20 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag im frühen Handel geringfügig mehr als 1,20 US-Dollar gekostet. Am Morgen notierte die Gemeinschaftswährung mit 1,2003 Dollar und damit in etwa auf dem Niveau vom Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,2005 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag blicken Analysten und Anleger auf einige Konjunkturdaten. In Deutschland stehen Auftragsdaten aus der Industrie auf dem Programm. Aus der Eurozone werden Umsatzzahlen vom Einzelhandel erwartet. In den USA geben die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt Auskunft über den Zustand des Jobmarkts, bevor am Freitag die US-Regierung ihren monatlichen Arbeitsmarktbericht veröffentlicht.


BMW verkauft im April 10 Prozent mehr Autos als vor Corona

MÜNCHEN: BMW hat im April weltweit rund 220.000 Autos verkauft und damit gut 10 Prozent mehr als im April des Vorkrisen-Jahres 2019. In allen Weltregionen seien die damaligen Absatzzahlen übertroffen worden, teilte der Konzern in München mit. Damit habe BMW den Absatzerfolg des ersten Quartals fortgeführt, sagte Vertriebsvorstand Pieter Nota. Im ersten Quartal hatte BMW dank der hohen Nachfrage in Asien 5 Prozent mehr Autos verkauft als vor der Corona-Krise.

Besonders erfreulich sei das Interesse an Elektroautos, sagte Nota: «Wir sind gut unterwegs, unseren Absatz an vollelektrischen Fahrzeugen in diesem Jahr wie geplant zu verdoppeln.» Mit aktuell 3 E-Autos und 14 Plug-in-Hybriden biete der BMW-Konzern mehr elektrifizierte Modelle als die Konkurrenz.

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