Krieg verschärft humanitäre Lage

Menschen begutachten beschädigte Häuser nach mutmaßlichen pakistanischen Luftangriffen in Kabul. Mehrere Menschen wurden getötet und verletzt. Foto: epa/Samiullah Popal
Menschen begutachten beschädigte Häuser nach mutmaßlichen pakistanischen Luftangriffen in Kabul. Mehrere Menschen wurden getötet und verletzt. Foto: epa/Samiullah Popal

KABUL/ISLAMABAD: Seit Ende Februar führt Pakistan «offenen Krieg» mit Afghanistan. Hilfsorganisationen sprechen von verheerenden Folgen für Familien. Durch den Krieg im Iran könnte sich die Lage noch zuspitzen.

Der Krieg zwischen Afghanistan und Pakistan verschärft die angespannte humanitäre Lage in Afghanistan. «Der Konflikt hat verheerende Folgen für Kinder und ihre Familien, von denen viele schon vorher auf humanitäre Hilfe angewiesen waren,» sagt Arshad Malik, Regionaldirektor für Asien bei Save the Children. Die Organisation spricht von 68.000 vertriebenen Kindern infolge des Konflikts. «Zehntausende Kinder haben alles verloren, was ihnen Stabilität und Sicherheit gab,» so Malik weiter.

Die Kämpfe waren Ende Februar ausgebrochen. Islamabad wirft den islamistischen Taliban in Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das.

2025 traf ein schweres Erdbeben die Grenzregion

Zuletzt hatten sich die Kämpfe auf die Grenzregion beschränkt. In der Nacht auf Freitag hatte Pakistans Luftwaffe jedoch auch wieder Ziele im Landesinneren Afghanistans angegriffen. Seit dem 26. Februar seien infolge von Kämpfen in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, hieß es am Freitag von der UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama).

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein schweres Erdbeben die bergige Grenzregion im Osten Afghanistans verwüstet. Wegen der Kampfhandlungen mussten Hilfsorganisationen dort nun zeitweise ihre Arbeit einstellen.

«Es gibt keine Toiletten, es gibt kein sauberes Wasser»

Veronika Staudacher von Caritas International in Kabul sorgt sich um die Lage in Flüchtlingslagern in der Region. Menschen, die durch das Erdbeben ihr Obdach verloren haben, würden jetzt erneut vertrieben und müssten in behelfsmäßigen Lagern ausharren. «Jetzt ist zwar Frühling hier, aber oben in den Bergen ist es natürlich immer noch trotzdem kalt und schwierig. Es gibt keine Toiletten, es gibt kein sauberes Wasser, es gibt keine Lebensmittelversorgung.»

Krieg im Iran verringert Handlungsspielraum der Taliban

Aus Sicht von Hilfsorganisationen kommt der Iran-Krieg erschwerend hinzu. Pakistan hatte im Oktober Grenzübergänge nach Afghanistan gesperrt. Die Nachschub-Route über den Iran könnte jetzt mit dem Krieg dort ebenfalls gefährdet sein. «Das betrifft ja nicht nur Lebensmittel und Treibstoff und so weiter, sondern beispielsweise auch Medikamente, die wir sonst nirgendwo herkriegen,» sagt Staudacher der Deutschen Presse-Agentur.

Für die Führung in Kabul sei dies eine schwere Lage mit einem Krieg an mehreren Grenzen, erklärt Elizabeth Threlkeld, Südasien-Expertin bei der US-Denkfabrik Stimson Center. «Das erschwert und verringert ihren Handlungsspielraum.»

Die afghanische Seite hatte bereits früh im aktuellen Konflikt auf Dialog gedrängt. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums schrieb zuletzt auf X, dass Chinas Afghanistan-Sondergesandter zwischen Pakistan und Afghanistan pendele, um den Dialog zu fördern.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.