KABUL/ISLAMABAD: Seit fast zwei Wochen führt Pakistan «offenen Krieg» mit Afghanistan. Die Taliban hatten mehrfach auf Gespräche gedrungen. Jetzt gibt es erste inoffizielle Kontakte zur Vermittlung.
Im Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan gibt es erste inoffizielle Vermittlungsversuche. Eine pakistanische Gruppe, die von Islamabad bisher nicht offiziell bestätigt wurde, befindet sich für Gespräche in Kabul. Die Ankunft der Gruppe um den Milizionär Maulana Fazlur Rahman Khalil in der afghanischen Hauptstadt wurde von afghanischen Medien berichtet und der Deutschen Presse-Agentur von pakistanischen Sicherheitskreisen bestätigt.
Fazlur Rahman Khalil wird von den Vereinigten Staaten auf einer Terrorliste geführt und soll Kontakte zu pakistanischen Sicherheitskreisen und zu Führungsfiguren der Taliban haben. Ein weiteres Mitglied der Gruppe soll Maulana Abdullah Shah Mazhar sein, ein islamischer Geistlicher mit Verbindungen zu verschiedenen Terrorgruppen.
Geheimdienstmitarbeiter: Kontakt ohne Verpflichtungen
Die Delegation sei ausgewählt worden, weil «diese Geistlichen wie die Taliban sind und ihnen besser verständlich machen können, was wir von ihnen wollen», sagte ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter der dpa. Es sei ein erster Kontakt ohne Verpflichtungen. Die pakistanische Zeitung «Dawn» zitierte indes namentlich nicht genannte Regierungsquellen, die Berichte über die Entsendung einer Delegation dementieren.
«Es überrascht nicht, dass Dschihadisten oder Kleriker Aufgaben für das pakistanische Militär übernehmen. Das ist in den letzten Jahren zur Norm geworden», erklärt Irfan Shehzad, Präsident der Denkfabrik Eurasian Century Institute in Islamabad. «Das wird getan, wenn niemand bereit ist, die Bürde der Verantwortung zu tragen.»
Der Krieg war Ende Februar ausgebrochen, weil Islamabad den islamistischen Taliban vorwirft, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Die in Kabul regierenden Taliban hatten früh auf Gespräche gedrängt. Seit Ausbruch der inzwischen fast zwei Wochen andauernden Kämpfe sind bis Freitag 56 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden. Diese Angaben der UN-Hilfsmission für Afghanistan (UNAMA) sind die letzten unabhängigen Opferzahlen.