KOH KRADAN: Dramatische Beobachtungen von Einheimischen werfen ein erschreckendes Licht auf den Zustand der Korallenriffe in der Andamanensee. Innerhalb weniger Monate stieg die Zerstörungsrate von 30 % auf 80 %. Die Ursachen reichen von Klimawandel bis zu lokaler Verschmutzung.
Die Korallenriffe rund um Koh Kradan und Koh Bulone, einst vielfältige und lebendige Ökosysteme, befinden sich laut lokalen Beobachtungen in einem kritischen Zustand. Nach einer kurzen Erholungsphase während der Corona-Pandemie, als der Tourismus nahezu stillstand, hat sich ihr Zustand seit Anfang 2024 rapide verschlechtert. Während damals etwa 30 % der Korallen als tot oder schwer beschädigt galten, wird dieser Anteil inzwischen auf alarmierende 80 % geschätzt. Diese Zahlen basieren auf den Beobachtungen von Einheimischen und lokalen Tauchschulen und verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation.
Ursachen und Auswirkungen des Korallensterbens
Experten nennen den Klimawandel als Hauptursache für diese Entwicklung. Die durch die globale Erwärmung bedingten steigenden Meerestemperaturen setzen den Korallen unter massiven Stress, was zur sogenannten Korallenbleiche führt. Temperaturen über 30 Grad Celsius reichen bereits aus, um die empfindlichen Lebewesen nachhaltig zu schädigen. Im April 2024 wurden in der Andamanensee sogar Spitzenwerte von bis zu 32,5 Grad Celsius gemessen.
Neben dem Klimawandel spielen auch lokale Faktoren eine wichtige Rolle. Verschmutzung durch Plastik und Abwasser, Überfischung sowie mechanische Schäden durch den Massentourismus beeinträchtigen die Riffe zusätzlich. Vor allem in beliebten Tauch- und Schnorchelgebieten wie Koh Bulone tragen unachtsame Besucher und Bootsverkehr erheblich zur Zerstörung bei.
Die Folgen sind weitreichend: Korallenriffe bieten Lebensraum für etwa 25 % aller Meeresarten und spielen eine entscheidende Rolle im Ökosystem der Ozeane. Ihr Verlust führt nicht nur zu einem Rückgang der Artenvielfalt, sondern hat auch wirtschaftliche Konsequenzen für den Tourismus und die Fischerei, von denen viele lokale Gemeinschaften abhängig sind. Zusätzlich verlieren die Küsten ihren natürlichen Schutz vor Erosion und Stürmen.
Ein Hotspot für Touristen und Herausforderungen
Koh Kradan, ein malerischer Hotspot in der Andamanensee, zog zu Neujahr 2025 zahlreiche thailändische und internationale Touristen an. Die Insel, die 2023 und 2024 vom „World Beach Guide“ zum besten Strand der Welt gewählt wurde, beeindruckt durch ihren blendend weißen Sandstrand und das kristallklare Wasser. Besucher genossen nicht nur die natürliche Pracht, sondern auch die faszinierenden Korallenriffe und riesige Sardinenschwärme vor der Küste.
Am 1. Januar 2025 meldeten die Behörden, dass mehr als 1.000 Touristen die Insel besuchten, wodurch eine lebhafte und fröhliche Atmosphäre entstand. Schnorcheln und das Erkunden der bunten Fischschwärme sowie Korallen waren dabei besonders beliebt. Dank des guten Wetters und der sorgfältigen Sicherheitsmaßnahmen genossen die Besucher ein unvergessliches Erlebnis.
Zwischen dem 27. Dezember 2024 und dem 1. Januar 2025 kamen täglich 1.200 bis 1.500 Touristen auf die Insel. Die lokalen Unternehmen konnten von diesem Ansturm profitieren und nach pandemiebedingten Herausforderungen wieder aufatmen. Schätzungen zufolge betrugen die Einnahmen aus dieser Zeit mehr als 100 Millionen Baht.
Erste Maßnahmen und Hoffnungsschimmer
Um den Korallen Zeit zur Erholung zu geben, hat die thailändische Regierung wiederholt Maßnahmen ergriffen. Einige Meeresparks, darunter der Mu-Koh-Surin- und der Mu-Koh-Lanta-Nationalpark, werden regelmäßig vorübergehend geschlossen. Diese Schritte zielen darauf ab, die Belastung durch Tourismus zu verringern und die Regeneration der Riffe zu fördern.
Darüber hinaus setzen Wissenschaftler auf Projekte zur Korallen-Aufforstung. Hierbei werden widerstandsfähige Korallenarten gezüchtet und gezielt in geschädigten Gebieten angesiedelt. Diese Bemühungen haben in anderen Regionen der Welt bereits positive Ergebnisse gezeigt und könnten auch in Thailand eine wichtige Rolle spielen.
Touristen werden ebenfalls aufgefordert, sich umweltbewusster zu verhalten. Die Verwendung riff-sicherer Sonnencremes und die Einhaltung von Verhaltensregeln beim Tauchen und Schnorcheln sind einfache Maßnahmen, die große Wirkung zeigen können.
Wie Reisende helfen können
Besucher der betroffenen Gebiete können aktiv zum Schutz der Korallen beitragen. Die Wahl nachhaltiger Tourismusanbieter, der Verzicht auf Plastikmüll und ein respektvoller Umgang mit der Unterwasserwelt sind entscheidende Schritte. Zudem können Reisende durch Spenden an Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder den WWF Projekte unterstützen, die sich für den Erhalt der Korallenriffe einsetzen.
Die Lage der Korallenriffe in der Andamanensee ist symptomatisch für eine globale Krise. Weltweit sind Korallenriffe durch den Klimawandel, Umweltverschmutzung und Übernutzung bedroht. Die rasche Zerstörung der Korallen in Thailand verdeutlicht die Notwendigkeit sofortiger Maßnahmen. Langfristig bleibt die Bekämpfung des Klimawandels essenziell, um die Temperaturen der Weltmeere zu stabilisieren und eine Zukunft für diese lebenswichtigen Ökosysteme zu sichern.
Die Beobachtungen lokaler Einwohner um Koh Kradan und Koh Bulone zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Regierungen und der Bevölkerung ist. Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann der Verlust der Korallen gestoppt und möglicherweise umgekehrt werden.