Kambodscha lehnt Truppenabzug ab

Phumtham wirbt für Frieden – Phnom Penh ruft IGH an

Verteidigungsminister Phumtham (li.) und sein kambodschanischer Amtskollege Tea Seiha beim Grenztreffen in Sa Kaeo – beide Länder bekräftigen den Wunsch nach friedlichem Dialog. Foto: Phnom Penh Post
Verteidigungsminister Phumtham (li.) und sein kambodschanischer Amtskollege Tea Seiha beim Grenztreffen in Sa Kaeo – beide Länder bekräftigen den Wunsch nach friedlichem Dialog. Foto: Phnom Penh Post

UBON RATCHATHANI: Thailand hat Kambodscha zum Rückzug aus dem Grenzgebiet bei Mum Bei aufgefordert. Phnom Penh verweigert diesen Schritt unter Berufung auf die eigene Souveränität. Beide Länder wollen dennoch im Gespräch bleiben. Thailand lehnt ein Einschalten des Internationalen Gerichtshofs ab, während Kambodscha genau diesen Weg nun einschlägt.

Nach einem Treffen zwischen dem thailändischen Verteidigungsminister Phumtham Wechayachai und seinem kambodschanischen Amtskollegen Tea Seiha am 5. Juni in der thailändischen Provinz Sa Kaeo sind die Positionen im Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha klarer, aber nicht näher zusammengerückt. Phumtham hatte vorgeschlagen, dass kambodschanische Truppen in das ursprünglich vereinbarte Gebiet rund um den Tri Muk Pavillon zurückkehren sollten. Dabei handelt es sich um eine Zone etwa 150 bis 200 Meter vom aktuellen Streitpunkt entfernt.

Die Gespräche wurden laut Phumtham in ruhigem Ton geführt. Ziel sei es gewesen, eine Eskalation zu vermeiden. „Die thailändische Regierung will keinen Krieg. Uns geht es um Stabilität und darum, Verluste zu verhindern“, sagte er. Thailand wolle die Frage nicht vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) bringen, da man dessen Zuständigkeit seit 1960 nicht mehr anerkenne.

Kambodscha sieht sich im Recht

Kambodscha wies die Forderung nach einem Rückzug umgehend zurück. In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums erklärte Phnom Penh, dass das betreffende Gebiet bei Mum Bei zum souveränen Territorium Kambodschas gehöre und die dort stationierten Truppen bereits seit Langem vor Ort seien. „Kambodscha kann sich nicht von Positionen zurückziehen, die sich auf eigenem Staatsgebiet befinden“, hieß es wörtlich.

Die kambodschanische Seite kündigte zugleich an, den Streit um insgesamt vier Grenzregionen – darunter Mum Bei sowie die Tempelanlagen Ta Moan Thom, Ta Moan Toch und Ta Krabei – vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen zu wollen. Phnom Penh beruft sich auf das Memorandum of Understanding von 2000, das die Grundlage für die Grenzverhandlungen bildet. Minister Seiha kritisierte zudem, dass beide Seiten unterschiedliche Karten mit verschiedenen Maßstäben verwendeten, was eine Einigung erschwere.

JBC-Treffen soll Kartenfrage klären

Für den 14. Juni ist ein weiteres Treffen des gemeinsamen Grenzausschusses (Joint Boundary Committee, JBC) geplant. Dabei sollen Karten überprüft und die Situation vor Ort gemeinsam analysiert werden. Sollte keine Einigung erzielt werden, ist ein gemeinsamer Lokalaugenschein vorgesehen. Auch weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Lage seien laut Phumtham denkbar.

Er wies jedoch darauf hin, dass sein Treffen mit kambodschanischen Truppen vereinzelt für Kritik gesorgt habe. „Wir sollten mit solchen Vorwürfen aufhören – sie erschweren nur die Lösungsfindung“, sagte der Minister. Krieg sei für niemanden von Nutzen: „Wenn es zum Konflikt kommt, leiden zuerst die Soldaten und die Zivilbevölkerung an der Grenze.“

Militärische Präsenz wächst – nationale Spannungen nehmen zu

Nach kambodschanischen Angaben wurden zuletzt rund 12.000 Soldaten im Raum Chong Bok stationiert – darunter auch Artillerie und schweres Gerät. Dies geschah nach dem tödlichen Zwischenfall vom 28. Mai, bei dem ein kambodschanischer Soldat ums Leben kam. Auch Thailand verstärkte seine Truppenpräsenz, betonte aber weiterhin den Vorrang einer diplomatischen Lösung.

Premierministerin Paetongtarn Shinawatra bekräftigte am Freitag die Einheit zwischen Regierung und Militär und wies Spekulationen über interne Differenzen zurück. Sie stellte sich zudem gegen Forderungen einzelner Offiziere, die Landgrenze vorübergehend zu schließen.

Auf beiden Seiten ist ein Erstarken nationalistischer Töne zu beobachten, das eine diplomatische Lösung erschweren könnte. Kambodscha wird voraussichtlich noch im Juni Klage beim Internationalen Gerichtshof einreichen, obwohl Thailand den IGH nicht als zuständig betrachtet.

Die aktuellen Spannungen nehmen Bezug auf eine Schießerei am 28. Mai nahe der umstrittenen Mum-Bei-Region. Dabei kam ein kambodschanischer Soldat ums Leben, mehrere weitere Personen wurden verletzt. Die genauen Umstände sind weiterhin unklar; beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig der Provokation. Es war der schwerste Vorfall an der thailändisch-kambodschanischen Grenze seit Jahren und gilt als Auslöser für die aktuelle diplomatische Offensive.

Das geplante Treffen des JBC am 14. Juni wird nun als entscheidender Test für die Dialogfähigkeit beider Staaten gewertet. Die Hoffnungen ruhen auf Deeskalation – doch das Misstrauen sitzt tief.

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