Julche hät en Stross Pattaya hat seit einigen Wochen eine neue Strasse: Soi Fussich Julche! Gastwirt Kuppi brachte an seinem Dom-Eck zwei Strassenschilder an und ehrte damit die Sängerin Marita Köllner alias fussich Julche. Die prominente Kölnerin bezeichnet Thailand als ihre zweite Heimat und verbringt ihre Ferien in Pattaya. Sie hat sich über ihr „Stross wie jeck“ gefreut.
Wer ist schon Fussich Julche Rheinländer, zumal Kölner, werden diese Frage als anmassend zurückweisen. Gestellt von einem ignoranten Norddeutschen ohne Karnevalserfahrung. Selbst in Pattaya ist Fussich Julche ein Begriff. Spätestens seitdem der Name auf zwei Strassen-schildern steht, die Dom-Eck-Wirt Kuppi Marita Köllner gewidmet hat.
Die waschechte Kölnerin, die im Vringsveedel das Licht der Welt erblickte, hat seit über 30 Jahren ihr Herz dem Kölner Karneval verschrieben und gehört zum karnevalistischen Urgestein. Die absolute Nummer eins der Einzelinterpretinnen und Moderatorin mehrerer WDR-TV-Produktionen hat sich in die Schlagercharts gesungen. „Denn et Heimweh nimmste mit“ oder „Dr. Herrjott“ oder „Kumm danz met mir“ sind im Rheinland Ohrwürmer.
Anfangs als Kinderstar, dann als Rednerin und seit vielen Jahren als „Et fussich Julchen“ bringt Marita mit ihrer unnachahmlichen kölschen Natur Schwung in jede Bude. So auch im März ins Dom-Eck, als die prominente Sängerin Kuppi und seine kölschsprechende Frau Wanni entdeckte.

Marita Köllner outet sich als Thailand-Fan. Seit 17 Jahren bereist sie das Land von Nord nach Süd, von Ost nach West und kommt immer wieder nach Pattaya. Hier ist sie seit einer Reihe von Jahren Stamm-gast bei Heike im „Simpl“ an der South Pattaya Road. „Thailand ist meine zweite Heimat. Hier kann man noch die Seele baumeln lassen. Und dat schoenste iss . . . et koss nit vill“, schreibt die Kölnerin auf ihrer Website.
Während ihres letzten Urlaubs traf sie im Dom-Eck auf gut gelaunte, fröhliche Wirtsleute. Die Sängerin fühlte sich sofort heimisch und kam immer wieder. Kuppi war von seinem warmherzigen Gast so begeis-tert, dass er in seinem Lokal eine „Fussich-Julche-Fan-Ecke“ mit Fotos, Zeitungsausschnitten und Infos über die prominente Rheinländ-erin schuf. Die Freundschaft hielt. Bei seinem jüngsten Deutschland-aufenthalt traf der Wirt die Sängerin beim Inselfest in Köln.
Jetzt setzte Kuppi noch eins drauf: Er gab bei einem Schildermacher zwei Arbeiten in Auftrag und befestigte die weiss-blauen „Soi Fussich Julche“- Strassenschilder am Eingang zu seiner Kneipe und auf der Zufahrt zum angrenzenden Parkplatz.
Als die Nachricht Marita Köllner erreichte, war sie erst einmal sprachlos. „Und das kommt bei mir selten vor. Irre, ich hab mich natürlich wie jeck gefreut. In Köln musst du, um geehrt zu werden, erst tot sein. Und als Frau musst du zehnmal besser sein als ein Mann. Und dann kann es vielleicht sein, dass du doch geehrt wirst, aber wirklich nur vielleicht“, weiss „Et fussich Julche“.
Die Sängerin freut sich über die tolle Aktion und dass sie überall in der Welt Fans hat. „Ehrlich, wer hät schon als Kölsche in Thailand en Stross, die nach ihm benannt is.“ Marita ist stolz, sagt Danke und freut sich auf den Dezember, um „dat Strössche live un in Farbe ze sin“. Wirt Kuppi verspricht sie: „Da machen mir ne dolle Abend draus!“
Unter den Hunderten Bars in Pattaya ist Kuppis Dom-Eck eine Kneipe der anderen Art. Individuell eingerichtet und dekoriert mit Fotos, Karikaturen und zahlreichen Erinnerungsstücken. „Ich habe versucht, meine ehemalige Stammkneipe in Köln-Ehrenfeld zu kopieren“, erläutert der Deutsche.

Die Gäste blicken auf ein prachtvolles Panorama von Köln, am Eingang weht die Fahne der Domstadt, an den Wänden kleben original Zuglaufschilder der Deutschen Bahn. Denn der gelernte Koch hatjahrelang für die Deutsche Speisewagen-Gesellschaft (DSG) gearbeitet und die Fahrgäste im Speisewagen verwöhnt. Weiter gibt’s ein aus der Heimat importiertes Sparkästchen, in dem die inzwischen16 Mitglieder des Sparclubs Dom-Eck ihre Baht-Münzen oder -Scheine einwerfen können.
Mehrere Regale sind vollgestopft mit deutschen Büchern. „Als wir von Köln nach Pattaya umzogen, habe ich 70 Kisten mit Büchern auf die Reise geschickt. Ursprünglich wollten wir eine Leihbücherei eröffnen. Jetzt stehen die Bände zum Verkauf. Wenn ich von dem Erlös die Stromrechnung bezahlen kann, dann ist es gut“, berichtet Kuppi.
Seine Eck-Kneipe sei das einzige Lokal in Pattaya, in dem das Bier in Kölsch-Gläsern, in so genannten Stangen, serviert wird. Leider muss auch Kuppi ohne sein Kölsch auskommen. Rheinländer werden in Thailand vergeblich das obergärige Bier suchen. Der 46-jährige versichert: „Wenn die Brauer unserem Bier für die Tropen was beimischen, würde es nicht mehr schmecken.“
Verzichten müssen Gäste des Dom-Ecks weiter auf eine kurzweilige Unterhaltung mit Service-Girls. „Bei uns gibt’s keine Barmädchen, nur mich, meine Frau und die Kassiererin Frau Schmitz.“ Frau Schmitz So heissen bei Kuppi die Kassiererinnen. Basta!

Dietmar „Kuppi“ Kupschus ist gebürtiger Bergisch-Gladbacher, hat aber die meiste Zeit seines Lebens in der Domstadt verbracht. Im Dezember 1996 wechselte Kuppi mit seiner Frau Priwan, RufnameWanni, von Porz nach Pattaya.
Bei der Frage, wie und wo er Wanni kennengelernt hat, lächelt Kuppi verschmitzt und erzählt: Er habe Wanni 1982 auf der Zugfahrt von Köln nach Westerland im Speisewagen erblickt. Die junge Frauhabe ihm so gut gefallen, dass er sie ansprach: „Haben Sie am Mittwoch Zeit, dann können wir heiraten.“ Postwendend kam die Antwort: „Du kleiner besoffener Kopf!“
„Ich hatte doch nicht damit gerechnet, dass Wanni Deutsch verstehen würde. Das Gelächter meiner Freunde war gross“, berichtet Kuppi. Es sollten noch sechs Jahre ins Land gehen, bis der Kölner seine Thai auf dem Standesamt der Dom-Stadt heiratete.
Dietmar Kupschus hat in Pattaya ein Jahr für das Unternehmen German Sport Fashion (GSF) und anschliessend für die Supermarkt-kette U.J. Mart gearbeitet. Am 17. August 1999 eröffneten Kuppi undWanni ihr Dom-Eck im Pattaya Bazaar am Kreisel. Seit Juli letzten Jahres befindet sich die Kneipe an der Naklua Road zwischen Bauernschänke und Deutscher Schänke.
Das Dom-Eck firmiert auch als Aussenstelle Thailand des Fanclubs 1. FC Köln. Kuppis Mitgliedsausweis trägt die Nummer 11. Sollte ein Fan-Club-Mitglied den Wirt dabei ertappen, dass er den Ausweis nicht mit sich trägt, wäre eine Lokalrunde fällig. Wanni ist bei FC-Kölsch-Geissböcke Ehrenmitglied mit der beziehungsreichen Nummer 00SEX.
Die Geissböcke hatten Kuppi zum letzten Heimspiel des damals Noch-Bundesligisten gegen Rostock eingeladen. Die Kölner schickten die Gäste mit 4:0 nach Hause. Kommentar der Fans: „Wenn du,Kuppi, bei allen Spielen dabei gewesen wärest, wären wir jetzt nicht in der Zweiten Liga!“

Als Kölscher Jung liegt Dietmar der Karneval im Blut. Er war mehrere Jahre Mitglied im TA-FA-BA, dem Karnevalsclub der Taxifahrer in Köln-Mühlheim. Sein Lokal schmückt ein Foto des Dreigestirns 2002 mit Widmung, darunter ist die Literaturmütze des August Balstein von der Ehrengarde Köln befestigt.
Knapp 10.000 Kilometer von der Domstadt und Kölle Alaaf entfernt, spielt die Fünfte Jahreszeit für Kuppi und Wanni eine bedeutende Rolle. „Für uns im Dom-Eck sind das Grosskampftage“, merkt der 46-jährige an.
Gefeiert, gesungen und geschunkelt nach alten und neuen Karnevalsliedern wird jedes Jahr am 11. 11, zur Weiber-fastnacht und am letzten langen Karnevalswochenende einschliesslich Rosenmontag.„Da ist an allen Tagen der Bär los. Und weil die Gäste fast ausschliesslich aus dem Rheinland kommen, ist Stimmung garantiert“, freut sich der Wirt.
Hat Wirt Kuppi aktuell einen Wunsch „Ja, schon. Ich wünsche mir, dass Fussich Julche ihre Ankündigung ’ich kumme bald wieder’ wahr macht und uns noch vor Weihnachten besucht.“ (kabu)