​Hilfe für Gaza per Schiff

​Israel weist Völkermord-Vorwurf zurück

Foto: Pixabay/Rudy And Peter Skitterians
Foto: Pixabay/Rudy And Peter Skitterians

DEN HAAG/GAZA: Israel will im Gazastreifen die Terrororganisation Hamas entmachten und ihr Bollwerk in Rafah zerschlagen. Kommt der Armeeeinsatz einem Völkermord gleich? Darüber wird vor einem UN-Gericht gestritten.

Israel hat Vorwürfe des Völkermords im Gazastreifen vor dem Internationalen Gerichtshof energisch zurückgewiesen und seinen Militäreinsatz in Rafah als Selbstverteidigung gegen die Terrororganisation Hamas gerechtfertigt. Die von Südafrika vorgebrachten Vorwürfe seien eine «Verdrehung der Wirklichkeit», sagte der Rechtsvertreter Israels am Freitag vor dem höchsten UN-Gericht in Den Haag.

Für die dringend benötigten Hilfslieferungen in den Gazastreifen gibt es nun einen neuen Weg: Erstmals fuhren Lastwagen mit humanitären Gütern über eine provisorische Anlegestelle des US-Militärs in das zerbombte Küstengebiet. Derweil gab die israelische Armee bekannt, die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk im Gazastreifen gefunden zu haben. Louk war am 7. Oktober beim Terrorangriff der Hamas in den Küstenstreifen verschleppt und später für tot erklärt worden.

Rafah der «letzte Zufluchtsort»

Der südafrikanische Eilantrag vor dem UN-Gericht wendet sich speziell gegen den seit fast zwei Wochen laufenden israelischen Militäreinsatz in Rafah. Die Stadt im Süden des Küstenstreifens sei der «letzte Zufluchtsort für etwa 1,5 Millionen Menschen», erklärten Vertreter Südafrikas. Ihr Leben sei in Gefahr. Die Richter müssten daher den Abzug Israels aus dem Gazastreifen anordnen und den «andauernden Völkermord» an der palästinensischen Bevölkerung stoppen.

Die israelischen Vertreter widersprachen vehement und sagten, Rafah sei ein «militärisches Bollwerk der Hamas», die Israel mit Raketen beschieße. Auch halte die Hamas noch immer zahlreiche Geiseln fest, die am 7. Oktober bei einem Überfall aus Israel verschleppt wurden. Israel sorge zudem für humanitäre Hilfe und tue alles zum Schutz der Zivilbevölkerung. Am Ende der Anhörung wurde eine Rechtsvertreterin Israels durch einen Zwischenruf unterbrochen. «Lügner», rief eine Frau. Sie wurde von Sicherheitsmitarbeitern aus dem Saal des Friedenspalasts geführt. Wann das Gericht über den Eilantrag entscheiden wird, steht nicht fest. Das Hauptverfahren zum Völkermordvorwurf wird sich über Jahre hinziehen.

Neue Anlegestelle - 90 Lkw-Ladungen Hilfsgüter pro Tag

Erst am Donnerstag hatte das US-Militär einen schwimmenden Pier an der Küste verankert, über den nun Lastwagen von Schiffen über den Strand in den Gazastreifen fahren können. Hintergrund ist, dass es im Gazastreifen bislang keinen Hafen gibt, der tief genug für größere Frachtschiffe ist. Nach Pentagon-Angaben sollen über die provisorische Anlegestelle zunächst etwa 90 Lkw-Ladungen pro Tag in den Gazastreifen gelangen. Zu einem späteren Zeitpunkt erwarte man bis zu 150 Lkw-Ladungen täglich.

Geplant ist, dass Frachter Hilfslieferungen von Zypern aus zunächst zu einer schwimmenden Plattform einige Kilometer vor der Küste bringen. Etwas kleinere Schiffe legen dann mit den beladenen Lkw an dem Pier an. Dort werden die Hilfslieferungen von Hilfsorganisationen entgegengenommen und verteilt. Hunderte Tonnen Hilfsgüter stünden auf Schiffen im östlichen Mittelmeer zur Auslieferung bereit, sagte Admiral Brad Cooper vom US-Zentralkommando.

Die Vereinten Nationen erklärten sich bereit, die Koordination von Hilfslieferungen zu übernehmen. «Nach monatelangen Gesprächen mit allen relevanten Behörden haben die Vereinten Nationen zugestimmt, beim Empfang und bei der Organisation der Auslieferung von Hilfsgütern vom Schwimmdock nach Gaza zu helfen», sagte Sprecher Farhan Haq am Freitag in New York. Verantwortlich ist dabei das Welternährungsprogramm WFP, das «die Registrierung, die Überwachung der Verladung und des Transfers der Waren» übernehme.

Heftige Kämpfe auch im Norden des Gazastreifens

Die Verteilung von Lebensmitteln ist schwierig, weil vielerorts gekämpft wird. Die israelische Armee gab an, etwa ihre Angriffe gegen die Hamas und andere bewaffnete Gruppen im Norden des Gazastreifens verstärkt zu haben. Am frühen Morgen bombardierten Kampfflugzeuge und andere Fluggeräte Waffenlager der Hamas in dem Flüchtlingsviertel Dschabalia, wie die Armee mitteilte. In der Folge seien israelische Truppen ins Zentrum vorgedrungen, wo sie sich Kämpfe mit Terroristen geliefert hätten. In den letzten Tagen seien rund 60 Terroristen getötet und von ihnen genutzte Infrastruktur zerstört worden. Ein israelischer Soldat erlitt nach Armeeangaben schwere Verletzungen.

Bewohner des Flüchtlingslagers beschrieben den israelischen Angriff als ungewöhnlich heftig. Er habe sich auch gegen Wohnhäuser und eine mit Flüchtlingen überfüllte Schule gerichtet. Den Darstellungen zufolge, die sich nicht unabhängig überprüfen ließen, würden die Toten auf die Straße geworfen. Auch setzte das Militär seinen Einsatz in Rafah fort. Im Osten der Stadt zerstörten die Truppen eine Raketenabschussstellung der Islamisten, wie die Armee mitteilte.

Baerbock: «Brauchen zunächst humanitäre Feuerpause»

Außenministerin Annalena Baerbock äußerte sich zurückhaltend zur Forderung der Arabischen Liga nach einer UN-Schutztruppe im Gazastreifen. «Dafür braucht es aber zunächst eine humanitäre Feuerpause», sagte die Grünen-Politikerin am Freitag vor einer Sitzung des Ministerkomitees des Europarats im französischen Straßburg.

Eine solche Feuerpause müsse endlich dafür sorgen, dass alle festgehaltenen Geiseln freikommen, das Leid der Menschen in Gaza gelindert werde «und dass wir auf einen politischen Pfad kommen können, wo die internationale Gemeinschaft, wo Schlüsselakteure sicherlich auch eine wichtige Rolle für die Sicherheit übernehmen müssen», ergänzte Baerbock. «Ansonsten wird das Drehbuch der Terroristen immer, immer weiter aufgehen. Und das wäre fatal für die Menschen in Gaza. Es wäre ebenso fatal für die Menschen in Israel.»

Armee: Leiche von Deutsch-Israelin Shani Louk im Gazastreifen gefunden

Die israelische Armee fand eigenen Angaben zufolge im Gazastreifen die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk, wie der Armeesprecher Daniel Hagari am Freitag mitteilte.Louk war zum Zeitpunkt des beispiellosen Angriffs zusammen mit Hunderten anderen jungen Menschen auf dem Supernova-Festival in Südisrael gewesen. Neben Louk wurden dem Armeesprecher zufolge zwei weitere Leichen von Festivalbesuchern gefunden. Alle drei seien auf dem Festival ermordet worden, teilte Hagari weiter mit. Ihre Leichen wurden demnach in der Nacht bei einem Sondereinsatz der Armee und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet im Gazastreifen geborgen. Nach der Identifizierung der Toten seien die Familien informiert worden. «Wir werden weiterkämpfen, um die Geiseln nach Hause zu holen», sagte Hagari.

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Jörg Obermeier 18.05.24 21:10
Ole Bayern 18.05.24 17:31
Als ein ganz niederschwelliges Angebot könnte man ja mal bei Wikipedia die Geschichte des Gaza-Streifens, wenigstens aus dem 20. Jahrhundert bis heute nachlesen. Vielleicht könnten Sie dann dem Mann aus ihrer kleinen Episode dankbar sein keine Machete gezogen zu haben, sondern nur ziemlich subtil auf das Problem aus seiner Sicht hingewiesen zu haben. Ich hätte da aber auch noch eine kleine Episode. Zu meiner Zeit in UK habe ich mal einen jüdischen und einen moslemischen Mitarbeiter in ein Team gesetzt. Das hat ein bisschen gedauert, die beiden haben ein paar Jahre später auch unsere Firma verlassen. Sie führen jetzt zusammen eine respektable, eigene Law Firm. Der eine ist kein Israeli und der andere kein Palästinenser. Aber auf so Nebensächliches wird hier sowieso nicht geachtet. Hauptsache pauschal immer feste druff.
Ole Bayern 18.05.24 17:31
Hierzu noch eine kleine Episode......
..letzte Woche selbst erlebt. Ich sitz im Büro beim kalkulieren, da rief mich mein Polier an, ich solle dringend auf die Baustelle kommen, hier stänkert Einer und es droht auszuarten.
Ich rein in meinen 8 - Zylinder ( Herr Stauss !! :-) ) zur Baustelle gefahren, da sah ich schon eine kleine Rudelbildung.
Eine Nachunternehmerfirma, geführt von einem Türken, war für uns tätig im Bereich Betonbau.
Hier waren offensichtlich auch syrische oder andere musl. Landsleute dabei für die Handlangertätigkeiten. Und einer von denen hatte die palästinensische Fahne sich auf beide Wangen geschmiert, ähnlich wie beim Fußball, war komplett im schwarzen Arbeitsoverall gekleidet, mit der Palästina Flagge als Stirnband.
Erst sagte mein Polier ihm recht deutlich, hier ist weder Palästina noch Israel noch sind wir hier auf einer Demo, er solle die Farbe im Gesicht und das Stirnband entfernen. Das machte er natürlich nicht, im Gegenteil, er beschimpfte meine Leute.
Normalerweise klären dies dann meine Leute vor Ort selbst , indem diese tätig werden .... aber bei einem Flüchtling muß man halt aufpassen nicht als Rassist dann in der Zeitung zu stehen, wenn man hier selbst " Hand anlegt ".
Also sagte ich ihm und seinen Chef dies nochmals ganz deutlich wie es hier auf der Baustelle abläuft. alles ohne Erfolg.
Ich habe dann von meinem Hausrecht gebrauch gemacht, und ihm Hausverbot ausgesprochen sowie des Grundstücks verwiesen, auch ohne Erfolg.
Die Durchsetzung erfolgte dann durch die Polizei.

VG Ole
Monruedee Kanhachin 18.05.24 15:40
Natürlich
können die Hamas die restlichen Geiseln nicht freilassen da sie mit ziemlicher Sicherheit von den ach so tugendhaften Gläubigen mit AK47's, längst ermordet und geschändet wurden. Dieser ganze frustrierte Haufen möchte nun mal nicht mehr nach dem Märtyrertod auf die versprochenen Jungfrauen im Jenseits warten, teils weil sie auch nicht so recht mehr daran "glauben" Israel muss weiter machen, jeder gutgemeinte Waffenstillstand und der Hang zur Menschlichkeit zivilisierter Regierungen, veranlasst Extremisten und Verbrecher bloss dazu dir ins Gesicht zu spucken.
Ling Uaan 18.05.24 14:01
Gaza Krieg,
schließe mich „der Meinung“ von Khun Ole Bayern an. Und möchte noch hinzufügen das ich es nicht verstehen kann das Leute im Westen pro Palästinenser sind und die Juden sogar des Völkermordes bezichtigen. Das unsere Facharbeiter aus dem Maghreb und dem Nahen und Fernen Osten das gut finden kann ich nachvollziehen, braucht man sich ja nur deren „heiligen Schriften“ zu Gemüte führen.

Daher kann ich es auch nicht verstehen dass man Muslime bei uns einbürgert, demnächst auch noch beschleunigt, anstatt sie abzuschieben, aber das ist ein anderes Thema.
Michael 18.05.24 12:00
@Ole Bayern 17.05.24 23:50
100% Zustimmung von einem "Na$$i", "AfD-Fanboy" oder auch einfach nur "VT".
Johann Mueller 18.05.24 11:10
@Ole Bayern 17.05.24 23:50
GM Khun Ole - Klarstellung; ich bin absolut nicht gegen Israel - dies ist eine Unterstellung - nicht nur für Israel - auch für mich, war es schockierend, als am Samstag 7. Oktober 2023 die Terrormiliz Hamas Israel angriff. Wer nicht weiss, wer die Hamas ist, dem ist ohnehin nicht zu helfen - für die aktuelle Notlage der palästinensischen Zivilbevölkerung ist ausschliesslich der Verursacher zuständig - das ist die Hamas und der Iran - die Hamas ist nach diesen Vorfällen auch keine "Terrororganisation", sondern eine perfide Mörderbande, welche ohne Skrupel vernichtet gehört ! Israels Premier, US-Präsident Biden, Irans oberster Kleriker Ali Chamenei (Ali Khamenei), die Chefs der Hamas - wer sind die teils sehr alten Männer, die nun über Krieg und Frieden in Israel und Gaza entscheiden ? In Israel demonstrieren weiterhin täglich Tausende Menschen gegen den Regierungschef Benjamin Netanjahu. Sie fordern den Rücktritt des Politikers und eine sofortige Freilassung der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln. Was ist der Unterschied zwischen Hamas & Palästina & wann war Frieden zwischen Israel und Palästina ? 25. Juli 1994: Israelisch-jordanischer Friedensvertrag, der am 25. Oktober 1994 unterzeichnet wurde. 14. Oktober 1994: Jitzchak Rabin, Schimon Peres und Jassir Arafat erhielten damals den Friedensnobelpreis. Fazit; heute alles nur noch Makulatur, d.h. m.E. unbenutzbar gewordenes Papier - für Israel & Palästina wünsche ich zukünftig, Gesundheit, Wohlfahrt, Frieden, Ruhe und Glück.
Jörg Obermeier 18.05.24 01:30
Ole Bayern 17.05.24 23:50
Dieses Thema hat unglaublich viele Facetten und Hintergründe. Das durch nichts zu rechtfertigende Massaker der Hamas war allerdings trotzdem nicht der Anfang des tagtäglichen Wahnsinns im Nahen Osten. Es darauf zu verkürzen hilft weder den Israelis, noch den Palästinensern und schon gar nicht um dieses anhaltende Morden zu beenden und irgendwann zu einem Frieden und notwendigen Ausgleich zu kommen. Ihre diesbezügliche Hau-drauf-Rhetorik eben so wenig.
Ole Bayern 17.05.24 23:50
Herr Mueller .....u.a.....
.... wären Sie auch so für pro Palästina und gegen Israel , wenn zwei Ihrer Kinder beim Rock - Festival erschossen , und das Dritte Kind nach Gaza verschleppt, und nach langen Qualen nun tot aufgefunden, worden wäre . Wie würden Sie dann denken ? Ich sah letztens so einen Bericht auf CNN , absolut schaurig und abscheulich ... der Bericht über das Leid der Familie aus Israel .
Frieden ja vollkommen klar, aber erst muß dieser Terrorhaufen vernichtet werden , und zwar ein für allemal .
Nur dann kann wieder Frieden einkehren im nahen Osten , auch müssen die Moslems endlich davon Abstand nehmen, den jüdischen Staat ausradieren zu wollen.
Die Terroristen könnten einen Waffenstillstand erwirken , wenn sie die restlichen Geiseln freiließen .
Dies tun sie aber nicht , und ich vermute zu wissen auch warum.
Es werden nicht mehr viele am Leben sein , und die noch am Leben sind können dann der Welt berichten , was dort für ein vorhautamputierter Abschaum das Sagen hat im Gazastreifen .
Die lassen ihr eigenes Volk leiden , sind sie doch aber der einzige Verursacher dieser Situation .
Und das haben die Terroristen auch von Anfang an gewußt , was dem Gazastreifen und der dortigen Bevölkerung blüht , nach so einem Terrorangriff auf Israel. Ich persönlich stehe daher 100 % zu Israel , befürworte aber natürlich keine Kriegsverbrechen und unbegründete Angriffe auf Zivilisten , das versteht sich von selbst. VG Ole
Johann Mueller 17.05.24 21:40
Spanien beweist Rückgrat....
News v. heute;, Spanien lässt Schiffe nicht anlegen die Waffen für Israel geladen haben - so habe man dem dänischen Schiff "Marianne Danica" die für den 21. Mai beantragte Einfahrt verweigert; der Nahe Osten brauche keine Waffen, sondern mehr Frieden, so Spaniens Aussenminister José Manuel Albares - ach wie wahr.