Finnlands Präsident verteidigt möglichen Nato-Beitritt ohne Schweden

Der finnische Präsident Sauli Niinisto besucht die Türkei. Foto: epa/Murat Cetin Muhurdar Handout
Der finnische Präsident Sauli Niinisto besucht die Türkei. Foto: epa/Murat Cetin Muhurdar Handout

STOCKHOLM/HELSINKI: Der finnische Präsident Sauli Niinistö hat den sich abzeichnenden Nato-Beitritt Finnlands ohne Schweden verteidigt. «Hätten wir der Türkei die Ratifizierung verweigern sollen? Das klingt etwas verrückt», sagte Niinistö nach der Ankündigung der Türkei am Freitag, zunächst nur den Beitritt Finnlands, nicht aber den Schwedens, ratifizieren zu wollen. «Es wäre eine sehr schwierige Situation gewesen, wenn wir Nein zu Ankara gesagt hätten», sagte Niinistö.

Er habe immer betont, man gehe «Hand in Hand» mit Schweden, soweit es in den Händen der nordischen Länder liege, sagte der finnische Präsident weiter. «Aber die Ratifizierung der finnischen Nato-Mitgliedschaft liegt in den Händen der Türkei und Ungarns.»

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hatten sich Finnland und Schweden im vergangenen Frühjahr gemeinsam um eine Mitgliedschaft in dem westlichen Verteidigungsbündnis beworben. Dem Beitritt müssen alle Nato-Mitglieder zustimmen.

Die Türkei sperrt sich aber bislang gegen einen Beitritt Schwedens. Ankara fordert von dem Land die Auslieferung von 120 Personen, die aus Sicht der Türkei «Terroristen» sind. Auch die Zustimmung Ungarns zu dem Antrag Schwedens steht noch aus. Den finnischen Beitritt will das ungarische Parlament dagegen am 27. März ratifizieren.

Seiner Einschätzung nach verschlechtere ein früherer Nato-Beitritt Finnlands nicht die Sicherheitssituation in Schweden, sagte Niinistö in dem Interview, das am Sonntagabend in voller Länge bei dem Sender SVT ausgestrahlt werden sollte. Er hoffe nicht, dass es lange dauere, bis Schweden Finnland in die Nato nachfolge.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Rudolf Lippert 19.03.23 20:00
Geschichtlich verständlich
Vor dem Überfall Russlands auf Finnland 1939 bot Stalin Finnland an: "Pass auf, wir möchten da mal einige Gebiete von eurem Land uns einverleiben, entweder ihr seid okay damit oder wir holen sie uns mit Gewalt durch Krieg". Die Finnen sagten Njet und haben gekämpft, verloren und sind letztlich ihr Land losgeworden. Das wurde nie in der Weltöffentlichkeit breiter erwähnt. Daher ist die finnische Angst gegenüber Russland (in welcher Staatsform auch immer) sehr verständlich. Allerdings hatte sich der Westen seinerzeit einen Dreck um Finnland und die durch die SU einverleibten Gebiete geschert. Auch nach dem Kriege wurde das nie thematisiert. Von daher würde ich den Finnen empfehlen nicht zu viel auf den Westen zu setzen, der hat sie schon mal betrogen. Denen würde ich nicht trauen.