KAKUMA/BAIDOA/ADDIS-ABEBA: Wasser ist Leben, lautet ein Sprichwort der Wüstenbewohner. Dürre und Ausbreitung von Wüsten gefährden Millionen Menschenleben im Sahel und am Horn von Afrika. Was kann man tun?
Der trockene Ackerboden ist von Rissen durchzogen. Doch gleich daneben ragen grüne Pflänzchen aus der Erde. John Lomulenog, Chef der Modellfarm nahe Kakuma in der nordkenianischen Region Turkana, ist stolz darauf, dass die Bauern hier die Wüste zum Grünen bringen - mit Hilfe wassersparender Tröpfchenbewässerung, Sammeltanks für Regenwasser und optimierter Verteilung des wertvollen Wassers, das für die Menschen hier den Unterschied zwischen Hunger und Ernte ausmacht.
Tröpfchenbewässerung und Sammlung von Niederschlägen
«Vor vier Jahren haben wir hier angefangen auf fünf Hektar Land», sagt Lomulenog, während um ihn herum Bäuerinnen mit dem traditionellen Perlenhalsschmuck der Turkana mit der Hacke das Farmland bearbeiten. Das Wasser fließt in dünnen Röhren in die Beete - eine Technik, wie sie schon länger auch in den Oasengärten der Sahara eingesetzt wird. «Wir bauen Hirse an, Okra, sogar Spinat.» Wer auf der Farm arbeitet, lernt nicht nur wassersparende Anbaumethoden, sondern darf auch für den heimischen Verbrauch ernten.
Seit Jahren wachsen in Afrika die Wüsten, greifen in den Halbwüste-Regionen im Sahel, im Norden Kenias und am Horn von Afrika um sich. Bauern und Nomaden in diesen Regionen brauchen neue Strategien, um ihre Existenz weiter zu sichern.
Hirten bangen ums Überleben ihrer Herden
Für Hirtenvölker, die mit ihren Kühen, Ziegen, Schafen oder Kamelen auf traditionellen Routen zu Weidegründen ziehen, ist in den vergangenen Jahren im Zuge der Klimakrise vieles unberechenbar geworden. Dürrejahre kommen in kürzeren Abständen. Das regelmäßig wiederkehrende Klimaphänomen El Niño führt vor allem im südlichen und südöstlichen Afrika typischerweise zu verringerten Regenmengen und längeren Trockenperioden. Der Klimawandel verstärkt die Effekte noch. Und gerade erst hat ein neuer El Niño begonnen, dabei ist der letzte erst drei Jahre her.
«Wenn das Vieh stirbt, ist das das Ende unserer Existenz», sagt Lochor Kaliba, ein älterer Turkana-Nomade. In Dürrejahren wandern die jungen Männer jetzt mit dem größten Teil der Herden weit fort, etwa ins benachbarte Uganda, um dort grüne Weiden zu finden. Die anderen versuchen, vor Ort zu überleben, etwa mit der Herstellung von Holzkohle im dürren Buschland.
Bäume sollen Boden festigen und Afrika wieder grüner machen
Doch Abholzung beschleunigt die Verschlechterung der Böden noch. Projekte wie das von der EU geförderte «Regreening Africa» versuchen gegenzusteuern. «Die Idee ist, dass wir Bäume - insbesondere einheimische Baumarten - wieder ansiedeln, vor allem in Trockengebieten», erklärt Mieke Bourne von der Landscape Alliance, mitverantwortlich für das Projekt. Eine zentrale Aufgabe sei, die Ursachen für Bodendegradation zu erkennen und zu minimieren.
Wichtig sei es zudem, vor allem die Bauern zu überzeugen, die in ihrer Gemeinschaft eine führende Rolle spielen. Wenn sie sich zu neuen Anbaumethoden und Techniken zum Erhalt von mehr Wasser entschließen, hat das erfahrungsgemäß Folgewirkung, wie Bourne sagt.
Teufelskreis von Dürren
Bis ein Baum herangewachsen ist, vergehen allerdings viele Jahre - Zeit, die die Menschen etwa am Horn von Afrika nicht haben, «Wir befinden uns in einer Art Teufelskreis», sagt Ali Mohamed Ali von der somalischen Nichtregierungsorganisation GREDO. «Vielleicht nicht jedes Jahr, aber nach zwei oder drei Jahren kommt eine neue Dürre - und damit Hunger.»
Auch jetzt hat das Hunger-Frühwarnsystem FEWS große Teile Somalias als potenzielle Hungergebiete ausgewiesen. Klimaflüchtlinge sind in dem Land am Horn von Afrika seit Jahren bittere Realität. «Die klimabedingten Auswirkungen haben ganze Lebensgrundlagen zerstört - und die Menschen strömen vom Land in die größten Städte», sagt Ali.
Resilienzprogramme sind möglich - doch das Geld fehlt
Theoretisch sei Unterstützung möglich: «Wir müssen hinaus in die ländlichen Gebiete gehen, um die Gemeinschaft mit der richtigen Hilfe zur richtigen Zeit zu unterstützen», meint Ali. Doch solche Resilienzprogramme sind mit erheblichen Investitionen verbunden - das Geld dafür fehlt.