Die bunten Stoffe glitzern, fühlen sich verschieden an, sind gestrickt, gewebt, dehnbar wie Elasthan, so leicht und dünn wie Chiffon und in jedem erdenklichen Farbton erhältlich. So facettenreich sie auch erscheinen, es handelt sich um ein und dasselbe Material: Thai-Seide.
„Diese 50 Proben sind Prototypen aus unserem „Modern Thai Silk“-Projekt, erklärt Dr. Chanchai Sirikasemlert, Direktor der Technischen Abteilung des Thailändischen Textil-Instituts. „Sie sind langlebig und einige Stücke sogar faltenfrei, was sie besonders angenehm für den täglichen Gebrauch macht.“
Ein Handwerk...
Auch wenn Thai-Seide für ihre hohe Qualität, einzigartigen Webtechniken und unverwechselbaren Muster einen hervorragenden Ruf besitzt, ist ihr goldenes Zeitalter vorbei. Der thailändische Nachwuchs, wie in vielen anderen Ländern der Welt auch, bevorzugt heutzutage zeitgemäße und weniger körperlich anstrengende Berufsfelder, statt das traditionelle und schwierige Handwerk des Seidenwebers. Nur noch die Großeltern der heutigen Generation wissen, wie man Seidenraupen züchtet und ihre Kokons erntet. Hinzu kommt die geringe Zahl an Landwirten, die Maulbeerbäume anbauen.
„Die klassischen Webmuster und Techniken sind für unsere Kultur sehr wichtig. Aber wie können wir sie am Leben erhalten, wenn es immer weniger Seidenbauern gibt?“, fragt Araya Ma-Inn, Vizepräsidentin der Arbeitsstelle für Wissens-Management und Entwicklung der Regierung. Ihr Büro, das thailändische Textilinstitut und die Queen-Sirikit-Abteilung für Seidenraupenzucht haben das „Modern Thai Silk“-Projekt initiiert, das der Thai-Seide neues Leben einhauchen soll. „Kreativität und Innovation sind gefragt, um unsere Seide von den Produkten anderer Exporteure, wie China und Vietnam, zu differenzieren“, erklärt Khun Araya. „Da wir nicht mit dem Exportvolumen oder den Dumpingpreisen anderer Länder mithalten können, müssen wir die hochwertige Qualität der Thai-Seide promoten und ihre Vielfalt erweitern, um den Ansprüchen der heutigen Modewelt gerecht zu werden.“

...erfindet sich neu.
„Modedesigner lieben Seide, aber sie benötigen Material, das den Bedürfnissen der Verbraucher und ihrem Lebensstil entspricht“, erklärt Dr. Chanchai. „Ornella Bignami und Daniele Aliverti der italienischen Modemarke „Elementi Moda“ folgend, bietet Thai-Seide nur eine begrenzte Auswahl an Farben, weshalb unsere Designer gefordert sind, stets die aktuellen Farbtrends zu verfolgen.“ Abhilfe soll eine neue Technik schaffen, die es erlaubt, vierfarbiges Seidengemisch-Garn zu produzieren. Dr. Pajaree Kewcharoenwong, Marketingdirektorin bei „Spun Silk World“ erklärt: „Die neue Technik ermöglicht es uns, mehr Farben zu produzieren. Wir mixen die Seide mit anderen Naturfasern, wie Baumwolle und Kaschmir, um die Beschaffenheit zu verbessern.“ Dr. Chanchai ergänzt, dass einige dieser Prototypen deutlich günstiger sind als Produkte aus reiner Thai-Seide, andere hingegen teurer, das sie mit sehr viel Drall gesponnen werden, wodurch mehr Garn verbraucht wird. „Dadurch ist sie leichter und weicher als herkömmliche Seide und ideal für heißes und feuchtes Wetter.“
Unter Thais hingegen gilt Seide als teuer, ungeeignet für den täglichen Gebrauch und schwer in der Pflege. Viele empfinden das Material als „zu speziell“ und kritisieren, dass es unbequem und nicht atmungsaktiv sei. Dem mag Dr. Chanchai widersprechen: „Seide selbst ist eine sehr geschmeidige und absorptionsfähige Naturfaser. Doch viele Schneiderinnen verwenden Futterstoff, was wiederum die Faser nicht mehr atmen lässt, wodurch sie steif erscheint.“
Er hofft, dass Thais wieder auf den Geschmack von Seide kommen, damit das Wissen über die Seidenraupenzucht ihrer Vorfahren nicht in Vergessenheit gerät.