Allianz-Chef fordert industriepolitische Strategie

Foto: epa/Marc Mueller
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BERLIN (dpa) - Allianz-Chef Oliver Bäte hat sich in der Debatte über chinesische Investoren in Deutschland für eine industriepolitische Strategie ausgesprochen. «Man sollte grundsätzlich darüber nachdenken, welche Sektoren für uns in Hinblick auf Technologie, Beschäftigung und andere Themen strategisch wichtig sind, und dies dann mit unseren Handelspartnern klar besprechen», sagte Bäte der «Welt am Sonntag»: «Egal ob Chinesen oder amerikanische Partner, wichtig sind klare Regeln, die sich nicht ändern.»

Er würde Chinesen nicht vorwerfen, dass sie gerne Hochtechnologie kaufen, sagte Bäte. «Vielmehr müssen wir uns als Gesellschaft in Deutschland und auch in Europa überlegen: In welchen Bereichen möchten wir gerne kompletten Freihandel und Wettbewerb und in welchen Bereichen nicht?» Freihandel berge schließlich auch viele Risiken. «Wir brauchen eine industriepolitische Strategie.» Die Bundesregierung will die Außenwirtschaftsverordnung ändern, um Käufe durch ausländische Unternehmen stärker kontrollieren zu können.

China hatte bekräftigt, seine Wirtschaft für ausländische Investoren weiter zu öffnen. Die Allianz - Europas größter Versicherer - darf als erster ausländischer Versicherer eine Holding in China gründen, ohne ein chinesisches Unternehmen beteiligen zu müssen. Laut Bäte überlegt sich die Regierung in Peking «sehr genau, wann und wie sie Wettbewerber ins Land lässt». Bis heute seien nur drei Prozent des chinesischen Versicherungsmarkts in den Händen von Ausländern.

Die Chinesen merkten jetzt, dass es ohne eine Öffnung in wichtigen Sektoren keinen gleichen Zugang zu anderen Märkten gebe, sagte Bäte. Sie öffneten sich vor allem für ausländische Finanzdienstleister. Deren Konkurrenz müssten sie nicht fürchten, weil sie selbst starke Banken und Versicherungen hätten.

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