Jeden Tag viel Neues im Garten entdecken

Von süßen Bohnen, der Königin der Seerosen und einer sturen Gans

Guabilla heißt diese Bohne in Peru: Um die Samen herum findet sich eine süße, wohlschmeckende Pulpe. Fotos: hf
Guabilla heißt diese Bohne in Peru: Um die Samen herum findet sich eine süße, wohlschmeckende Pulpe. Fotos: hf

Ich bin privilegiert, ich entdecke ständig neue Sachen in meinem großen Garten, wenn ich darin umherwandle. Und manchmal geht auch etwas verloren.

Gut geschützt sind unsere Gänschen hier vor Krähen.
Gut geschützt sind unsere Gänschen hier vor Krähen.

Der eine junge Gärtner hat seinen Motorradschlüssel im Garten verloren und kann am Feierabend nicht nach Hause fahren, doch er hat Schwein, nach nur fünf Minuten findet er ihn. Schon mehrfach sind scheinbar Gänse verschwunden, doch sie haben sich nur in den für sie installierten Betonröhren versteckt, um auf den dortigen Nestern Eier zu legen.

Plastikeier durch echte ersetzen

Aus einem einzigen Samen aus Mexiko, ist ein sieben Meter hoher Baum gewachsen.
Aus einem einzigen Samen aus Mexiko, ist ein sieben Meter hoher Baum gewachsen.

Das Eierlegen ist eine anstrengende Sache und kann Stunden dauern. Normalerweise legen die Gänse alle Eier über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen und fangen dann erst zu brüten an. In dieser Zeit entfernen wir die frisch gelegten Eier jeweils und ersetzen sie durch Plastikeier, die mit Wasser gefüllt sind. Dadurch schützen wir die Eier vor Waranen, Schlangen, Feuchtigkeit und Verschmutzung. Erst wenn die Gans die Plastikeier bebrütet, verlagern wir die werdenden Mütter in einen sicheren, trockenen Käfig und unterlegen ihr maximal sechs ihrer Eier, der Rest wandert in den Brutkasten.

Es war wieder mal so weit: Eine der „Röhrengänse“ hatte zu brüten angefangen, nach nur fünf gelegten Eiern. Wir holten sie aus ihrer Röhre und brachten sie in ihr neues Zuhause, gerade eben liebevoll mit frischem Stroh versehen. Doch diese sture Gans machte auf Obstruktion, sie schrie wie am Spieß und alarmierte die Sippe, die herbeikam und den Lärm vervielfachte. Und vor allem setzte sie sich nicht auf die vermeintlich fremden Eier.

Das Abmoosen funktioniert bei der Guabilla bestens.
Das Abmoosen funktioniert bei der Guabilla bestens.

Nach etwa vier Stunden gaben wir entnervt auf und die Gans kehrte auf die Plas­tikeier in der Röhre zurück. Als wir das Nest am nächsten Tag kontrollierten, hatte sie in der Nacht ein weiteres Ei gelegt. Wir ersetzten die Plas­tikeier durch echte und ließen der sturen Gans ihren Willen. Nach dem Schlüpfen werden wir sie rasch in ein sicheres Areal versetzen, wo die Krähen und Warane nicht an sie, beziehungsweise die jungen Gänschen, herankommen.

Süßer Bohnenbaum aus Peru

Vor fünf Jahren habe ich im peruanischen Amazonasgebiet die süße Bohne Guabilla (Inga marginata) kennengelernt. Die Samen sind von einer weißen Masse umgeben, die süß schmeckt. Ich habe einige Samen davon mitgenommen, und ein vielleicht sieben Meter hoher Baum ist daraus geworden, zwei andere serbeln. Der große Guabilla-Baum hat schon zweimal geblüht, bis jetzt aber noch keine Früchte produziert. Ich war deshalb froh, auf meiner Kolumbienreise ein paar Samen zu finden. Leider wurde nichts aus ihnen, wahrscheinlich hat sie ein Streifenhörnchen aus den Töpfen geklaut.

Die Königin der Seerosen blüht momentan gerade.
Die Königin der Seerosen blüht momentan gerade.

Doch in der Zwischenzeit bin ich bei der Vermehrung nicht mehr auf GuabillaSamen angewiesen, da das Abmoosen bei der Inga Marginata ausgezeichnet funktioniert. Bei dieser Art der vegetativen Vermehrung wird etwas Rinde rundum entfernt und eine Plastiktüte mit gemahlener Kokosnussschale angebracht, die etwas Wurzel Vitamin B enthält. Bei vielen Bäumen bilden sich dann an der behandelten Stelle Wurzeln. Sind die Wurzeln dicht genug, schneidet man den Ast ab, topft ihn ein und hat eine identische Pflanze, einen Klon, produziert, der bereits blühfähig und von ansehnlicher Größe ist: Eine Abkürzung in jeder Hinsicht.

Immer wieder weckt die Königin der Seerosen, Victoria cruziana, Erstaunen bei den Besuchern des Discovery Garden Pattaya. Momentan blüht sie gerade, Besucher sind weiterhin stets willkommen.

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.



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