MANAGUA: In Nicaragua regiert der sandinistische Ex-Guerillero Daniel Ortega mit harter Hand. Der Bischof kritisierte das Abspielen lauter Musik vor seiner Kirche. Damit soll er die Behörden verärgert haben.
Die autoritäre Regierung Nicaraguas hat Medienberichten zufolge den Vorsitzenden der Nicaraguanischen Bischofskonferenz aus dem mittelamerikanischen Land ausgewiesen. Der katholische Bischof der Stadt Jinotega, Carlos Enrique Herrera, sei nach Guatemala abgeschoben worden, berichteten unter anderem die Zeitungen «La Prensa» und «Confidencial». Der 75-Jährige ist bereits der dritte Bischof, der von der linksgerichteten Regierung Daniel Ortegas ausgewiesen wird.
Weder von der Regierung noch von der Bischofskonferenz gab es zunächst eine offizielle Stellungnahme. Medien beriefen sich auf kirchliche Quellen. Laut den Berichten soll Herrera ins Visier der Behörden geraten sein, nachdem er in seiner Predigt am vergangenen Sonntag kritisiert hatte, dass die Stadtverwaltung während der Messe eine Veranstaltung mit lauter Musik vor der Kirche veranstaltete.
Der frühere sandinistische Guerillero Ortega ist seit 2007 wieder im Amt. Nach dem Sturz der Somoza-Diktatur hatte er Nicaragua bereits von 1979 bis 1990 regiert, zunächst als Teil einer fünfköpfigen Junta und später als Präsident. Vor seiner umstrittenen Wiederwahl 2021 ließ er sieben Gegenkandidaten festnehmen. Seit den oppositionellen Massenprotesten im Jahr 2018 sind zahlreiche politische Gegner und Kirchenvertreter festgenommen und ausgebürgert worden.