Haftstrafen für Suu Kyi und australischen Berater

​Urteile 

Aung San Suu Kyi, die Staatsberaterin Myanmars. Foto: epa/Franck Robichon
Aung San Suu Kyi, die Staatsberaterin Myanmars. Foto: epa/Franck Robichon

NAYPYIDAW: Die Junta in Myanmar geht mit aller Härte auch gegen Ausländer vor. Jetzt fiel das Urteil gegen einen prominenten australischen Ökonomen, der Aung San Suu Kyi beraten hatte. Menschenrechtler sind entsetzt.

Ein von der Militärjunta in Myanmar kontrolliertes Gericht hat den australischen Wirtschaftsprofessor Sean Turnell zu drei Jahren Haft verurteilt. Dies bestätigten Justizquellen am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Der frühere Berater der entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi war kurz nach dem Militärputsch vom Februar 2021 festgenommen worden und musste sich wegen eines angeblichen Verstoßes gegen ein Gesetz zu Amtsgeheimnissen vor Gericht verantworten.

Neben Turnell sei auch Suu Kyi wegen des gleichen mutmaßlichen Vergehens zu drei weiteren Jahren Haft verurteilt worden, so die Quellen weiter. In den vergangenen Monaten war die Friedensnobelpreisträgerin wegen verschiedener angeblicher Straftaten - darunter Korruption und Anstiftung zum Aufruhr - bereits zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilt worden. Beobachter sprechen von Schauprozessen. Seit Juni sitzt die 77-Jährige in einem Gefängnis der Hauptstadt Naypyidaw in Einzelhaft.

Die australische Regierung hat immer wieder die Freilassung Turnells gefordert. Auch zahlreiche Professorenkollegen engagieren sich seit vielen Monaten für ihn. Seine Ehefrau Ha Vu schrieb auf Facebook, das Urteil breche ihr und der ganzen Familie das Herz. Ihr Mann habe Myanmar 20 Jahre lang unterstützt und hart für die Entwicklung des Landes gearbeitet. Sie forderte die Junta auf, ihren Mann freizulassen und nach Australien abzuschieben.

Vertretern aus Australien und Medien sei zuvor der Zugang zum Gerichtssaal in der Hauptstadt Naypyidaw untersagt worden, berichtete der australische Sender ABC. Turnell, der die Vorwürfe stets zurückgewiesen hat, saß seit seiner Festnahme zeitweise im für seine Foltermethoden berüchtigten Insein-Gefängnis in der größten Stadt Yangon (früher: Rangun). Mittlerweile wird er in einer Haftanstalt in Naypyidaw festgehalten.

Elaine Pearson, die Asien-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, sprach von einer «grausamen Ungerechtigkeit». Turnell habe nie angemessenen Zugang zu einem Rechtsbeistand gehabt. Die australische Regierung müsse Druck auf die Junta ausüben, damit Turnell sofort freigelassen und nach Hause geschickt werde.

Der Ökonom arbeitete schon seit einigen Jahren als Berater Suu Kyis, um die wirtschaftliche Entwicklung Myanmars zu unterstützen. In seiner Heimat war er zuvor unter anderem für die australische Zentralbank sowie die Macquarie University in Sydney tätig.

Seit dem Putsch regiert die Junta mit eiserner Faust. Auch Ausländer sind im Visier der Generäle. Anfang September wurde die ehemalige britische Botschafterin in dem Land, Vicky Bowman, wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ihr myanmarischer Ehemann, der Künstler Htein Lin, wurde der Beihilfe beschuldigt und ebenfalls zu einem Jahr Haft verurteilt. Auch internationale Journalisten wurden schon inhaftiert: Der US-Reporter Danny Fenster saß sechs Monate im Gefängnis, bevor er im November freigelassen wurde.

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