«The Times»: Krieg gegen die Ukraine schadet Russland
LONDON: Die britische Zeitung «The Times» kommentiert am Samstag die Folgen des Ukraine-Kriegs für Russland:
«Seit vier Jahren lässt sich Russlands Regierung alles Mögliche einfallen, um westliche Sanktionen zu umgehen. Sie bezieht wichtige Technologien aus China und setzt eine Schattenflotte von Tankern für den Ölexport ein. Doch die massive Umleitung von Ressourcen in den militärischen Bereich hat der zivilen Wirtschaft wichtige Investitionen entzogen, während die Rekrutierung von Soldaten für die Front - verbunden mit erheblichen Kosten für deren Sold - den Arbeitskräftemangel noch verschärft hat. Viele gut qualifizierte Hochschulabsolventen sind aus dem Land geflohen. Und Russland verliert mehr Soldaten, als es rekrutieren kann. (.)
Möglicherweise wird Russland auf den Einsatz von Wehrpflichtigen zurückgreifen müssen, um den Krieg fortsetzen zu können. Zudem wird es wohl weitere Einschränkungen der postsowjetischen Freiheiten in den Bereichen Arbeit, Märkte und Freizügigkeit verhängen müssen. Dabei hat der Versuch, jegliche Proteste durch Einschränkungen des Internetzugangs einzudämmen, bei jüngeren Russen - die ebenso süchtig nach sozialen Medien sind wie ihre westlichen Altersgenossen - für Unmut gesorgt und zugleich Wirtschaftsführer verärgert, die auf Online-Kommunikation angewiesen sind. Derweil lassen sich die steigenden Opferzahlen der «militärischen Spezialoperation» trotz öffentlicher Auszeichnungen für Tapferkeit und andauernder Pro-Kriegs-Propaganda immer schwerer verbergen.»