Mehrere Verletzte nach russischem Bombardement in Charkiw
CHARKIW: Charkiw ist eine der vom Krieg am schwersten getroffenen Städte in der Ukraine. Seit mehr als vier Jahren attackiert Russland die Metropole immer wieder. In dieser Nacht traf es erneut Zivilisten.
Bei einem schweren russischen Luftangriff sind in der ukrainischen Millionenstadt Charkiw offiziellen Angaben nach mindestens neun Menschen verletzt worden, darunter vier Kinder. Mehr als 40 private Wohnhäuser seien durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben in der Stadt beschädigt worden, teilte Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow bei Telegram mit.
Charkiw liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Die vor dem Krieg zweitgrößte Stadt der Ukraine ist damit eins der häufigsten Ziele russischer Angriffe und wurde in den vier Jahren Krieg stark zerstört.
CSU-Mann Weber: Kritik an EU-Ratspräsident «ein bisschen übertrieben»
BERLIN: António Costa hat ohne Absprache Kontakt mit Russland aufgenommen und viele europäische Staats- und Regierungschefs damit verärgert. Deren Reaktion findet der Europapolitiker Manfred Weber überzogen.
Der Europaabgeordnete und CSU-Vize Manfred Weber hat die Kritik am jüngsten Vorgehen des EU-Ratspräsidenten António Costa im Ukraine-Konflikt als «ein bisschen übertrieben» bezeichnet. Costa hatte mit einer unabgesprochenen Kontaktaufnahme zu Russland für Verärgerung gesorgt. Der Kabinettschef des Portugiesen habe technische Kontakte aufgenommen, sagte Weber dem Deutschlandfunk (DLF): «Das war nicht abgestimmt, insofern nicht optimal.»
Aber man habe so eine gute Woche beim EU-Gipfel gehabt, gab der Fraktionsvorsitzende der konservativen Parteienfamilie EVP im EU-Parlament zu bedenken. «Da finde ich, ehrlich gesagt, jetzt auch die Reaktion der Staats- und Regierungschefs gegenüber António Costa auch ein bisschen übertrieben.»
Die Russland-Initiative des EU-Ratspräsidenten wurde vor dem EU-Gipfel in Brüssel durch einen «Politico»-Bericht bekannt. Costas Büro bestätigte anschließend, dass es Kontakte mit Russland gegeben habe, um diplomatische Kanäle zu öffnen - ohne inhaltlichen Austausch und ohne Verhandlungen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte in der Sitzung nach den Beratungen zum Ukraine-Krieg klar, dass Costa der Repräsentant der Europäischen Union sei, aber nicht der Vermittler, wie es hieß. Andere Staats- und Regierungschefs äußerten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls Unmut, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Weber forderte, einen Schlussstrich unter die Angelegenheit zu ziehen, und gab als Motto «Zurück zu den Sachthemen» aus. Als Vertreter der EU würde er darauf beharren, «dass Europa insgesamt verhandeln muss», sagte er dem DLF. Russland sei in der Defensive, wirtschaftliche gehe es dem Land schlecht, die Angriffe der Ukraine seien zurzeit beachtlich. «Und dieses Momentum ist da und das müssen wir jetzt ergreifen.» Das Signal aus Brüssel an Kremlchef Wladimir Putin müsse sein: «Also wir wollen verhandeln.» Es brauche noch mehr Druck auf Moskau. Weber plädierte daher für eine Überprüfung der Sanktionen gegen Russland und Beratungen über weitere Maßnahmen mit den USA.