Tourismus boomt, doch nicht überall gleich

Statistik zeigt starke Kluft zwischen den Provinzen

Touristen vor dem Wat Phra Kaew in Bangkok: Die Hauptstadt erwirtschaftete zuletzt rund 899 Milliarden Baht an Tourismuseinnahmen und zählt damit zu den wichtigsten Einnahmezentren des Landes. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Touristen vor dem Wat Phra Kaew in Bangkok: Die Hauptstadt erwirtschaftete zuletzt rund 899 Milliarden Baht an Tourismuseinnahmen und zählt damit zu den wichtigsten Einnahmezentren des Landes. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Thailands Tourismus gilt als eine der wichtigsten Säulen der nationalen Wirtschaft. Gleichzeitig zeigt sich seit Jahren eine deutliche strukturelle Schieflage bei den Einnahmen: Während wenige große Destinationen den Großteil der Erlöse auf sich vereinen, bleiben zahlreiche Provinzen mit deutlich geringeren Einnahmen zurück.

Bereits 2018 hatte die Thailändische Tourismusbehörde (TAT) ein Modell eingeführt, das 22 Hauptprovinzen von 55 sogenannten „Second-Tier“-Destinationen trennte und diesen steuerliche Anreize sowie Fördermaßnahmen zugestand. Dennoch besteht die Ungleichverteilung weiterhin.

Fünf Provinzen dominieren Tourismuserlöse

Aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2025 verdeutlichen die Dimension des Problems. Nach Angaben des Ministeriums für Tourismus und Sport erwirtschafteten die fünf führenden Provinzen – Bangkok, Phuket, Chonburi, Surat Thani und Chiang Mai – zusammen mehr als zwei Billionen Baht der landesweiten Tourismuseinnahmen von rund 2,7 Billionen Baht. Laut Yuthasak Supasorn, Vorsitzender der Industrial Estate Authority of Thailand und ehemaliger TAT-Gouverneur, entfielen etwa 70 Prozent der Einnahmen allein auf diese fünf Regionen, während die zehn stärksten Provinzen rund 81 Prozent erzielten. Den verbleibenden 67 Provinzen blieb damit lediglich ein Anteil von 18,7 Prozent.

Besonders deutlich wird das Gefälle beim Vergleich einzelner Destinationen: Bangkok erwirtschaftete rund 899 Milliarden Baht und damit ein Vielfaches der 468 Millionen Baht der Schlusslicht-Provinz Amnat Charoen. Selbst Phuket, auf Platz zwei, übertraf mit 546 Milliarden Baht die gemeinsamen Einnahmen der 50 schwächsten Provinzen. In den großen Destinationen stammen zudem 92 Prozent beziehungsweise 69 Prozent der Erlöse von internationalen Gästen, während viele kleinere Regionen nahezu ausschließlich vom geringeren Inlandsreiseverkehr abhängig sind.

Kurze Stopps bremsen regionale Einnahmen

Yuthasak zufolge liegt das Problem weniger in der Verteilung der Besucherzahlen als vielmehr in der ungleichen Verteilung der Einnahmen. Dies spiegelt sich auch in statistischen Kennzahlen wider: Während der sogenannte Visitor-Gini-Koeffizient mit 0,55 auf eine moderate Ungleichheit bei den Besucherzahlen hinweist, erreicht der Revenue-Gini mit 0,82 ein sehr hohes Niveau bei den Einnahmen. Viele Reisende verweilen in den kleineren Provinzen nur kurz oder nutzen sie lediglich als Zwischenstopp, wodurch lokale Wertschöpfung begrenzt bleibt.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Anteil internationaler Gäste. Ein ökonometrisches Modell zeigt, dass jeder ausländische Tourist durchschnittlich etwa 40.000 Baht an Einnahmen generiert, während der Einfluss inländischer Besucher nahezu vernachlässigbar ist. Provinzen mit weniger als 10.000 internationalen Ankünften pro Jahr erzielen daher teilweise nur rund 2.000 Baht oder weniger pro Kopf. Diese Konzentration auf wenige Regionen birgt laut Yuthasak strukturelle Risiken, da Krisen oder Naturkatastrophen in einzelnen Destinationen die gesamte Branche empfindlich treffen könnten. Zudem verstärke sie Abwanderung in wirtschaftsstärkere Zentren und erschwere den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur in einkommensschwachen Regionen.

Nordostregion unter doppeltem Druck

Besonders deutlich zeigt sich die angespannte Lage in Nordostthailand. Witsuta Ruangrungsidiskul, Präsidentin des Tourism Council of Ubon Ratchathani, berichtete von mehreren negativen Faktoren im vergangenen Jahr. Grenzzwischenfälle mit Kambodscha ab Juli sowie strengere Maßnahmen der Einwanderungsbehörde gegen Visa-Runs hätten die Region belastet. Trotz einer Entspannung der Lage im November sank der touristische Umsatz in Ubon Ratchathani um 2,45 Prozent auf 666 Millionen Baht. Ähnliche Rückgänge verzeichneten die Grenzprovinzen Sisaket und Surin. Die durchschnittliche Hotelauslastung in Ubon Ratchathani fiel ebenfalls. Im November trugen ausländische Besucher lediglich 8,23 Millionen Baht zu den Gesamteinnahmen bei. Neben Hotels und Reiseveranstaltern meldeten selbst Michelin-ausgezeichnete Restaurants mehrmonatige Verluste.

Als mögliche Lösungsansätze verweisen Branchenvertreter auf internationale Beispiele. In Japan werden etwa kostenlose Inlandsflüge genutzt, um Besucher aus Metropolen in kleinere Städte zu lenken. Italien setzt mit dem Konzept des „Albergo Diffuso“ auf die Umwandlung leerstehender Dörfer in verteilte Hotelstrukturen, während Frankreich durch den Ausbau schneller Bahnverbindungen und Einschränkungen bei Kurzzeitvermietungen eine bessere regionale Verteilung anstrebt. Für Thailand könnten schnellere und günstigere Bahn- und Busverbindungen zwischen Haupt- und Nebenstädten, gezielte Steueranreize für Übernachtungen in schwächeren Regionen sowie die Aufwertung lokaler Unterkünfte nach internationalen Standards dazu beitragen, die Einnahmen breiter zu verteilen. Auch die Stärkung nationaler Buchungsplattformen mit geringeren Gebühren soll sicherstellen, dass mehr Einnahmen bei lokalen Betrieben verbleiben.

Konferenzen sollen Regionen stärken

Witsuta betonte zugleich, dass Förderprogramme für Second-Tier-Provinzen zwar bislang nur begrenzte Wirkung gezeigt hätten, jedoch weiterhin notwendig seien. Entscheidend sei vor allem die Stärkung der Nachfrage sowie der privaten Anbieter vor Ort, etwa durch die gezielte Ansiedlung von Konferenzen und Regierungsveranstaltungen. Der Staat solle dabei nicht als Konkurrent auftreten, sondern private Infrastruktur unterstützen, um eine nachhaltige Entwicklung in den schwächeren Regionen zu ermöglichen.

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Roman Knöpfel 20.02.26 16:30
@ Plante
Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen, alles Gute und das von Herzen, auch wenn wir unterschiedliche Auffassungen haben.
Plante HDV 20.02.26 16:20
R. Knöpfel 20.02.26 15:30
Sie haben Recht Herr Knöpfel. Ich habe etliche Jahre in Th. gelebt und mußte dann aus gesundheitlichen Gründen zurück nach D. Nicht weil etwa die medizinische Versorgung nicht gut genug wäre, sondern weil meine Komunikation mit den Ärzten (Deutsch / Thai ) nicht gut genug war. Mein Englisch war auch nicht zu gebrauchen. Meine Frau mußte früher einmal pro Jahr nach Bangkok in eine Spezialklinik. (Herzschrittmacher) Die gibt halt auch in anderen Ländern nicht überall.
Roman Knöpfel 20.02.26 15:30
@ Max Freden
Wenn ich den Kommentar von Plante richtig interpretiere, lebt der Herr in Europa und kommt nur ferienhalber nach Thailand. Daher der Spitalbesuch in BKK.
Max Freden 20.02.26 15:12
@Plante
Aber du gibst es ja selber zu, dass die medizinische Versorgung im Isaan nicht ausreicht, wenn man nach Bangkok muss mit gewissen medizinischen Sachen.
Roman Knöpfel 19.02.26 15:00
@ Max Freden
Du unterschätzt was aus den Universitäten in die Spitäler kommt. auch die Spitalinfrastruktur unterschätzt Du komplett! Waren die staatlichen Spitäler früher alte verlotterte Gebäude mit schlecht ausgebildeten Ärzten, hat es heute Topmoderne Spitäler mit Infrastruktur sich gar nicht zu verstecken brauchen! Wenn der Arzt im Regionalspital nicht weiter weiss,überweist er Dich ans Uni Spital in Khon Kaen, das von nur so von Professoren wimmelt. Mit einer Infrastruktur das mit jedem Privatspital mithalten kann. Natürlich liege ich im Regionalspital nicht im Einzelzimmer sondern in einem 8 Bettzimmer, aber wenn mir geholfen wird, geht mir der Komfort am Allerwertesten vorbei! Übrigens bezahle ich im Top ausgerüsteten Regionalspital mit der Pink ID, denselben Preis, den die Thais bezahlen! Gesundheitsattest für O-A Visa z. B. THB 50!! Der Untersuch umfasste alle üblichen Tests inkl. Blutuntersuchung! Hier im Bezirkspital, einer Sanitätsstelle in Europa ähnlich, gibt es Wundbehandlung, jeden Monat Blutzuckeruntersuchungen und sämtliche vom Staat vorgeschriebenen Impfungen, ales kostenlos. Bei den Privatspitälern bezahlst du einfach den Komfort, Einzelzimmer, Essensauswahl, privates WC & Dusche, TV im Zimmer, wer das braucht Okay, ich brauch es nicht.
Plante HDV 19.02.26 13:35
Ulrich Herzog 18.02.26 16:30
Aber aber Herr Herzog. Ich kann mir nicht vorstellen das Sie genügend vom Isaan kennen. Ich habe mein Haus bei Ubon Ratchathani seit 2008 in einer Siedlung namens Sarin (Ampö Warin). Einkäufe, Krankenhaus und diverses alles in der Nähe. Einzig meine Frau muß einmal im Jahr nach Bangkok. ( Herzschrittmacher) Leider bin ich seit einigen Jahren mit meiner Frau (Thailänderin) nur noch einmal jährlich in Th.
Max Freden 19.02.26 13:34
Roman Knöpfel
Du denkst aber nicht wirklich, dass die Ärzte im Isaan mit den Ärzten in den Privaten Krankenhäuser in Phuket, Bangkok usw. mithalten können? Das ist eine andere Liga, nicht schlechter als die Uni Kliniken in Europa!
Norbert Schettler 18.02.26 17:40
Ulrich Herzog
Den Altersruhesitz habe ich ins Spiel gebracht um den Gegensatz zum Tourismus aufzuzeigen. Ansonsten hat Roman die "Fortschritte" schon deutlich gemacht. Für die Erstversorgung bei kleinen Gebrechen ist das Andamei die erste Anlaufstelle und 1669 braucht zehn Minuten bis zu mir. Und nochmal 20 Minuten zur guten Klinik in der Stadt. Bei dem Verkehr in Pattaya oder Phuket ist man auch nicht schneller.
Das die Meinungen zum Leben im Isaan sehr unterschiedlich sind ist ja nichts Neues. Ein gewisses Alter habe ich schon erreicht und mit den Gebrechen, wenn sie denn mal kommen, bin ich hier relativ gut aufgehoben.
Roman Knöpfel 18.02.26 16:50
@ Ulrich
Ich lebe in einem Bauerndorf im Isaan. Ein keines Spital befindet sich 3 .5 km von meinem Dorf weg, der Sanitätsposten mit 2 vollausgerüsteten Krankenwagen 3 km weg, das Regional Spital mit allen erdenklichen Angeboten 25 km, auf die andere Seite ist es 25 km bis zu einer Topauswahl von Privat Spitälern, Universitätsspital, Zahnkliniken, Augenkliniken usw. Der Glaube, dass man im Isaan auch bei der Gesundheitsversorgung unter Niveau ist, hält sich hartnäckig und ist halt ebenso falsch.
Ulrich Herzog 18.02.26 16:30
Altersruhesitz im Isan
Da lauern aber einige Fallstricke , dann wenn ich alt und gebrechlich werde und das nächste Krankenhaus 80 Kilometer entfernt ist.
Aus Langeweile wird dann schnell Eile!
Roman Knöpfel 18.02.26 15:50
@ Ingo
Ich muss ihnen widersprechen. Im Isaan hat es sehr viele wunderbare Sehenswürdigkeiten die man besuchen kann. Ich bin aber sehr dankbar das nicht jeder Lappi dort vorbeischaut, so habe ich meine Ruhe.Der Mainstream Tourismus soll sich dort austoben, wo er seit Jahren präsent ist!
Ingo Kerp 18.02.26 13:50
So wunderbar es sich im Osten von Thailand, also im Isaan, leben läßt, so gibt es doch nur wenige Hotspots, die für Touris interessant sind. U.a. will die größte Zahl der Urlauber ans Meer, damit fällt der Osten weg. Die im Artikel erwähnte "Schlusslicht-Provinz Amnat Charoen" ist mit Sicherheit so unbekannt, das kaum ein Reisebüro den Ort als Urlaubsdestination anbietet.
Norbert Schettler 18.02.26 11:50
Das wird schwierig
Was sollte eine Touristenfamilie dazu veranlassen, von ihrem gewählten Urlaubsziel, sei es nun Phuket, Pattaya oder Chiang Mai, einen Kurzabstecher in den "fernen Osten" nach Ubon Ratchathani zu machen? An den Hotels und Restaurants kann es eigentlich nicht liegen, die sind im Preis Leistungsverhältnis m.E. voll auf Linie. Auch die Infrastruktur wird immer besser, z.Zt. werden viele der Highways ausgebaut und saniert. In der Regenzeit könnte man die Region bewerben, indem man z.B. das satte grün der Reisfelder hervorhebt. Ansonsten punktet natürlich die Freundlichkeit der Menschen im "wirklichen" Thailand immer noch. Als Altersruhesitz vollkommen ok, als Urlaubsdestination wohl eher nicht. Muss auch nicht sein, damit es noch lange so bleibt, wobei der Fortschritt auch hier deutlich zu spüren ist.

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