Tote bei Angriff auf Synagoge

Wallfahrt der jüdischen Gemeinde zur historischen Synagoge in Tunesien. Archivfoto: epa/MOHAMED MESSARA
Wallfahrt der jüdischen Gemeinde zur historischen Synagoge in Tunesien. Archivfoto: epa/MOHAMED MESSARA

TUNIS: Das jüdische Fest Lag Baomer markiert gewöhnlich einen Höhepunkt für die Gläubigen auf Djerba. In den Feierlichkeiten auf der tunesischen Insel kommt es zu einer Bluttat, die grauenvolle Erinnerungen weckt. Die Behörden bemühen sich, Ruhe wiederherzustellen.

Bei einem Angriff auf eine auch bei Touristen beliebte Synagoge in Tunesien während eines jüdischen Fests sind fünf Menschen getötet worden. Ein Angehöriger der tunesischen Küstenwache habe bei dem jüdischen Gotteshaus auf der Insel Djerba das Feuer eröffnet, teilte das Innenministerium nach der Tat am späten Dienstagabend mit. Demnach tötete er zunächst einen Kollegen und schoss dann «willkürlich» vor der Synagoge La Ghriba auf Wachleute sowie auf Besucher. Sicherheitskräfte töteten den Angreifer schließlich. Unter den Getöteten seien drei Sicherheitsleute.

Auch zwei Besucher der Synagoge kamen nach Angaben des Außenministeriums ums Leben: eine 30 Jahre alte Person aus Tunesien sowie eine 42 Jahre alte Person aus Frankreich. Vier weitere Besucher sowie fünf Sicherheitsleute wurden demnach verletzt. Die Behörden hätten Ermittlungen zu dem «feigen Angriff» aufgenommen. Angaben zu möglichen Motiven gab es zunächst nicht.

In der Synagoge findet in diesen Tagen das jüdische Fest Lag Baomer statt, zu dem jedes Jahr viele einheimische Gläubige sowie Pilger aus Israel, Frankreich und anderen Ländern anreisen. Israelischen Medienberichten zufolge hielten sich während der Tat rund 1000 Menschen in dem Gotteshaus auf. Nach tunesischen Angaben nahmen dieses Jahr rund 7000 Menschen an der Pilgerfahrt teil. Während des Fests gelten jedes Jahr besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen.

Tunesien ist unter anderem bei deutschen Urlaubern ein beliebtes Reiseland. Die Sicherheitslage gilt generell als stabil. Es gab in Tunesien aber auch immer wieder tödliche Terroranschläge, darunter im Jahr 2002 ein Anschlag der Terrororganisation Al-Kaida auf dieselbe Synagoge. Unter den 20 Todesopfern waren seinerzeit auch 14 deutsche Touristen. Auch in vergangenen Jahren gab es eine Reihe tödlicher Angriffe, darunter in der Hauptstadt Tunis.

Es gebe auch jetzt in Djerba «Hinweise auf einen Terroranschlag», sagte der Journalist und Analyst Hafiz Al-Ghribi arabischen Fernsehsendern, ohne Details zu nennen. Bei dem Fest sei zunächst alles geordnet abgelaufen, bis plötzlich Schüsse zu hören gewesen seien. Einige hätten die Schüsse für Feuerwerkskörper gehalten.

«Diese Attacke gegen unabhängige Menschen wird die Einheit des Landes nur stärken», teilte das Außenministerium mit. Der Widerstand gegen «alle Arten von Verbrechen» werde weitergehen. Absagen für geplante Besuche von Touristen habe es nach der Tat zunächst nicht gegeben, sagte Tourismusminister Mohamed al-Moez Belhassine während eines Besuchs am Tatort laut der Staatsagentur TAP. Die Lage habe sich seit Mittwoch früh wieder beruhigt.

In sozialen Medien verbreitete Videos schienen zu zeigen, wie Menschen panisch durch ein Nachbargebäude der Synagoge laufen, während Schüsse zu hören sind. Die mit tunesischen Flaggen geschmückte Karawanserei - ursprünglich eine Herberge für Reisende - ist wie die Synagoge selbst Schauplatz der Feierlichkeiten.

Tunesien unterhält keine diplomatischen Verbindungen zu Israel, lässt dessen Bürger aber im Rahmen organisierter Touren zum Fest ins Land. In Tunesien selbst leben nach Angaben der jüdischen Gemeinde nur noch rund 1800 Juden, die meisten auf Djerba. Mitte des 20. Jahrhunderts hatte es noch ungefähr 100.000 Juden in Tunesien gegeben.

Lag Baomer ist ein jüdisches Freudenfest. Es unterbricht traditionell die Trauerzeit zwischen dem Pessach-Fest - das der Befreiung der Juden aus der Sklaverei der ägyptischen Pharaonen gedenkt - und dem Erntedankfest Schawuot.

Die bei Touristen beliebte Synagoge La Ghriba auf Djerba mit ihren prachtvoll gestalteten Innenräumen stammt aus dem Jahr 1920. Ihr Grundstein soll aus dem zerstörten Tempel von Jerusalem stammen.

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