Thai-Polizeigeneral beantragt Asyl in Australien

In der Nähe des thailändischen Grenzortes Sadao an der malaysischen Grenze wurden im Mai Massengräber gefunden –Flüchtlinge wurden in Camps wie Tiere gehalten und Dutzende totgeschlagen.
In der Nähe des thailändischen Grenzortes Sadao an der malaysischen Grenze wurden im Mai Massengräber gefunden –Flüchtlinge wurden in Camps wie Tiere gehalten und Dutzende totgeschlagen.

UPDATE-BANGKOK: Einer der höchst dekorierten und anerkanntesten Polizeigeneräle Thailands fürchtet in seinem Heimatland um sein Leben. Generalmajor Paween Pongsirin (57) hat sich nach Australien abgesetzt und dort überraschend politisches Asyl beantragt.

Wie die australische Tageszeitung ‚The Guardian‘ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, hat sich der ehemalige Chefermittler im Falle tödlichen Menschenschmuggels in Thailand durch seine Arbeit selbst in Lebensgefahr gebracht. Pongsirin schildert gegenüber den Journalisten in erstaunlicher Offenheit, wie er während seiner Ermittlungen auf Verbindungen höchster politischer, polizeilicher und Armeekreise in illegalen Menschenhandel gestoßen sei.

Generalmajor Paween Pongsirin war im Mai nach dem Auffinden Dutzender von Leichen im thailändisch-malaysischen Grenzgebiet bei Sadao als Leiter einer eiligst eingesetzten Sonderkommission berufen worden. Seither sind in diesem Gebiet immer wieder Camps aufgespürt worden, in denen Tausende von Flüchtlingen aus Myanmar, Bangladesch und China zusammengetrieben worden waren. Viele von ihnen waren unter falschen Versprechungen nach Thailand gelockt worden und sollten dort gut bezahlte Arbeit vermittelt bekommen und nach Malaysia transportiert werden. Sie wurden misshandelt, schlecht versorgt und manche bei Widerspruch mit Knüppeln und Eisenstangen totgeschlagen.

Als einem Burmesen im April 2015 die Flucht aus einem der als Todeslager bezeichneten Camps gelang, sorgten seine Enthüllungen für einen der grössten Polizeieinsätze in Thailands Geschichte. Paween Pongsirin und seine Sonderermittler fanden schnell heraus, dass hinter dem Menschenschmuggel einflussreiche einheimische Rädelsführer steckten. Je weiter er in seinen Ermittlungen vorgestoßen sei, so der Generalmajor gegenüber den Journalisten, desto klarer sei gewesen, dass die jahrelang anhaltende Ausbeutung und Ermordung hilfloser Flüchtlinge nur mit Hilfe höchster Stellen aufrecht zu erhalten war.

Paween Pongsirin erhielt laut eigenen Aussagen bereits während seiner Untersuchungen offene Drohungen. Als er im Herbst dieses Jahres plötzlich in eine der südlichen Unruheprovinzen Thailands versetzt werden sollte, witterte der altgediente Polizeioffizier eine tödliche Falle. „Dort sitzen einige der Auftraggeber dieses Falles“, sagt Pongsirin, „trotz meiner Bedenken um die Sicherheit meines Lebens hielt die Armeeführung Thailands aber an meiner Versetzung fest.“

Der 57 jährige flüchtete kurz darauf aus Thailand und wartet nun im australischen Melbourne auf die Entscheidung über sein künftiges Schicksal. Sein Antrag auf politisches Asyl in Australien sei die einzige Chance, ein halbwegs sicheres und unbeschwertes Leben führen zu können“, erklärt Pongsirin. „Es tut mir in der Seele weh und ich vermisse meine Heimat“, fügt er hinzu. An eine Rückkehr nach Thailand sei aber derzeit nicht zu denken. „Die Leute, mit denen ich mich angelegt habe, besitzen mehr Einfluss als ich – und sie trachten mir nach dem Leben.“

Heute Abend wird der weltweit ausgestrahlte australische Fernsehsender ABC einen ausführlichen Beitrag mit der Geschichte des geflüchteten Polizeigenerals bringen. Nach seinen Ermittlungen in der weitreichenden Menschenschmuggel-Affäre sind bisher 153 Haftbefehle ausgesprochen worden, 88 Personen wurden offiziell angeklagt – darunter laut Paween Pongsirin ein prominenter Armeegeneral. Noch gibt es keine Verurteilungen. Pongsirin bezweifelt, dass die ganz großen Hintermänner jemals einen Gerichtssaal von innen sehen werden.

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Sitting Bull 12.12.15 01:01
Lieber Herr Pongsirin.
Vielen Dank fuer diese offenen Worte. Es wurde Zeit diese diese mittelalterlichen Praktiken an die Oeffentlichkeit zu bringen. Es ist ein Skandal, der lange schon bekannt war und einfach ignoriert wurde. Ich hoffe, das Sie umfangreiches Beweismaterial dabei haben. Zudem hoffe ich das hiesige Medien den Mut aufbringen die Verantwortlichen und Nutzniesser dieser Verbrechen zu benennen und die Regierung Prayuth Worten auch Taten folgen laesst.
Jürgen Franke 11.12.15 18:31
Dass im einem
Rechtsstatt derartige Dinge anders laufen, wie im vorliegenden Fall, würde ich nicht unbedingt behaupten. Sam Gruber wird uns wissen lassen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Eigene Vermutungen hier anstellen zu wollen, halte ich für sehr gewagt.

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