ZÜRICH: Zur Rolle des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel in Ankara heißt es am Dienstag im Schweizer «Tages-Anzeiger»:
«Gastgeber Erdogan wird offenen Streit mit allen Mitteln vermeiden wollen. Der Nato-Gipfel ist für den Türken eine unschätzbar wichtige Bühne. (...) «Europa braucht die Türkei mehr als die Türkei Europa»: Mit diesem Satz setzte Erdogan vor dem Gipfel den Ton. Er dachte dabei nicht nur an die Geografie, die sein Land zum unverzichtbaren Eckstein an Europas sehr unruhiger Südostflanke macht, Stichwort Iran, Syrien, Irak. Er dachte dabei gewiss auch an Russland. Wie Trump sieht Erdogan sich als Mittler zu Putin, nicht als Gegner.
Die Türkei hat bisher alle Erklärungen der Nato zum russischen Angriffs- und Vernichtungskrieg in der Ukraine unterstützt, als einziges Mitglied trägt sie jedoch die Sanktionen gegen Russland nicht mit. Ankara liefert Kiew viele Waffen, schweigt darüber aber lieber. Es hat militärische und wirtschaftliche Abhängigkeiten von Russland reduziert, unterhält aber gleichwohl gute Beziehungen - und könnte auch in einem Friedensprozess eine Schlüsselrolle spielen.
Die türkische Rüstungsindustrie, die unter Erdogan boomt, könnte für die Wiederaufrüstung Europas bedeutsam werden. Türkische Angriffsdrohnen gehören zu den innovativsten auf dem Markt, auch in anderen Bereichen, etwa bei der Herstellung von Granaten, könnte die Türkei als Partnerin dienen, die der schleppend anlaufenden Rüstungsproduktion in Europa auf die Sprünge hilft.»