ANKARA: Vor dem Nato-Gipfel in Ankara werden zahlreiche Akkreditierungen türkischer Journalisten abgelehnt. Die Gründe sind unklar. Reporter ohne Grenzen fordert mehr Transparenz.
Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara haben zahlreiche türkische Journalisten den Ausschluss von dem internationalen Treffen beklagt. Der Türkei-Vertreter von Reporter ohne Grenzen, Erol Önderoglu, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein Großteil der türkischen Medien, darunter sehr bekannte Journalisten, hätten keine Akkreditierung erhalten und würden damit vom Gipfel ausgeschlossen.
Unter anderem teilten die oppositionelle Zeitung «Cumhuriyet» sowie die oppositionellen Sender Sözcü und Halk TV mit, keine Akkreditierung erhalten zu haben. Die Gründe für die Entscheidung könne nicht genannt werden, heißt es demnach in der Absage.
Der Journalist Deniz Zeyrek schrieb auf X, er sei seit 32 Jahren in dem Geschäft, habe jahrelang als diplomatischer Korrespondent gearbeitet und dabei über zahlreiche Nato-Treffen und Gipfel berichtet, unter anderem über die in Washington und Brüssel - aber in seinem eigenen Land werde er nicht zugelassen. Dabei sei auffällig, dass der Regierung nahestehende Medien akkreditiert worden seien, unabhängige aber nicht.
Reporter ohne Grenzen fordert Transparenz
Das Akkreditierungsverfahren sei nicht nachvollziehbar, völlig intransparent, und es gebe keine Einspruchsmöglichkeit, kritisierte Önderoglu. «Wir fordern ein faires Vergabeverfahren.»
Die Nato teilte auf X mit, sie verlasse sich bei Gipfeltreffen außerhalb des Hauptquartiers auf die Einschätzung des Gastgeberlandes hinsichtlich der Journalisten im eigenen Land, um den Zugang zum Veranstaltungsort zu gewährleisten. Man stehe mit den türkischen Behörden in Kontakt. «Es ist wichtig für die Nato, dass Medienvertreter persönlich an Großveranstaltungen teilnehmen können.»
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Iyi-Partei Turhan Cömez und frühere Abgeordnete der Regierungspartei AKP sagte, er gehe davon aus, dass die Regierung eine Liste mit einer Vorauswahl an Medien an die Nato weitergegeben habe, die wiederum final für die Akkreditierung zuständig sei. Von den türkischen Behörden lag zunächst keine Stellungnahme vor.
Menschenrechtler prangern Unterdrückung vor Nato-Gipfel an
Der Nato-Gipfel in Ankara sorgt schon seit Wochen für Unmut bei der Bevölkerung, die sich auf zahlreiche Einschränkungen einstellen müssen.
Am Dienstag hatten die Behörden Medienberichten zufolge die Wohnungen von Gewerkschaftern, Anwälten und linken Aktivisten durchsucht und mehr als 200 Menschen festgenommen. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) warf der türkischen Regierung vor, die Anti-Terror-Gesetze zu missbrauchen, um Menschen vor dem Nato-Gipfel mundtot zu machen. Dies widerspreche den Gründungswerten des Bündnisses, sagte Benjamin Ward, stellvertretender HRW-Direktor für Europa und Zentralasien. Die Organisation wies zudem auf schon länger anhaltende Repressalien gegen die Opposition hin.