Litauen-Einsatz notfalls per Befehl

Friedrich Merz begrüßt Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer beim Veteranentag in Berlin. Foto: EPA/Hans-christian Plambeck
Friedrich Merz begrüßt Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer beim Veteranentag in Berlin. Foto: EPA/Hans-christian Plambeck

PABRADE: 4.800 deutsche Soldaten sollen bis Ende 2027 in Litauen stationiert werden. Der Verteidigungsminister setzt auf Freiwilligkeit. Er räumt aber ein, dass er damit wohl an Grenzen stoßen wird.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat versichert, dass die deutsche Panzerbrigade in Litauen mit 4.800 Soldaten bis Ende 2027 voll einsatzfähig sein wird. Bei seinem Besuch der ersten Übung der Truppe in Pabrade nahe der Grenze zu Belarus betonte er, dass er Soldaten zum Einsatz an der Ostflanke der Nato verpflichten werde, falls sich in Spezialbereichen nicht genug Freiwillige melden. «Die Einsatzbereitschaft hat höchste Priorität», betonte er. In einem ARD-Interview war er bereits vor seiner Reise konkret geworden: Man gehe derzeit davon aus, dass «90, 95 Prozent wahrscheinlich freiwillig kommen werden».

Die Stationierung der Panzerbrigade in Litauen wurde von der Bundesregierung als Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch Russland zugesagt. Sie gilt als zentrales Element zur Stärkung der Nato-Ostflanke und soll zur Abschreckung und Verteidigung des Bündnisgebiets beitragen. Die künftig 4.800 Soldaten des Kampfverbands sollen von 200 zivilen Mitarbeitern unterstützt werden. Bislang sind rund 1.800 Angehörige der Bundeswehr in Litauen stationiert.

Bisher nur Freiwillige an der Nato-Ostflanke

Nach Angaben des Verteidigungsministers haben sich bisher alle freiwillig entschieden, in den Auslandseinsatz zu gehen. Engpässe könnten aber vor allem in Spezialbereichen wie Technik, Logistik oder der ABC-Abwehr entstehen, sagte er der ARD. Dort sei der Kreis möglicher Bewerber deutlich kleiner als bei den Kampftruppen. Sollten die Freiwilligenzahlen nicht ausreichen, gebe es zunächst Personalgespräche. «Und im Zweifel wird dann auch eine Verpflichtung ausgesprochen», sagte Pistorius.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, verwies in Pabrade darauf, dass eine Armee nicht nur durch freiwilligen Dienst funktioniere und Soldaten daran gewöhnt seien. «Wir werden sicherstellen, dass sie ihre Mission zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhalten. Und wir werden Ende 2027 einsatzbereit sein. Punkt.», sagte Freuding. Darauf könne sich Litauen verlassen.

Mit der Verlegung der Brigade betritt die Bundeswehr militärisch Neuland. Im Gegensatz zu allen bisherigen Auslandseinsätzen handelt es sich dabei um die dauerhafte Stationierung eines Großverbandes im Ausland.

Pistorius in Flecktarn auf einem Boxer-Panzer

Pistorius und Freuding verfolgten in Pabrade die erste Übung der Panzerbrigade 45 auf litauischem Boden, nur 20 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Pistorius sah sich den Kampf gegen feindliche Einheiten mit Kampfpanzern, Kampfjets und Hubschraubern von einem Boxer-Radpanzer aus an - in Flecktarn-Jacke der Bundeswehr und mit Sonnenbrille und Kopfhörern.

Für die Übung «Freedom Shield 2026» wurden rund 2.900 Soldaten - darunter 2.300 aus Deutschland - und rund 800 Fahrzeuge aus acht Nato-Staaten auf dem Truppenübungsplatz Pabrade zusammengezogen. «Ich bin wirklich beeindruckt», sagte Pistorius. Die Übung sei «ein klares Signal unserer Stärke und Entschlossenheit.»

Aufbau von Militärinfrastruktur läuft auf Hochtouren

Hauptstandort der Brigade wird Rudninkai nahe der Grenze zu Belarus sein. Die Kaserne wird in einem Waldgebiet liegen, das im Mai 2022 kurz nach Russlands Großangriff auf die Ukraine per Sondergesetz zu einem Truppenübungsplatz der litauischen Armee erklärt wurde. Rund 35 Kilometer von der Hauptstadt Vilnius entfernt wird nahe dem kleinen Dorf eine ganze Militärstadt für die deutschen Truppen aus dem Boden gestampft. Nur rund 1,5 Kilometer vom Ortszentrum des 500-Seelen-Dorfes entfernt entstehen Kasernen, Waffen- und Munitionsdepots, Logistikflächen und Hallen für die Unterbringung und Wartung von Panzern und anderen Gefechtsfahrzeugen.

Die Arbeiten am größten militärischen Infrastrukturprojekt in der Geschichte Litauens laufen auf Hochtouren - die ersten Bauten stehen bereits. Die Regierung in Vilnius versicherte wiederholt, dass die von litauischer Seite finanzierte Infrastruktur für den Einsatz der Brigade rechtzeitig stehen werde und man sogar mehrere Monate vor dem Zeitplan liege. Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas betonte nach seinem Treffen mit Pistorius, dass Litauen alles dafür tun werde, um die notwendige militärische und zivile Infrastruktur für deutsche Soldaten zu schaffen.

«Die Sicherheit Litauens ist auch unsere Sicherheit»

Dass absehbar rund 5.000 Bundeswehr-Soldaten dauerhaft mit ihren Familien nach Litauen ziehen werden, bedeutet den Menschen in dem Ostseestaat viel. Nicht nur in Umfragen erfährt die Stationierung der Brigade eine hohe Zustimmung und viel Sympathie. Selbst in einem litauischen Schulbuch wird ihr Beitrag für die Sicherheit Litauens schon erwähnt.

Deutlich sichtbar wurde die Wertschätzung auch beim Aufstellungsappell im Mai 2025 auf dem Kathedralenplatz von Vilnius: Tausende Litauer wohnten der vom litauischen Fernsehen auch live übertragenen feierlichen Zeremonie bei. Daran nahm auch Bundeskanzler Friedrich Merz teil, dessen Worte zu den gemeinsamen Sicherheitsinteressen von Deutschland und seinem Nato-Partner im Dezember 2025 an der Wand des historischen Rathauses verewigt wurden: «Die Sicherheit Litauens ist auch unsere Sicherheit. Der Schutz von Vilnius ist der Schutz von Berlin.»

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Plante HDV 23.06.26 20:20
A. Kanne 23.06.2026 16:20
Ihre Wattebällchen beweisen doch nur wie phlegmatisch Sie dieses Thema erkennen. Währenddessen hatte ich in der Vergangenheit mein ganz persönliches Erlebniss welches mich sehr nachdenklich machte. Ohne Namen zu nennen, kann ich von einem Mann erzählen. Ein hochrangiger Polizeibeamter, gleichzeitig als SEK-Ausbilder tätig, hatte eines Tages das Bedürfnis nicht mehr mit der Waffe zu arbeiten und für seine Überzeugung auch seine berufliche Laufbahn zu riskieren. Er wurde dann in den Innendienst versetzt. Aber eine solche Überzeugung und diese auch persönlich durchzusetzen, daß hat meine Bewunderung für seinen Charakter erzeugt. Schade das es nur wenige solche Menschen gibt, aber viele die sich an ihre Schulzeit mit Wattebällchen werfende böse Buben erinnern.
Andy Kanne 23.06.26 16:20
Plante HDV
Leider kann man mit dem Werfen von Wattebällchen den bösen Buben nicht von seinen Untaten abhalten. Denken Sie nur an ihre Schulzeit zurück. Mit Wortphrasen konnte der Klassenschläger nicht gestoppt werden.
Plante HDV 23.06.26 14:50
I.Kerp 23.06.26 13:00
Ja, der Selbsterhaltungstrieb. Er ist eine schöpferische und sinnvolle Einrichtung. Würden nur alle Menschen sich weigern eine Waffe in die Hand zu nehmen bzw. den Wehrdienst verweigern, gäbe es auf unserem Planeten nicht solch üble Kriege, und der Selbsterhaltungstrieb hätte größere Chancen. Das was sinnvoll wäre gilt heute als unmöglich. Noch schlimmer, dieser Zustand gilt als normal. Warum ist das so? Weil der größte Teil der Gesellschaft egoistisch denkt und nicht an den Nächsten.
Ingo Kerp 23.06.26 13:00
Wer sich zur Bundeswehr freiwillig meldet und damit bereit ist auch eine Kampfhandlung in Kauf zu nehmen bei der er oder sie u.U. auch getötet werden kann, scheint nach Ansicht Nichtgedienter sein Land, oder im vorliegenden Fall die EU, über sein Leben zu stellen. Das scheint Fatalismus zu sein, bei dem der Selbsterhaltungstrieb ausgesetzt wird.

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