Gletscher schrumpften 2022 um drei Kubikkilometer

Blick auf den Pizolgletscher am Rande einer Gedenkfeier für das Gletschersterben am Pizol in Mels. Foto: epa/Gian Ehrenzeller
Blick auf den Pizolgletscher am Rande einer Gedenkfeier für das Gletschersterben am Pizol in Mels. Foto: epa/Gian Ehrenzeller

BERN: Die Gletscher in den Schweizer Alpen sind dieses Jahr laut Wissenschaftlern so stark geschmolzen wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen vor etwas mehr als 100 Jahren. Wegen der geringen Schneemengen im Winter und der anhaltenden Hitzewellen im Sommer gingen rund drei Kubikkilometer Eis verloren, wie eine Expertenkommission der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz am Mittwoch berichtete. Das entspricht mehr als sechs Prozent des Gletschervolumens.

Im Zuge des Klimawandels fiel schon in vergangenen Jahren in tieferen Lagen weniger Schnee, während die Schmelzperiode immer früher im Jahr einsetzte. Laut der Akademie war die Schneedecke, die die Gletscher vor der Sonne schützt, im vergangenen Frühling so dünn wie selten zuvor. Dazu kamen zwischen März und Juni große Mengen an Saharastaub. Der verunreinigte Schnee nahm deshalb mehr Sonnenenergie auf und schmolz schneller, hieß es. Die starke Sommerhitze habe dem Eis dann weiter zugesetzt.

Im Mittelwert verloren die Schweizer Gletscher dieses Jahr drei Meter an Dicke, wie die Messungen ergaben. Kleinere Gletscher wie der Pizolgletscher, der Vadret dal Corvatsch und der Schwarzbachfirn seien jetzt praktisch verschwunden, berichtete die Akademie. Die Messungen wurden deshalb dort eingestellt.

Laut der Akademie spielen Gletscher besonders in heißen und trockenen Jahren eine wichte Rolle für den Wasserhaushalt und die Energieversorgung der Schweiz. «Alleine die Eisschmelze in Juli und August hätte genügend Wasser geliefert, um sämtliche Stauseen der Schweizer Alpen von null auf zu füllen», erklärte das Expertenteam.

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Ling Uaan 10.10.22 21:21
Untergrund der ehemaligen Gletscher
Da sind die Gletscher-Archäologen ja schon seit Jahren unterwegs um die Artefakte aus der Zeit vor dem letzten Vorstoß der Gletscher einzusammeln und auszuwerten. Also vor der kleinen Eiszeit, als sich Leute da aufhielten wo heute (noch) Gletscher sind.

Ein sehr interessantes Forschungsgebiet.
Thomas Knopf 10.10.22 15:00
Gletscherschmelze
Wird interessant werden, welche Erkenntnisse es geben wird, vom Untergrund der ehemaligen Gletscher.
Immerhin wird "vorsichtiger" formuliert (... seit den Aufzeichnungen von knapp 100 Jahren).
Das Alter des größten europäischen Festlandgletschers soll bei 5000 Jahren liegen, und ich denke mal, das Grönland nicht umsonst "Green" bedeutet.
Auch habe ich im Naturkunde Museum Luxemburg eine Grafik gesehen, das alle 120.000 Jahre eine extremer Wärmeperiode kommt (unterbrochen von kleineren Eiszeiten).
Also, das wir Menschen da wohl eher nur noch "ne Sahnehäubchen