BANGKOK: Die thailändische Regierung hat angesichts wachsender Probleme mit Elektrofahrzeugen (EVs) Sofortmaßnahmen angeordnet. Hintergrund sind zunehmende Beschwerden über technische Mängel, geschlossene Servicezentren sowie starke Preisnachlässe kurz nach dem Fahrzeugkauf.
Wie Supamas Isarabhakdi, Ministerin im Büro des Premierministers, nach einer Sitzung zum Verbraucherschutz am Montag (11. Mai 2026) im Government House erklärte, sei die Zahl der Beschwerden von Käufern deutlich gestiegen. Viele Verbraucher hätten Elektrofahrzeuge im Rahmen der staatlichen Förderung alternativer Energien während der Energiekrise erworben, sähen sich nun jedoch mit erheblichen Problemen konfrontiert. An der Sitzung nahmen unter anderem der Generalsekretär des Office of the Consumer Protection Board (OCPB), Ronnarong Poolpipat, Vertreter des Thailand Consumers Council (TCC) sowie Betreiber aus der EV-Branche teil.
Defekte belasten viele EV-Käufer
Nach Angaben der Ministerin hätten zahlreiche Käufer Fahrzeuge mit technischen Defekten erhalten oder müssten feststellen, dass Servicenetzwerke aufgegeben wurden. Zudem seien die Preise vieler Modelle kurz nach dem Kauf deutlich gesunken. Dadurch seien bei vielen Verbrauchern Zweifel an Sicherheit, Qualitätsstandards, Ersatzteilversorgung, Montageprozessen und dem Kundendienst entstanden.
Zwischen 2024 und 2026 gingen beim OCPB insgesamt 556 Beschwerden im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen ein. Der Thailand Consumers Council registrierte weitere 792 Fälle. Damit summierte sich die Gesamtzahl auf 1.348 Beschwerden. Nach offiziellen Angaben konnten bislang 402 Streitfälle beziehungsweise 72,3 Prozent der bearbeiteten Fälle beigelegt werden.
Preisstürze und Defekte belasten Käufer
Am häufigsten beklagten Verbraucher technische Defekte und Fehlfunktionen der Fahrzeuge mit 47,3 Prozent aller Fälle. Weitere Beschwerden betrafen nicht erstattete Anzahlungen bei Reservierungen mit 18,2 Prozent, starke Preisreduzierungen nach dem Kauf mit 14,7 Prozent sowie nicht gelieferte Werbeprämien mit 13,1 Prozent. Zudem wurden Unfälle oder verzögerte Reparaturen gemeldet.
Darüber hinaus berichteten Kunden in 329 Fällen über geschlossene Servicezentren. Weitere Beschwerden betrafen beschädigte oder fehlerhafte Ausrüstung, lange Wartezeiten auf Ersatzteile sowie die Unmöglichkeit, Fahrzeuge nach Firmenschließungen zurückzugeben.
Klagen gegen mehrere EV-Anbieter
Supamas betonte, Fahrzeuge seien wichtige Vermögenswerte vieler Haushalte, weshalb Verbraucher fair behandelt werden müssten. Das Verbraucherschutzkomitee habe inzwischen Zivilklagen gegen mehrere Betreiber genehmigt, um Schadensersatzforderungen in Höhe von mehr als 103,1 Millionen Baht durchzusetzen.
Zudem verwies die Ministerin darauf, dass Elektrofahrzeuge nach dem Verbraucherschutzgesetz als „kennzeichnungspflichtige Produkte“ eingestuft seien. Unternehmen seien daher verpflichtet, klare und korrekte Produktinformationen bereitzustellen.
Das OCPB wurde außerdem angewiesen, ein digitales „EV Labels“-Handbuch zu erstellen. Dieses soll die Kennzeichnungsinformationen sämtlicher in Thailand verkaufter Elektrofahrzeuge bündeln und Verbraucher zugleich über ihre Rechte sowie wichtige Prüfungen vor dem Kauf informieren.