Pattaya vor der Bürgermeister-Wahl

Mehr Referendum als klassischer Machtwechsel

Die drei Bürgermeisterkandidaten Ittiwat Watanasatathorn, Poramet Ngampichet und Sakchai Taengho (v. l. n. r.). Bild: PR Pattaya
Die drei Bürgermeisterkandidaten Ittiwat Watanasatathorn, Poramet Ngampichet und Sakchai Taengho (v. l. n. r.). Bild: PR Pattaya

PATTAYA: Wenn man die Stimmung in Pattaya und die verfügbaren Informationen zusammennimmt, dann wirkt die Bürgermeisterwahl in Pattaya derzeit weniger wie ein klassischer Machtwechsel und mehr wie ein Referendum über die bisherige Amtszeit von Poramet Ngampichet. Sein Wahlkampfslogan lautet sinngemäß „Anfangen, fertigstellen und weitermachen“. Er setzt darauf, dass die Wähler die sichtbaren Infrastrukturprojekte, Straßenbauarbeiten, Entwässerungsmaßnahmen, Smart-City-Projekte und Investitionen in den Tourismus als Erfolg bewerten.

Sein stärkster Gegner ist Ittiwat Watanasatathorn von der People's Party. Dessen Kampagne ist deutlich stärker auf soziale Themen ausgerichtet. Er spricht über Kinderbetreuung rund um die Uhr für Schichtarbeiter, bessere Bildungsmöglichkeiten und niedrigere Lebenshaltungskosten, insbesondere für die Bewohner von Koh Larn. Die People's Party versucht dabei, den Wunsch nach mehr Transparenz und einer moderneren Stadtverwaltung anzusprechen.

Pattaya folgt eigenem politischen Kurs

Interessant ist, dass Pattaya politisch nicht ganz dem nationalen Trend folgt. Zwar hat die People's Party in vielen urbanen Gebieten Thailands eine starke Anhängerschaft, gleichzeitig verfügen die traditionellen lokalen Netzwerke in Pattaya weiterhin über erheblichen Einfluss. Genau diese lokalen Strukturen haben Poramet bereits 2022 zum Sieg verholfen und bilden auch heute noch sein wichtigstes Fundament.

Wenn heute gewählt würde, hätte Poramet weiterhin die besseren Karten. Viele Einwohner sehen die zahlreichen Baustellen zwar kritisch, gleichzeitig erkennen viele an, dass investiert und gebaut wird. Der Amtsbonus ist in Kommunalwahlen oft stärker als bei nationalen Wahlen. Die Opposition kann punkten, wenn es ihr gelingt, jüngere Wähler und bislang weniger aktive Wählergruppen zur Stimmabgabe zu bewegen.

Signalwirkung weit über Pattaya hinaus

Ein deutlicher Sieg Poramets würde zeigen, dass die etablierten lokalen Netzwerke weiterhin dominieren. Sollte Ittiwat überraschend nahe herankommen, wäre das ein Signal dafür, dass die People's Party auch auf kommunaler Ebene in Pattaya dauerhaft Fuß fasst. So sieht es die Bangkok Post.

Nach allem, was derzeit öffentlich bekannt ist, kann man den Trend als „leichter bis deutlicher Vorteil für Poramet Ngampichet“ beschreiben, aber nicht als uneinholbaren Vorsprung. Öffentliche Umfragen mit belastbaren Zahlen sind bisher kaum verfügbar schreibt die Bangkok Post, weshalb viel auf Beobachtungen aus dem Wahlkampf und die lokale politische Erfahrung gestützt wird.

Familienclans mit großem Einfluss

Um Pattaya zu verstehen, muss man eigentlich zwei politische Systeme gleichzeitig betrachten: das offizielle Wahlsystem und die lokalen Machtstrukturen. Anders als in Bangkok, wo Parteien oft im Mittelpunkt stehen, spielen in Pattaya seit Jahrzehnten einflussreiche Familiennetzwerke und lokale Gruppen eine große Rolle. Die wichtigste davon war lange die Kunplome-Familie, die in Chonburi und Pattaya über viele Jahre eine Art politische Hausmacht aufgebaut hat. Aus diesem Umfeld entstand auch die Gruppe „Rao Rak Pattaya“ („Wir lieben Pattaya“), die die Stadtpolitik seit Jahren dominiert.

Poramet Ngampichet gehört zwar nicht zur Kunplome-Familie selbst, wird aber von vielen Beobachtern als Teil dieses etablierten politischen Lagers gesehen. Sein Vorteil liegt darin, dass er nicht nur Bürgermeister ist, sondern auf ein sehr gut organisiertes lokales Netzwerk zurückgreifen kann. Bei der Wahl 2022 gewann seine Gruppe nicht nur das Bürgermeisteramt, sondern sämtliche Sitze im Stadtrat – ein außergewöhnlich starkes Ergebnis.

Junge Wähler im Blick der Partei

Die People's Party verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Sie versucht, Politik stärker über Programme, Transparenz und Reformen zu definieren. Ihr Kandidat Ittiwat Wattanasartsathorn spricht besonders jüngere Wähler, Angestellte, Unternehmer und Menschen an, die mit den traditionellen politischen Strukturen unzufrieden sind. Die Partei wirbt mit mehr Transparenz, besseren kommunalen Dienstleistungen und einer moderneren Verwaltung, so sieht es ein Kommentator von Khaosod. Der eigentliche Konflikt dieser Wahl lautet deshalb nicht „links gegen rechts“ oder „konservativ gegen progressiv“, sondern eher: Lokale Erfahrung und Netzwerke gegen politische Erneuerung.

Poramet sagt im Grunde: „Schaut euch an, was in den letzten vier Jahren gebaut und verbessert wurde, und lasst uns weitermachen.“ Seine Kampagne konzentriert sich stark auf konkrete Projekte, Infrastruktur und die internationale Positionierung Pattayas als Tourismus- und Investitionsstandort.

Mehr Bürgerbeteiligung als Ziel

Die People's Party dagegen argumentiert, dass Pattaya trotz vieler Investitionen weiterhin Probleme mit Verkehrsplanung, Verwaltungseffizienz und Lebensqualität habe. Sie versucht insbesondere jene Wähler anzusprechen, die sich mehr Mitsprache und weniger Abhängigkeit von traditionellen Machtgruppen wünschen.

Der Eindruck aus den aktuellen Berichten zeigt, dass Poramet weiterhin der Favorit bleibt. Die People's Party hat zwar Rückenwind bei jungen und politisch interessierten Wählern, aber Pattaya ist traditionell eine Stadt, in der persönliche Bekanntheit, lokale Beziehungen und konkrete sichtbare Projekte oft mehr Gewicht haben als nationale Parteipolitik.

Test für alte und neue Kräfte

Sollte Ittiwat auf über 40 Prozent kommen, wäre das bereits ein bemerkenswerter Erfolg für die People's Party. Gewinnt Poramet dagegen ähnlich deutlich wie sein Lager 2022, wäre das ein Zeichen dafür, dass die traditionellen lokalen Machtstrukturen in Pattaya trotz der landesweiten politischen Veränderungen weiterhin sehr stabil sind.

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