TEL AVIV/GAZA: Ein palästinensischer Klinikchef in israelischer Haft soll in Lebensgefahr schweben. Menschenrechtler fordern medizinische Hilfe, die Behörden weisen alle Vorwürfe energisch zurück.
Ein bekannter palästinensischer Arzt in israelischer Haft soll sich nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation und seines Anwalts in akuter Lebensgefahr befinden. Der Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Norden des Gazastreifens, Hussam Abu Safija, war vor eineinhalb Jahren während des Gaza-Kriegs von Israel festgenommen worden. Israel wirft ihm Verbindungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas vor.
Warnung vor dramatisch verschlechterter Gesundheit
Die israelische Organisation Ärzte für Menschenrechte warnte, Abu Safijas Gesundheitszustand habe sich während der Haft drastisch verschlechtert. Sein Anwalt Nasser Odeh habe ihn am 2. Juli in einer unterirdischen Haftanlage im Nitzan-Gefängnis in der Nähe von Tel Aviv besucht. Er habe schwere Kopfverletzungen erlitten, sei extrem geschwächt gewesen, zeitweise kaum ansprechbar und habe Atembeschwerden gezeigt.
Vorwürfe von Misshandlung und Gewalt
Abu Safija selbst berichtete laut Anwalt von schweren Misshandlungen während der Haft, darunter Schläge und wiederholte Gewalt in Einzelhaft sowie fehlende medizinische Versorgung. Der Arzt habe große Angst um sein Leben geäußert.
Die israelische Organisation fordert seine sofortige Verlegung, unabhängige medizinische Untersuchung und Freilassung.
Gefängnisbehörde weist Vorwürfe zurück
Die israelische Gefängnisbehörde teilte auf Anfrage mit: «Die erhobenen Vorwürfe sind falsch und entbehren jeder faktischen Grundlage.» Alle Gefangenen würden in Einklang mit dem Gesetz festgehalten und erhielten eine professionelle medizinische Versorgung. Man weise «Vorwürfe von Misshandlung, Folter, Aushungern oder der Verweigerung medizinischer Behandlung zurück», hieß es weiter.
Nach Abu Safijas Festnahme im Dezember 2024 hatte die Armee mitgeteilt, er werde wegen des «Verdachts seiner möglichen Beteiligung an Terroraktivitäten» befragt. Die Hamas habe die Klinik im Norden des Gazastreifens für militärische Zwecke und als Versteck genutzt, lautete der Vorwurf der Armee.
Berichte zu Hamas-Verbindungen des Klinikchefs
Die «Times of Israel» berichtete, Abu Safija habe als Oberst in einem Sanitätsdienst der Hamas gedient. Nach Angaben seiner Verteidiger war er nach seiner Festnahme auch in dem berüchtigten Militärlager Sde Teiman schwer misshandelt worden.
Das Oberste Gericht in Jerusalem hatte im vergangenen Monat einen Antrag Abu Safijas auf Haftentlassung zurückgewiesen. Das Gericht entschied, dass Israel ihn nach dem Gesetz über «unrechtmäßige Kombattanten» weiterhin ohne Anklage festhalten dürfe. Während der Verhandlungen war der mit Handschellen gefesselte Palästinenser auf Videoaufnahmen zu sehen und wirkte darauf blass und eingefallen.
Es gibt immer wieder Berichte über mutmaßliche Misshandlung palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen. Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir hatte immer wieder betont, er habe eine deutliche Verschlechterung von Haftbedingungen angewiesen.