ZÜRICH: Zur Entwicklung der Nato meint die «Neue Zürcher Zeitung» am Freitag:
«Die USA, die ihren geopolitischen Gestaltungswillen spätestens mit den Interventionen in Iran und Venezuela unter Beweis gestellt haben, wissen durchaus, was sie an der transatlantischen Allianz haben. Ohne Militärbasen, Luftbetankung, Überflugrechte und Materialnachschub in Europa wäre der Iran-Krieg in dieser Form nicht möglich. Ein amerikanischer Austritt aus der Nato ist unrealistisch, auch die größte Militärmacht der Welt ist mit Partnern stärker als ohne.
Europa tut aber gut daran, die neuen Realitäten ernst zu nehmen. Die gute Nachricht ist: Es tut sich etwas. Ob Verteidigungsbudgets, Führungsposten oder die Übernahme von militärischen Fähigkeiten - noch nie war die Nato so europäisch, und sie wird es künftig noch stärker werden. Das Erwachen begann mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, aber Trumps Worte und Taten beschleunigten die Entwicklung. Die Hürden sind nunmehr innenpolitischer Natur, weil das Geld für die Aufrüstung anderswo eingespart werden muss.
Aufzuhalten ist der Trend nicht. Der amerikanische Fokus wird sich mit jedem Jahr mehr in Richtung Indopazifik verschieben, was - wie sich dieser Tage wieder zeigt - Europa zu spüren bekommt. Es ist im Sinne der europäischen Staaten, diesen Transformationsprozess so geräuschlos wie möglich über die Bühne zu bringen - in der Hoffnung, dass die USA nicht auch noch ihren Nuklearschirm infrage stellen.»