Neulich, am Strand: Mein erstes Mal

Seit einigen Wochen steht für mich an, mein Jahresvisum zu verlängern. Zum ersten Mal. Ich muss zugeben, es kommt in mir ein „gewisses Unbehagen“ auf. Stimmt mit meinen Dokumenten wirklich alles? Ist es tatsächlich so einfach, wie einige sagen, oder stimmen die Horrorgeschichten, die überall herumgereicht werden? Was, wenn bei mir doch alles ganz anders sein wird? „Was, Sie wollen noch eine Visaverlängerung? Ha, ha, ha, wozu denn das noch?“, höre ich den uniformierten Officer mich auslachen. Im Geist sehe ich, wie mich der Officer wie eine Kakerlake zertritt.

Was habe ich in der letzten Zeit nicht alles aus den Medien vernommen: 12 Farangs ohne Visa erwischt, da und dort Kontrolle, jede Menge Leute mit Overstays verhaftet, bei Overstay kein Freikaufen mehr. Nein, gleich ab nach „Bangkok-Hilton“. Solche Meldungen sind mir immer mehr aufgefallen, je näher mein Visaverlängerungstermin kommt. Und - sie bleiben im Gedächtnis hängen. Sonst vergesse ich nämlich Zeitungsmeldungen mit dem Umblättern gleich wieder. Aber jetzt, jetzt bleibt es hängen. Und bald konnte ich nicht mal ein Bier in der Bar genießen. Was, wenn nun die Polizei ausgerechnet jetzt hier eine Kontrolle durchführt? Ich habe nicht mal meinen Pass dabei. Ein Schaudern läuft über meinen Rücken. Ich sehe mich schon, mit 70 oder mehr anderen armen Kerlen, die auch nur einen klitzekleinen Fehler beim Formulare-Ausfüllen gemacht haben, in einer Massenzelle in Bangkok. Oh je! Ich werde vermutlich in Handschellen zum Exekutieren geleitet, oh Mann, Horror! In der letzten Nacht habe ich schlecht geschlafen. Meine natürliche Abneigung gegen jegliches Behördenzeug hat voll eingeschlagen. Im Traum bin ich im vergitterten Käfigwagen zum Flughafen gefahren worden...

Der alles entscheidende Tag

„Also, so kann es nicht weitergehen”, habe ich mir gedacht. Deshalb habe ich meinen Kumpel gefragt. „Ja, dann wollen sie wieder ein neues Formular ausgefüllt haben, oder es fehlt wieder eine Kopie von etwas”, zunehmend ängstlich höre ich meinem Kollegen zu, was er mir da über die Visaverlängerung berichtet. Immerhin ist er schon gegen 20 Jahre in Thailand. Also ist er für mich, den Neuling, ein Experte. Wertvolle Tipps verabreicht er mir. Etwa: „Geh nicht am Montag, da ist die Immigration voll.“ Oder: „Geh nicht am Freitag, da wollen sie nicht mehr arbeiten.“ „Okay, ich werde an einem DI, MI, oder DO gehen“, beschließe ich. „Aber nicht gleich am Morgen, da ist es voll“, er schaut mir tief in die Augen. „Ja, klar! Und vermutlich nicht zu spät am Nachmittag“, antworte ich. „Jetzt hast du es begriffen“, meint mein Kumpel stolz. „Und nicht in einer Woche mit einem Feiertag drin!“, doziert er weiter. Nach 2 Stunden Horrorgeschichten aus der „Immi“ wird es mir dann doch zu viel. Ich mache mich auf, nach Hause zu gehen. „Die werden die Sau schon nicht schlachten, dafür bist du zu mager”, lacht er mir noch hinterher. Beruhigt gehe ich.

So, und nun ist er gekommen, der alles entscheidende Tag. Mit meinem Stapel Dokumente und Fotos, zur Sicherheit die Originalunterlagen, einfach allem, was auch nur annähernd für den Behördengang gebraucht werden könnte, unter dem Arm, schreite ich auf die „Immi“ zu. Mit jedem Schritt näher verabschiedet sich meine Zuversicht zunehmend. Ich fühle mich wie ein Schwein vor dem Abschlachten, obwohl mein Kumpel mir das Gegenteil versichert hat. „Was, wenn nicht, hä?“, es wäre ja meine Birne, die abgehackt würde. Und niemand ist da, der mir mein Händchen hält... Vorbei an einem Gefängniswagen, der genauso aussieht, wie der aus meinem Traum, laufe ich über den Hof in die Immigration. „Haben Sie alle Dokumente und Unterlagen vollständig?“, will die Dame am Empfang wissen. „Ich hoffe“, antworte ich unsicher. „Darf ich sehen?“, lächelt sie mich an und nimmt mir mein Dossier ab. „Sie meint es nur gut“, schießt es mir durch den Kopf. Nach kurzem Durchblättern der Papiere, reicht sie mir meinen Stapel und einen Nummernzettel. Schalter 9. „Danke” „Ha, sie hat sich bei mir bedankt, sie hat es nur gut gemeint“, denke ich. So warte ich vor Schalter 9. „Visaverlängerung?“, fragt mich ein Thai, der neben dem Officer am Schalter eifrig mit einem Farbmarkierer Dokumente einfärbt. Mit einem Handzeichen fordert er meine Dokumente. „Er wird es nur gut meinen“, beruhige ich mich und gebe ihm das Gewünschte. Den Gefängniswagen habe ich schon vergessen. „Hier, Kopien fehlen, das, das und dies. Kopieren kann man da drin“, ohne aufzuschauen, hält er mir meinen Pass und mein Bankbuch hin. Ich gehe zum Kopierer im Nebenraum, wo mir eine Dame der „Immi“ mit einem Lächeln das Fehlende kopiert. Und, dass die Kopien nur 6 Baht kosten, zeigt doch, dass sie es nur gut mit mir meinen. Zurück am Schalter 9 nimmt mir der Herr mit Markierstift die Gebühren ab, überreicht mir eine Plastikkarte mit Nummer und fordert mich auf, am nächsten Tag ab 10 Uhr zu kommen. Ich bin ganz „Baff“. Was, ohne Gerichtsverfahren? Einfach so! Freies Geleit, keine Haft, nicht mal Drohfinger. Ein „Aber, aber!“, mit geschwenktem Zeigefinger hätte ich erwartet. Aber nix dergleichen.

Am nächsten Tag um 5 vor 10 händigt mir der Officer meinen Pass aus. Sofort kontrolliere ich, ob auch tatsächlich das neue Visum drin ist. „Dieses Mal hab ich es bekommen“, stelle ich fest. Der Officer hat es gut gemeint mit mir. Und der Käfigwagen draußen muss auf andere Kundschaft warten.

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Leserkommentare

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Michael Ritsche 31.05.17 11:05
Neulich am Strand
Ist ja nun wirklich kein Ratgeber für das Leben in Thailand, Es ist einfach nur eine unterhaltsame Kolumne. Ja,das mit Unterhaltsam liegt wie immer im Auge des Betrachter. Mir gefällt diese Art und ich lese diese gerne. Einen höheren Anspruch wird Khun Ten bestimmt auch nicht haben. Wer handfeste Informationen zur Immigration will,muss und kann sich an geeigneten Stellen in Thailand und auch Online diese Einholen.
Jürgen Franke 30.05.17 15:25
Ist ein Einkommensnachweis erforderlich,
so wird eine derartige Bescheinigung erst vom Konsul beglaubigt, übersetzt und in Bath umgerechnet. Erst dann kann sie der Immigration vorgelegt werden. Bei meinem letzten Besuch wurde überraschend ein Foto, vom Mieter vor dem gemieteten Objekt verlangt. Trotz Mietvertrag und ID Nachweis des Vermieters. Ich habe nicht gewagt, mir den Sinn dieser Vorschrift erklären zu lassen. Auf Überraschungen sollte man in Thailand immer gefaßt sein, denn das gehört auch zur Faszination dieses Landes.
Alfred Steingruber 29.05.17 20:45
Fakten erwünscht
belletristisch gesehen kann man diesem Beitrag möglicherweise etwas abgewinnen, aber wer sich Fakten erwartet hat, wurde im Regen stehen gelassen. Mich hätte schon interessiert, welche Dokumente, Unterlagen und Kopien und allenfalls andere Voraussetzungen für das beschriebene Jahresvisum erforderlich sind. Vielleicht gibt es noch einen Nachtrag.
Jürgen Franke 29.05.17 15:13
Herr Zingg, da es für mich nicht nachvollziehbar
ist, dass man den Paß erst am nächsten Tag wieder zurück bekommt, obwohl sämtliche Unterlagen, wie dem Leserbrief zu entnehmen war, ordnungsgemäß vorlagen, halte ich diese Vorgehensweise nicht nur für schwachsinnig sondern auch für extrem kundenunfreundlich. Die Begründung, warum diese Vorgehensweise bei dieser Immigration normal ist, konnte ich Ihrem polemischen Kommentar leider nicht entnehmen.
Felix Zingg 29.05.17 12:41
@Jürgen Franke
Dass der Pass erst am nächsten Tag abholbereit ist, ist auf der Immigration Jomtien Courant normal. Ist also der Schwachsinn bei der Immi? Zudem glaube ich kaum, dass Sie den Inhalt der Geschichte verstanden haben. Ebenso diejenige die sich von einem Artikel belästigt fühlen.