Neulich, am Strand: Reiseziel Ayattap

„Ich kam schon bald 20 Jahre nach Ayattap jeweils in die Ferien und lebe aber mittlerweile nach meiner Pensionierung seit einigen Jahren hier. Ich war immer zufrieden und glücklich, wobei ich ja überhaupt keine Ansprüche stellte. An gar nix und niemand. Also ehrlich! Unter uns gesagt: Ich rauche nicht. Deswegen geht mich die ganze Aufregung wegen des Rauchverbots am Strand nicht an. Ich bin kein Sextourist. Deswegen heben die Damen auf der Promenade kaum den Blick von ihrem Handy, wenn ich vorbeilaufe. Ich esse vegan und koche selbst, selbst die fahrenden Garküchenbetreiber baggern mich nicht mehr an und lassen mich links liegen. Alkohol trinke ich fast gar nicht. Ein, zwei Mal im Monat gönne ich mir ein Bierchen. Aber eigentlich trinke ich nur Sprudelwasser. Damit hat es sich aber auch schon.“

„Auf einem Konto auf einer Thai-Bank habe ich 1 Mio. Baht parkiert, um das lästige Nachweisen der Finanzkraft für das jährliche Visaverlängern so bequem wie möglich zu haben. Ich lasse die Kohle aus Faulheit gleich da liegen und bediene mich für die täglichen Ausgaben aus einer anderen Schatulle. Tagsüber hänge ich am Swimmingpool oder in den Liegestühlen am Strand herum und löse Sudoku und andere Rätsel. Abends ziehe ich von Bar zu Bar, wo ich überall schon als „Mr. Soda“ bekannt bin. Und weil ich dermaßen seriös lebe, habe ich auch nie finanzielle oder andere Probleme. Im Gegenteil sogar. Die Mamasan in den Bars empfiehlt mich ganz explizit ihren Mädchen. „Schaut her. So einen Farang müsst ihr angeln. Nicht so versoffene Typen aus allen Herrenländer.“ Schon öfters hat mich eine Lady in der Bar angehauen: „Bist du der, der so perfekt sein soll, wie Mamasan sagt?“ Ich schaue mir dann das Persönchen, dass vor mir steht etwas genauer an. Und wenn sie mir gefällt, frage ich dann nach: „Was sagt denn Mamasan sonst noch über mich?“ „Na, zum Beispiel, du säufst nicht, du hurst nicht rum und trotzdem lässt du Geld hier liegen“, bekomme ich zur Antwort. Verblüffende Ehrlichkeit, wirklich. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich der perfekte Farang für die Damen wäre. Nicht so, wie alle anderen Farangs, die hierherkommen. Was mich selbst immer wieder erstaunen lässt ist, dass ich wegen der schönen Berge und sehenswerten Wasserfällen hierhergekommen bin und Rundwanderungen im Dschungel von Ayattap gebucht habe.“

Ist nicht alles genau umgekehrt?

Etwa so tönen zusammengefasst die Rechtfertigungen der Leute, die ich in den letzten zwei bis drei Wochen hier angetroffen habe. Doch leider hat die Geschichte einen Makel. Glauben Sie denn wirklich, dass die Herren nach Ayattap gekommen sind, um wie Engel Aloisius, Manna zu saufen, zu frohlocken und Hosianna singen? Ist es vielleicht nicht so, dass alles umgekehrt ist? Dann wird aus Ayattap auf einmal Pattaya. Und aus den Rechtfertigungen der Herren wird nur Geschwätz, wenn auch amüsantes. Das Leben ist halt kein Paradies, auch nicht in Thailand. Nur die Hintergründe, warum die Herren hierherkommen, bleiben dieselben. Liegt der Grund nicht eher in unserer Gesellschaft in unseren Heimatländern? Hört doch endlich auf, euch dauernd etwas vorzumachen! Schaut den Tatsachen ins Gesicht, ihr Männer und Frauen! Ihr, Männer, die hierherkommt, seid eine verschwindend kleine Masse in der Gesellschaft, genauso wie die Flintenweiber an der Emanzenfront, die da­rüber ätzen. Der große Rest der Gesellschaft interessiert sich gar nicht für euch.

Warum flüchten denn diese Männer vor den Emanzen in unserer durch und durch hochentwickelten Gesellschaft? Was sollen denn die Männer mit solchen Reibeisenweibern? Wenn nur noch Karrierefrauen alleinstehend sind, die keinen Mann abbekommen haben, weil ihnen ihre eigene Verwirklichung wichtiger ist? „Von den `Alice-Schwarzer-Töchtern` habe ich genug! Deshalb bin ich hier“, höre ich öfters, wenn ich eine ehrliche Person treffe. Und ich höre jetzt das Gelächter der Frauen, die da rufen: „Nicht mit der Kneifzange würden wir solche Typen anfassen!“ Nun, liebe Vertreter(-innen) dieser Meinung: Ich bin überzeugt, dass ‚solche Männer‘ nie im Leben eine ‚solche Frau‘ auch nur mit einem Bolzenschneider anfassen würden! Also lasst euch gegenseitig in Ruhe und gesteht jedem das Recht zu, sein Leben so zu gestalten, wie es ihm passt. Solange der eine dem anderen dabei nicht ins Gehege kommt, soll jeder nach seiner Fassung glücklich werden können. Dann können wir alle auch wieder in Ruhe ein Bierchen trinken. Und was die Thai-Ladys anbelangt: Ich habe bisher noch keine getroffen, die den Ratschlag oder moralische Unterstützung westlicher Kreise aus der Ferne benötigt hat. Die kommen schon zurecht. Davon kann man sich vor Ort selbst überzeugen. Die Damen wissen, was sie wollen und wie sie es bekommen. Oder glaubt hier wirklich jemand, die ‚armen Dinger‘ sind ja so unbelesen, dass sie unsere (sprich eure eigene Auffassung) zu übernehmen haben??? Hä? Ein Urteil über den Lebensstil anderer steht euch nicht zu! Wenn der Papst selbst sagt: „Wer bin ich, dass ich über andere (gemeint hat er hier Schwule) urteile?“ Soll jeder so leben wie es ihm passt und jedem dem anderen das auch zugestehen.

Sollte das jemand nicht können, müsste man davon ausgehen, dass der Neid nicht zu tun, was er selbst will, und nicht zu haben, was andere haben, der Antrieb fürs Lästern ist. Und zu allerletzt: Im Großraum Pattaya leben etwas über 100.000 ganz normale Leute. Wie überall anderswo.

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Leserkommentare

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mar rio 30.09.18 18:25
Ein wirklich heimeliger Artikel
Also ist es gar nicht so, dass die Thaimädels lieber die Schulbank drücken würden, oder Haus und Hof inkl. Eltern/Großeltern versorgen, einen Beruf lernen möchten und einen guten Arbeitsplatz haben anstatt versoffenen, alten, fetten Farangs (das gilt natürlich auch für Asiaten) gefügig zu sein? Alles aus guter alter Tradition, selbst gewählt die Situation sozusagen. Oder wie es im Artikel heißt, "Die kommen schon zurecht". Nur wie?! Es geht in erster Linie eben nicht darum, über jemanden zu urteilen, sondern darum, ob jeder die Möglichkeit hat, so zu leben wie es ihm passt und jedem dem anderen das auch zugesteht.